Annaberg in der Bibliographie der Sächsischen Geschichte. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Annaberg in der Bibliographie der Sächsischen Geschichte.

1929 > 1929-37

Von Joh. O. Sehm, Dresden.

(Schluß. -> Anfang)


Von den lateinischen Lobgedichten aus den ersten Jahren nach der Stadtgründung an bis in die Gegenwart ist durch zeitgenössische Darstellungen und durch eifrige Maulwurfsarbeit in den vergilbten Blättern der Akten die Geschichte der Stadt uns erhalten und überliefert worden. Neben einzelnen treten uns viele Verfassernamen immer wieder entgegen, die die enge Verbundenheit der Person mit den Geschicken der Stadt und die Bemühungen, ihre Vergangenheit zu erhellen, bekunden. Dank dieser regen Arbeit und dem Umstande einer verhältnismäßig jungen Stadtgründung sind wir ja gegenüber anderen Städten besonders gut über die Vergangenheit Annabergs unterrichtet. Und doch bliebe noch manches zu erforschen. -

Aus dem Vorwort zum III. Teile der Bibliographie ist zunächst dankend zu bemerken, daß auch Annaberg unter den Orten aufgeführt ist, die durch finanzielle Hilfe die Herausgabe dieses Teiles des Gesamtwerkes gefördert haben.

Im einzelnen: Der erste Abschnitt „Allgemeines“ verzeichnet Nachrichten über Annaberger Bibliotheken. Im § 2 „Allgemeine Darstellungen“ treten uns u.a. die Chronisten entgegen. Eine ziemliche Zahl ist es, die sich bemüht haben, die Geschichte der Stadt in umfassenderen Darstellungen ans Licht zu stellen. Manches Erfreuliche ist darunter, doch auch - wer sie kennt - wie viel hat einer vom anderen nur abgeschrieben, statt selbst den Quellen nachzugehen, hat es unklarer gemacht, statt aufzuklären, hier wie in mancher anderen geschichtlichen Darstellung. Darum sei hier gleich eingeschoben, nur solche Arbeiten der Öffentlichkeit zu übergeben, die sich auf zuverlässige Quellen stützen und der Kritik der Wahrheitstreue standhalten. Darum und um die Verwendung durch einen Nachbearbeiter zu ermöglichen, ist es auch erforderlich, in jedem Falle die Quellen anzugeben, ob es sich um Auszüge oder Zusammenstellungen aus bereits gedruckt vorliegendem Material handelt, ob und welche Akten benutzt wurden und wo diese zu finden sind, schließlich auch, inwieweit und von welchen Personen mündliche Überlieferungen verarbeitet wurden. Das braucht nicht immer durch unbefangene Leser vielfach störende Fußnoten zu geschehen, sondern ist etwa in einer Schlußbemerkung möglich. Nur so wird der Verfasser die Gewißheit haben, daß seine Arbeit auch die gebührende Beachtung findet und über schnell verschwindenden Tageszeitungsdruck hinaus bleibenden Wert behält und zur Grundlage weiterer Forschungen benutzt werden kann. -

Die nächsten beiden Abschnitte umfassen „Heimatkundliche Einzelheiten“ und „Geschichtliche Einzelheiten“. Neben solchen über Notstände, Brände und Gespenster können wir aus den hier verzeichneten Büchern sehen, wie sehr zu Zeiten einzelne Ereignisse und Erscheinungen die Gemüter der Bewohner bewegt haben. So sind über sonderbare Begebenheiten an Kindern in den Jahren 1713 bis 1719 allein zwölf große Schriften mit mehrfach weit über 200 Seiten Umfang erschienen.

Der § 5 der Bibliographie bringt Schriften über Verfassung, Recht und Verwaltung der Stadt.

Im Abschnitt „Wirtschaftliche Verhältnisse“ sind neben der berühmt gewordenen Bergordnung von 1500, wohl dem ältesten Annaberg betreffenden Druckerzeugnis überhaupt, andere Schriften über den hier getriebenen Bergbau, über die Posamentenindustrie, sonstigen Handel, Gewerbe und Verkehr genannt.

Es folgt ein kleinerer Abschnitt „Geistiges Leben“.

Mehrere Seiten umfaßt der § 8 „Kirche“. Hier sind besonders größere Darstellungen der St. Annenkirche, solche zur Reformationsgeschichte, über Exulanten und die katholische Kirche hervorzuheben.

Den Schluß des Annaberger Teiles der Bibliographie bildet der § 9 „Schule“, woraus insbesonderer viele die Annaberger Lateinschule behandelnde Schriften ins Auge fallen.

Durch die Angabe des Verfassers, Titels, Verlegers, des Verlagsortes oder der sonstigen Veröffentlichung, des Erscheinungsjahres, Seitenumfanges und der Blattgröße bei jedem einzelnen verzeichneten Aufsatz oder Druckschrift kann man sich schon rein äußerlich über jede Veröffentlichung unterrichten.

