Alt-Annaberger Originale - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

Direkt zum Seiteninhalt
Menü

Alt-Annaberger Originale

1927 > Nr. 9/1927
Text und Zeichnung von Rudolf Köselitz-München.
De Kuchenlindnern
"De Kuchenlindnern"
"De Kuchenlindnern"

Wer, wie der Schreiber dieses, an der Straße wohnte, welche nach den "Schießhaus" führt, konnte noch bis in die 80er Jahre vorigen Jahrhunderts hinein allsonntäglich nachmittags, wenn Tanzmusik war oder sonst eine Festlichkeit am Schießhaus stattfand, eine Frau mit einem langen, von einem sauberen Tuch bedeckten Korb unterm Arm munteren Schrittes den Weg dorthin machen sehen. Das stets freundliche frische Gesicht war umrahmt von einem sauberen "Kopptichl". Der Duft frischen Kuchens und anderen Gebächs machte die Frau besonders anziehend. — Das war die "Kuchenlindnern", ruhmseligen Angedenkens, wohl die populärste Frau damals von ganz Annaberg.
Laux vom Schießhaus
"Der Laux vom Schießhaus"
"Der Laux vom Schießhaus"

war auch ein Typus originellster Art. Er war das Faktotum vom Schießhaus, auch "Gasdirektor" desselben (da dort eigene Gasherstellung aus Steinkohlenteer stattfand); treu wie Gold. Er gehörte zu den täglichen Passanten der Schießhausstraße, und zwar in ziemlich kurzen Intervallen.
Der "Mosikdirekter"
Der "Mosikdirekter"
Endlich

der Mosikdirekter,

Neubert hieß er, war das Genie für Alles bei dem ehemaligen Stadtmusikdirektor Stahl. Er hatte Besorgungen verschiedenster Art zu verrichten, vor allen Dingen die: auf einem Handwagen die Musikinstrumente der Stadtkapelle von einem Konzertlokal zum anderen zu fahren. Da passierte es denn nicht selten bei dem windigen Charakter der Annaberger Zone, daß ein nicht allzugelindes Zephirlüftchen die lose aufgeschichteten Notenblätter der "Stimmen" plötzlich lustig in alle Richtungen aufwirbelten ließ, so daß sie der Beklagenswerte, oft auf allen Vieren kriechend, wieder aufsammeln mußte.

Wie oft klagte er: "Miech nenne se nu immer Mosikdirekter — derweile bie iech doch gar keener!"

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 9 v. 6. März 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 9, 6. März 1927, S. 5

Zurück zum Seiteninhalt