Die Annaberger "Kät" von ehemals - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die Annaberger "Kät" von ehemals

Annaberger Kät an der Hospitalkirche

In einer Woche steht Annaberg wieder im Zeichen der "Kät". Seit dem Jahre 1519 wird sie alljährlich (nur die Zeiten des dreißigjährigen Krieges und des Weltkrieges bildeten Ausnahmen) als ein Volksfest des ganzen Obererzgebirges gefeiert. Sie ist hervorgegangen aus der Wallfahrt zum Friedhof St. Trinitatis, war dann zugleich Kirchweihfest des Hospitals St. Trinitatis und wurde bis zum Brande desselben (26.9.1826) vor demselben und darauf bis 1869 an der Geyersdorfer Straße und dem alten Exerzierplatz (hinter dem rechts auf dem Bilde sichtbaren "Postgut" gelegen) abgehalten; dann wurde der Festplatz wegen Raummangels nach dem Schützenplatze verlegt.

Ueber die Kätfeier zur Zeit des Entstehens unseres Bildes einer Lithographie von Julius Wagner, Annaberg, welche sich im Altertumsmuseum befindet, erzählt uns ein Zeitgenosse:

"Vorm Hospitale sah man einige Buden mit Fesselkuchen, dem alten Kätgebäck, daneben unfehlbar einige Pöklingmänner und eine lange Reihe von Blinden, Lahmen, Tauben und Krüppeln mit und ohne Leierkasten oder mechanischem Bergwerk. Weiter nach der Hospitalkirche und dem alten Exerzierplatze zu entfaltete sich ein reges Leben; hier gab's zu kaufen, zu sehen und zu genießen. Große Karussells, mehrere Bolzenschießstände, viele Trinkbuden und Stände, Schuhmacher, Mützenmacher und Spielwarenhändler luden zur Benutzung und zum Kaufen ein. Ein "Wachsfigurenkabinett" zeigte hübsche Bilder aus der biblischen und Weltgeschichte; ferner sah man Experimente aus der natürlichen Magie und Sammlungen ausgestopfter Vögel und seltener Insekten. Die meiste Aufmerksamkeit zog die auf dem Exerzierplatze aufgestellte Tierbude auf sich: "Wer sie gesehen, alle die zahlreichen Bewohner des glühenden Himmels u. der kalten Pole - den gelehrigen Elefanten, die Löwen, Tiger, Pumas, Leoparden, den Jaguar, den Eskimohund, das Lama, das gehörnte Nilpferd (Nashorn), die zahlreiche Familie der nimmer ruhenden Affen und die Vögel und Schlangen alle, welche hier zum großen Teile merkwürdig gezähmt und dem menschlichen Willen untertänig gemacht sind, er wird es nie bereuen." So die Ankündigung."


Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 21 v. 23. Mai 1926


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 119. Jahrgang, Nr. 21, 23. Mai 1926, S. 1

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