Nebenbei bemerkt steht in der Bibliographie auch das Schrifttum über die Orte in der Umgebung Annabergs verzeichnet. So ist

Buchholz

mit zwei Seiten Titeln vertreten (allerdings nur der zehnte Teil von Annaberg). Cunersdorf, Frohnau - dieses hauptsächlich mit Veröffentlichungen über den Hammer -, Geyersdorf, Kleinrückerswalde usw. sind ebenfalls zu finden.

Der Umstand, daß einzelne Bücher usw. unter mehreren Abschnitten der Bibliographie aufgeführt werden konnten, Doppelnennungen aber nach Möglichkeit vermieden werden sollten, hat es mit sich gebracht, daß nicht alles Schriftwerk über Annaberg in diesem Abschnitt zu finden ist. Mancher wird daher zunächst vergeblich suchen. Will man alle über Annaberg erschienenen Veröffentlichungen kennenlernen, dann muß man schon die ganze Bibliographie genau durchblättern. So sind, da die Stadtgeschichte vielfach mit der des Erzgebirges im allgemeinen eng verbunden ist, viele Titel im III. Teile der Bibliographie unter

„Erzgebirge“

zu finden. Es stehen dort die Veröffentlichungen über das Erzgebirgsmuseum, weiter solche heimatkundlichen Inhaltes, über Bergbau, Handel, Gewerbe und Verkehr. Die Denkschriften usw. zu den Annaberg berührenden Eisenbahnen sind im 2. Halbband des I. Teiles S. 335-339 zu finden. Im gleichen Teile stehen auch einige Schriften über Annaberger Münzen und Medaillen, zur Fürstengeschichte gehörende Veröffentlichungen und mehreres. Ebenso dürfte einzelnes in dem noch zu erwartenden 2. Teilband des III. Teiles unter

„Pöhlberg“

gefunden werden.

Obwohl sich die Herausgeber möglichster Vollständigkeit bemüht haben, fehlt doch der eine oder andere Artikel, der im Tageblatt „Annaberger Wochenblatt“ oder sonst erschienen ist, und der zwar für die Geschichte des Landes von geringer Bedeutung, im Rahmen der Orstgeschichte aber zu erwähnen ist.

Nicht aufgenommen worden sind in die Bibliographie die Handschriften, von denen unter Chroniken z.B. Joh. Cph. Wolf, Historische Beschreibung der Stadt Sankt Annaberg, man. 0240 der Universitätsbibliothek Leipzig, zu nennen wäre.

Ebenfalls nicht aufgenommen worden sind die Schriften von und über Personen (Biographien usw.), die in der Stadt gelebt oder mit ihr in enger Verbindung gestanden haben, wie - um nur beliebige zu nennen - Adam Ries, Felix Weiße, Peter Gast u.a. -. Endlich sind auch nicht zu finden die Sammelwerke, Reisewerke usw., in denen Annaberg mit mehr oder weniger ausführlichen und zutreffenden Darstellungen gebracht worden ist.

Das Schicksal einer Bibliographie, mit dem Erscheinen auch schon wieder ergänzungsbedürftig geworden zu sein, trifft auch hinsichtlich Annabergs zu. Trotz des Bestrebens, das Schrifttum möglichst bis zum Erscheinungsjahre nachzuweisen, und infolge der inzwischen vergangenen weiteren Zeit, fehlen die neueren Erscheinungen (etwa von 1923 ab). So die Menge von Aufsätzen geschichtlichen Inhaltes, die in den letzten Jahren in den Spalten des „Illustrierten Erzgebirgischen Sonntagsblattes“ enthalten waren und die aufzunehmen sind, soweit der einzelnen Arbeit ein gewisser Wert und Abgeschlossenheit zuzusprechen ist oder selbständige Schriften, wie z.B. P. Hecht, Geschichte des Veterinärwesens der Stadt Annaberg, In-Diff., u.a.

Es bleibt daher nur zu wünschen und zu erwarten, daß das erfreuliche Werk der Sächsischen Bibliographie fortgeführt und das fehlende und noch zu erscheinende Material in Ergänzungsbänden nachgewiesen wird. Möge eine rege Tätigkeit des Geistes und eine bessere Zukunft noch manches schöne Denkmal zur Geschichte der Stadt Annaberg hervorbringen. Glück auf!


Nr. 37  v. 15. September 1929



zurück

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 123. Jahrgang, Nr. 37, 15. September 1929, S. 2

Start | 1926 | 1927 | 1928 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | 1934 | 1935 | 1936 | 1937 | 1938 | 1939 | 1940 | 1941 | Datenschutzerklärung | Impressum | Sitemap
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü