Zum 50. Geburtstag der Frohnauer Volksschule. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Zum 50. Geburtstag der Frohnauer Volksschule.

1934 > 1934-28
In diesem Jahre kann die Schule zu Frohnau auf ihr 50jähriges Bestehen zurückblicken. Die Gemeinde Frohnau begeht diesen in ihrer Entwicklung bedeutsamen Tag mit einem Schulfest, an dem zugleich gebührend des Jubel-Ereignisses gedacht werden wird.

Schulfeste und Schule bilden in der Gemeinde Frohnau eine immerhin ansehnliche Tradition. Bereits 1885 wurde das erste Schulfest auf der Bäuerin abgehalten. Der Erfolg, den es nach innen und außen brachte, war bestimmend für die nunmehr regelmäßige Abhaltung derartiger Veranstaltungen, und zwar fand seit dieser Zeit aller 2 Jahre ein Schulfest statt, das abwechselnd auf der "Bäuerin" und auf "Markus Röhling" von statten ging. Einmal wurde als Ort der Gasthof-Garten, einmal auch der "Hüttengrund" gewählt.
Frohnau, altes und neues Schulhaus
Das alte Schulhaus (jetzt Fleischermeister Richard Reuther) und die neue Schule in Frohnau.
(T. A. W.-Photodienst.)
Die alte Schule war in einem Bauern- und Wohnhaus untergebracht, das 1841 von der Gemeinde gekauft wurde. Ursprünglich war nur ein Schulzimmer vorhanden., das aus der Wohnstube entstanden war. Es mußte bereits 1862 vergrößert werden, doch vermochte es bald der ansteigenden Schülerzahl nicht mehr Genüge zu leisten, sodaß man 1874 zum Bau eines zweiten Schulzimmers schreiten mußte. Diesem Zwecke diente der Stall, der umgebaut wurde. In beiden Räumen wurden derzeit 340 Kinder von 2 Lehrern unterrichtet. War damit an sich schon Raumnot vorhanden, so wurden die Verhältnisse untragbar, als sich die Kinderzahl auf 380 erhöhte, denn nun saßen die Kinder, wie noch manche der alten Einwohner zu erzählen wissen, auf den Fensterbrettern, vor dem Katheder, an der Tür usw. So faßte denn das Kollegium den notwendigen Entschluß, eine neue Schule zu bauen, ein Projekt, das für die Gemeinde immerhin ernstester Beratung bedurfte. Deshalb gab es auch manch erregtes Hin und Her bei den Beratungen, vor allem um den Bauplatz. Hier gingen die Wünsche auseinander und man sah keinen anderen Ausweg, als eine Kommission nach Dresden zu senden, die aus Archidiakonus Ziegler, August Wustlich und Wilhelm Meyer bestand. Im Kultusministerium gab es lange Beratungen, an denen auch der spätere Kultusminister Dr. Seydewitz teilnahm. Der Erfolg war, daß eine Kommission des Ministeriums von Dresden nach Frohnau kam und die vorgeschlagenen Bauplätze besichtigte, wobei der Platz gewählt wurde, auf dem die neue Schule heute steht. Er war 1881 für 1400 M. von der Gemeinde angekauft worden. Am 13. Juni 1883 begann der Bau, die feierliche Grundsteinlegung wurde am 19. Juli 1883 vorgenommen und zu Michaelis 1884, am 15. September, konnte zur Freude der Gemeinde die neue Schule, deren Bau insgesamt 46000 Mark gekostet hatte, durch Schulrat Dr. Spieß ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Schule ziert der Spruch: "Lerne, lehre, Gott zur Ehre". Die bei der Weihe gleichzeitig gepflanzte Lutherlinde erwies sich leider nicht sehr lange als lebensfähig. Um so fester aber steht das Schulgebäude.

Das alte Schulhaus, das jetzige Gebäude von Fleischermeister Kunau, wurde für 7327 Mark versteigert. Der Unterricht im neuen Schulhaus begann 3klassig.

Die ältesten und am längsten in Frohnau tätigen Lehrer sind: Lehrer Wagler, der das Zeitliche gesegnet hat, und die noch lebenden Oberlehrer i. R. Emil Schuffenhauer und Max Paatzsch. Besonderer Mittelpunkt der Ehrungen wird Oberlehrer i. R. Schuffenhauer sein, der bereits 1882 nach Frohnau kam, also auch in der alten Schule noch unterrichtet hat und ein lebender Zeuge der Entwicklung des Schulwesens in der Gemeinde ist.

50 Jahre Schule zu Frohnau! Tausende Kinder Deiner Gemeinde sind bei Dir ein- und ausgegangen und erhielten dort durch die Erziehungsarbeit Deiner Lehrer den Grundstein für den Bau ihres künftigen Lebens. Reich ist Dein Wirken, du ehrwürdiges Gebäude, groß ist Deine Aufgabe auch im neuen Deutschland. Stehe auch in Zukunft fest und treu als Baustein im großen Dom des deutschen Reiches.  Glück auf!

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 28 v. 8. Juli 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 127. Jahrgang, Nr. 28, 8. Juli 1934, S. 5

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