75. Geburtstag eines obererzgebirgischen Künstlers. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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75. Geburtstag eines obererzgebirgischen Künstlers.

1934 > 1934-04
Constantin Bach, Elterlein
Constantin Bach-Elterlein.

Am Sonntag, den 21. Januar, begeht einer der unbestritten hervorragendsten Künstler in seinem Berufe, der Holzbildhauer Constantin Maximilian Bach, seinen 75. Geburtstag. Er ist dem Erzgebirge und dem Sachsenlande, ja weit im deutschen Vaterlande in seinem künstlerischen Schaffen kein Unbekannter geblieben und hat sich dank seiner hervorragenden Leistungen Geltung verschafft.


Bach ist im Jahre 1859 in Cranzahl geboren und hat außer wenigen Jahren seine ihm treugewordene erzgebirgische Heimat nicht verlassen. Aus einfachen Verhältnissen hervorgegangen, mußte er schon in frühester Jugend durch Betätigung in der heimischen Posamentenindustrie zum Unterhalt seiner zahlreichen Geschwisterschar mit beitragen. Ohne eigentliche Lehre wurde er nach Beendigung seiner Militärzeit bei den Grimmaer Husaren durch vorübergehende Beschäftigung in einer Fabrik für Sargverzierung auf seinen späteren Beruf, die Kunst der Holzschnitzerei, hingeleitet. Eiserner Fleiß und künstlerisches Empfinden haben ihn zu dem steilen und dornigen Pfad der Kunst emporgeführt.


Bach ist nicht einer jener, die nur wegen des Geschäftes und Namens schaffen, sondern ein Künstler, der mit ganzer Seele an seinem Beruf hängt, in ihm wurzelt und nicht anders kann, als künstlerisch zu schaffen, und der mit dieser seiner Freudigkeit am Werk sich auch vorbildlich in den Dienst der Heimat, insbesondere unserer erzgebirgischen Heimat, gestellt hat.


Durch seinen ausgeprägten Sinn für Naturschönheit hat er für seinen Beruf Werke abgelauscht, die er in seiner Werkstatt mit höchster technischer Kunstfertigkeit aus einem Stück Holz dann arbeitete. So beobachtete er z. B. den erzgebirgischen Waldarbeiter, wie er schwer stapfend am Abend nach angestrengter Tätigkeit in den Holzschlägen des heimatlichen Waldes, mit der Tragraufe auf dem Rücken und auf einen knorrigen Stock gestützt, zu den Seinen zurückkehrt. Oder er nimmt sich eine Respektsperson, den Nachtwächter, vor und stellt ihn dar, wie er in Sturm und Wetter, ausgerüstet mit Spieß, Horn und Laterne, über das Wohl und die nächtliche Ruhe seiner Vaterstadt wacht. Als weiteres erzgebirgisches Original istder Rußbuttenmann zu nennen, der vor etwa 45 Jahren noch in bestimmten Zeitabständen als Händler den von den damaligen noch tätigen Köhlern hergestellten Ruß verkaufte.


Auch aus der vaterländischen Geschichte verstand der Künstler packende Werke darzustellen. So zeigt ein Relief den sächsischen Prinzenraub, das einmal in der Kunstgewerbeschule in Dresden und einmal im Frohnauer Hammer steht. Auf der Gewerbeausstellung in Freiberg fielen besonders unter den mit silbernen Medaillen ausgezeichneten Werken des Hammerbundes die Bach'schen Krippenfiguren auf. Auch in den höheren Kreisen erfreute sich die Bach'sche Kunst wohlverdienter Wertschätzung. S. K. H. Prinz Johann Georg von Sachsen beauftragte den Künstler mit der Schaffung von 4 Originaltypen aus dem Erzgebirge für seine Privatsammlung, die er dann noch zweimal für S. M. König Friedrich August anfertigen mußte. Der Führer des Vereins Sächsischer Heimatschutz Hofrat Seyffert erwarb eine Figur für das Museum Säüchs. Volkskunde, auch der Erzgebirgsverkehrsverband kaufte für seine Unterkunftshäuser auf dem Pöhlberg usw. verschiedene Figuren, wodurch der Künstler weiten Kreisen bekannt wurde. Bei der künstlerischen Ausschmückung des Schlettauer Schlosses wurde Bach herangezogen, ebenso konnte er sich beim Umbau der Elterleiner Kirche künstlerisch betätigen. Einen besonderen Gönner und Förderer seiner Kunst fand der Jubilar in dem früheren Annaberger Amtshauptmann Dr. Weißwange. Viele Sendungen heimatlicher Typen gingen auch nach Amerika, England, Frankreich, Schweden usw. zu den Auslandsdeutschen und Ausländern. — Trotz seines hohen Alters sitzt der Meister noch heute zusammen mit seinem Sohn, den er sich zu einem tüchtigen Erben in seiner Kunst herangezogen hat und der mit dem Vater fast auf gleicher Stufe steht, von früh bis spät bei seiner künstlerischen Arbeit und formt weiter seine ihm lieb gewordenen Gestalten, die sein treuer und lieber Freund Anton Günther aus Gottesgab in seinen herrlichen Liedern so schön besingt. Eine ganz besondere Freude und Ehre wurde ihm dadurch zuteil, daß er zu einer für unseren Volkskanzler Adolf Hitler bestimmten Weihnachtspyramide, die Buchholzer Kunstfreunde vor kurzem dem Reichskanzler zum Geschenk machten, die Christgeburt arbeiten durfte.


Zu erwähnen ist weiter, daß der 104er Sturm in Chemnitz eine von dem Sohn des Künstlers, Karl Bach, hergestellte Sa-Mann-Figur kaufte und das Werk anläßlich einer Italien-Fahrt der N.S.K.K. Mussolini überreichte.


Eines der größten und schönsten Werke des Künstlers ist ein Reiterstandbild des Königs Friedrich August, welches aber im Familienbesitz bleibt.


Dem Jubilar wünschen wir aber zu seinem heutigen Tage, daß er noch recht viele Jahre bei Gesundheit in seinem liebgewordenen Berufe froh schaffen kann, um alsdann einen gesegneten Lebensabend noch feiern zu können.

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 4 v. 21. Januar 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 127. Jahrgang, Nr. 4, 21. Januar 1934, S. 7

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