Alte Bergbaustätten im Obererzgebirge. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Alte Bergbaustätten im Obererzgebirge.

Mitten im romantischen Plattental, das, dem Lauf des Pöhlaflusses folgend, von Geyersdorf nach Wiesenbad führt, liegt das als Ausflugslokal bekannte "Gasthaus zum Plattental". Dieses gehört politisch zur Gemeinde Mildenau (Ortsl. Nr. 233B) und ist gegenwärtig im Besitz von Paul Bräuer. Unweit davon befindet sich die Papierfabrik von Brand & Süreth auf Wiesenbader Flur.

Hier war ehedem ein Mittelpunkt des Wiesa-Mildenauer Silberbergbaues. In den Berghängen ringsum finden wir eine Reihe von Stollen, deren Eiogänge noch deutlich erkennbar sind und deren größter an dem vom "Gasthaus Plattental" nach dem Plattengut und zur Annaberg—Wiesenbader Staatsstraße führenden Steige seitwärts aus der Tiefe gähnt. Etwa 100 Meter aufwärts an der Mildenauer Straße liegt im Straßenknie der bekannte "Kanneloch-Stollen", der als Wasserwerk für die Papierfabrik dienstbar gemacht worden ist. Auf der Haldenhöhe ist das zu einem landwirtschaftlichen Anwesen umgewandelte ehemalige Huthaus schwer zu erkennen.

Ortsgeschichtlich sehr bedeutsam ist das erwähnte "Gasthaus zum Plattental": das ehemalige "Kanneloch"-Pochwerk mit der Erzwäsche. Zu Anfang der 60er Jahre, nachdem der Bergbau zum Erliegen gekommen war, befand sich das "Pochhaus" (wie man es allgemein im Volksmund nannte) im Besitz von Claus Gottlieb Fiedler und diente das Hauptgebäude als Wohnhaus, während das schuppenartige kleine Häuschen (auf unserem Bilde links) zunächst mit seinem Poch- und Stanzwerk sowie mit seinem oberschlächtigen Wasserrad als Triebkraft erhalten blieb.

Im Jahre 1865 erwarb das Grundstück der aus Mildenau stammende Christian Gottlob Meyer, der "in Anbetracht der romantischen Lage" vom Gerichtsamt Annaberg unterm 13. Juni 1865 die Genehmigung zur Errichtung eines Restaurationsbetriebes erhielt. Als dieses Gasthaus von 1872 an der "Friedel-Wilhelm" (Christoph Wilhelm Friedel) übernommen hatte, hieß es allgemein "Wilhelmslust". Es war damals ein altes, einstöckiges Haus mit Strohdach. Als das Gebäude 1890 etwas baufällig geworden war, entschloß sich Carl Louis Reimann, der die Friedel'sche Witwe geheiratet hatte, zu einem Neubau, wie ihn unser Bild aus dem Jahre 1893 zeigt. Da inzwischen auch die Plattentalstraße gebaut worden war, wurde aus "Wilhelmslust" längst das "Gasthaus zum Plattental". Der gegenwärtige Besitzer Paul Bräuer, aus Wiesa stammend, hatte dieses im Jahre 1899 käuflich erworben und vom Januar 1900 an den Restaurationsbetrieb übernommen.

Bei dem im Jahre 1902 erfolgenden Erweiterungsbau (es wurde an der linken Giebelseite ein sogenannter "Salon" angebaut) wurde das alte Häuschen, das ehemals ein fünfstemeliges Pochwerk in seinen Mauern beherbergt hatte, abgebrochen. Damit verschwand ein Zeuge alter Bergbauzeit, an die jetzt nur noch die Halden und verlassenen Stollen von dem Fleiß und Streben unserer Vorfahren erinnern.
Kr.
Blick ins Plattental im Jahr 1893.
Blick ins Plattental vor 40 Jahren!
Vorn links das alte, 1902 abgebrochene Pochwerk mit dem "Gasthaus zum Plattental", wie es vor dem Anbau des Salons im Jahre 1893 aussah. Rechts die ehemalige Maschinen-Papierfabrik von Ludwig Theisen. Nach dem großen Brand von 1905 wurde hier die große Fabrik von Brand & Süreth erbaut. Links auf der Höhe der "Große Riß".

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 32, 6. August 1933, S. 1

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