Annaberg im Spiegel der Leipziger Chronik. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Annaberg im Spiegel der Leipziger Chronik.

1929 > 1929-11

(Fortsetzung und Schluß. -> Anfang)

Der Chronist Vogel schreibt weiter:

1622: „Den 1. Septembris ist Herr M. Ulrich Meyer zu Leipzig, der heiligen Schrifft Baccalaureus, auch der Kirchen zu Sankt Thomae Vesper-Prediger, allhier zu Nacht umb ein Uhr im Kayser Carls-Bade Todtes verblichen und den 4. dieses seinem Begehren nach in der Pfarrkirchen zu Annaberg in Volckreicher Versammlung zur Erde bestattet worden.“

Längst war der 30jährige Krieg, Not und Leid mit sich bringend, in deutsche Gaue eingezogen. Auch Annaberg hat in der Schreckenszeit der langwierigen Fehde genugsam ausstehen müssen. Vogel gibt dazu einige Belege. So Anno 1632, wo im Juli der kaiserliche General Holck ins Vogtland eingefallen: „welcher denn auch alsobald einen Paß durch den Böhmerwald gegen des Churfürsten Berg-Städte eröffnet, durch welchen er erstlich etliche Corner-Reuter zu recognosieren, nachmahls aber die gantze Cavallerie und letzlich die Infanterie gehen lassen und etliche Berg-Städte, sonderlich Annaberg, so er unterschieden mahlen plündern lassen, sich bemächtiget“.

Im folgenden 166sten Jahre schreibt Vogel: „Den 21. Septembris ist allhier böse Zeitung eingelauffen, ob hätte der Kayserliche General-Leutnant Gallas abermahl einen Einfall in Meißen gethan, Annaberg eingenommen und wär von da auff Leipzig zu auffgebrochen.“

1634: „Den 1. Octobr. lieff ferner Bericht ein, der Feind (Banèr) hätte Annaberg eingenommen, geplündert und wolle nunmehr auff Leipzig zu gehen.“ Die letzte Meldung aus Kriegszeit datiert von 1647 und lautet: „Die Kayserlichen lagerten sich bey Annaberg und die Beyrischen zu Schneeberg, beyrische Armeen Ankunft macht das Landvolk umb diese Gegend unruhig, gestalt deshalb viele von da nach Leipzig flüchteten.“

Ein Stück entschwundener Romantik einer geruhsamen Zeit ersteht vor unserem geistigen Auge, lesen wir die Aufzeichnung von Anno 1692, wo geschwinde Post ins Gebirge angelegt wurde. U. a. steht da zu lesen: „Im besagten Manifest war zu jedermäniglichen Nachricht mit beigefügt, daß mit gemeldeter Post Briefe und Paqvete über Schneeberg nach Annaberg (usw.) bestellet werden könten.“

1697: „Den 13. Januarii Vormittags sind Ihre Churfürstl. Durchl. (Friedrich August) von Leipzig nach Annaberg auff die Jagt auffgebrochen.“

Im nämlichen Jahre meldet der Chronist einen traurigen Fall, so sich zu L. mit einem Studenten aus Annaberg begeben: „Den 2. April begab sich ein gar trauriger Todtesfall mit einem Studioso Theologiae, Christoph Kreisigk von Annaberg bürtig, welcher sich unter der Früh-Predigt auff seiner Stube im großen Fürsten-Collegio mit einem Scheermesser aus Melancholie in die Kehle geschnitten, davon er in wenig Stunden, nach Erkäntniß seiner Sünden, gestorben.“

Im folgenden Jahr geschieht wieder eines Unwetters Erwähnung. Anno 1698: „Den 25. Novembris zu Nacht halb ein Uhr hat sich ein grausam Sturm mit Wetterleuchten ohne Donner erhoben, sonderlich zu Annaberg ist ein starck Donnerwetter gewesen, welches daselbst in den Kirch-Thurm, aber ohne Schaden, geschlagen, doch soll das Bley auff dem Dache geschmoltzen seyn.“

Die letzte Aufzeichnung betrifft einen großen Geist unserer Stadt, der in den Leipziger Jahrbüchern schon 1698 und 1699 genannt wurde. Es handelt sich um den Pfarrer Georg Heinrich Götz, Superintendent zu Annaberg, der 1698 Licentitat, 1699 Doktor wird und Anno 1702: „den 4. Januarii, in Lübeck in Sankt Marien introduciert worden“.

Hiermit enden die Aufzeichnungen des Leipziger Chronisten, die Annaberg betreffen. Vieles, was ortsgeschichtliche Bedeutung hat, ist weggelassen worden. Karg nur und spärlich sind die Angaben, die sich über mehrere Jahrhunderte erstrecken. Immerhin verdienen sie festgehalten zu werden; denn sie zeigen uns den Tiefstand des Nachrichtenwesens jener Zeiten im Vergleich zu unseren Tagen recht augenfällig.

O.R.


Nr. 11  v. 17. März 1929



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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 122. Jahrgang, Nr. 11, 17. März 1929, S. 2

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