Die Annaberger Straßennamen. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die Annaberger Straßennamen.

Heimatkundliche Plauderei von Emil Finck.

(Fortsetzung.)

Bürgermeister Reiche-Eisenstuck

Bürgermeister
Reiche-Eisenstuck

Da er kinderlos blieb, adoptierte er 1829 seinen Neffen und Nachfolger im Bürgermeisteramte: den 1790 hier geborenen Karl Friedrich Reiche; ältesten Sohn des 1813 verstorbenen Postmeisters gleichen Namens. Derselbe ist der Stammvater der verzweigten Familie Reiche-Eisenstuck geworden. Er hatte sich als Advokat zunächst in Zwönitz niedergelassen, übernahm aber bei seines Vaters Tode das Amt eines Annaberger Postmeisters, das schon lange in der Familie fortgeerbt hatte. 1823 ward er Ratsmitglied, zwei Jahre darauf Stadtrichter und 1828 Bürgermeister. Dieses Amt bekleidete er auch nach der am 4. September 1832 zur Geltung gekommenen neuen sächsischen Städteordnung weiter bis Ende April 1836. (4) Alsdann wurde er Amtshauptmann zu Freiberg und später Geheimer Regierungsrat in Dresden, wo er am 2. Februar 1864 gestorben ist. Auch nach seinem Weggange aus seiner Vaterstadt hat er immer mit hingebenden Eifer zu deren Gunsten zu wirken sich bemüht, wo eine Gelegenheit dazu sich bot. Das war insbesondere bei den Kammerverhandlungen um den Bau der Chemnitz-Annaberger Eisenbahn im Sommer 1861 sehr förderlich gewesen. Aus dankbarer Verehrung wurde ihm — "dem Geh. Regierungsrat a. D. Reiche-Eisenstuck auf Schönfeld" — daher am 17. September 1861 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Annaberg erteilt.

Bürgermeister Glumann

Bürgermeister Glumann

Sein Nachfolger im Bürgermeisteramte war Christian Friedrich Glumann. Er gehörte dem Ratskollegium schon seit 1823 an. Von 1828 - 31 war er Stadtrichter und dann erster Stadtrat gewesen. Als Bürgermeister leitete er die Geschicke der Stadt von 1836 - 1843. Unter ihm wurde das städtische Volksschulwesen im Sinne des 1835 erschienenen Schulgesetzes eingerichtet und das erste Bürgerschulgebäude am Oberen Kirchplatze erbaut. Die Zeiten waren damals recht trübe. Das Annaberger Fabrikationsgeschäft lag jahrelang sehr darnieder, und obendrein hat am 29. März 1837 ein verheerender Brand fast die ganze obere Stadt heimgesucht. Das verursachte auch der Stadtverwaltung schwere Sorge, und Glumann hat seines Amtes sich recht selten erfreuen können. Ihm zu Ehren wurde 1889 die Glumann-Straße benannt. Nach seiner Amtsniederlegung bewirtschaftete er sein Gut Scheibe bei Wolkenstein, und überhaupt hat er sich um die Hebung der erzgebirgischen Landwirtschaft, sowie um den landwirtschaftlichen Kreisverein bedeutsame Verdienste erworben. Er war zu Annaberg am 6. Juli 1788 geboren und starb am 15. März 1868 auf seinem Landsitze. Die Straße ist erst 1878 angelegt worden und hieß bis 1889 "Neuer Anbau" oder "Neustadt". Der letztere Name hat sich noch in der Bezeichnung für eine dort befindliche Schankwirtschaft erhalten. Bis zur Felix-Weiße-Straße durchgeführt wurde die Glumann-Straße im Jahre 1905.

Bürgermeister Scheibner

Bürgermeister Scheibner

Eine lange Amtszeit ist dem Nachfolger Glumanns beschieden gewesen. Johann August Scheibner, aus Ehrenfriedersdorf gebürtig, war Bürgermeister vom 24. August 1843 bis zu Ende des Jahres 1880. In Kürze sei hier nur auf einige Neuerungen hingewiesen, die besonders lenhaft an ihn erinnern. 1849 wurde das Stadtkrankenhaus, 1866 die Hochdruckwasserleitung in Betrieb genommen, Mitte der 50er Jahre aber das Stadtwäldchen angelegt und die Beforstung des Pöhlbergs angelegentlich betrieben. 1857 wurde die städtische Sparkasse eröffnet, um deren Zustandekommen sich Scheibner etwa zehn Jahre lang bemühen mußte, weil seine Vorschläge nicht so bald die Zustimmung der Stadtvertreter fanden. Eifrig war er bemüht, Annaberg zum Sitz staatlicher Schulanstalten und Behörden zu machen. So erreichte er, daß die städtische Realschule 1851 in staatliche Verwaltung übernommen und zweckentsprechend ausgebaut wurde. 1853 ward ein Landgericht, 1856 ein Bezirksgericht mit Gerichtsamt und 1860 eine Amtshauptmannschaft hier errichtet. Mit klugem Entgegenkommen begünstigte er 1860 die Einführung der Krinolinenfabrikation, und mit eiserner Zähigkeit war er bemüht, für Annaberg so bald als möglich den Anschluß an das Netz der Staatseisenbahnen zu erwirken, was am 1. Februar 1866 in Erfüllung ging.

Im Jahre 1871 unterhandelte er mit der Gemeinde Kleinrückerswalde um Ueberlassung des unteren Flurzipfels an die Stadt, den sozusagen die von Annaberg nach Buchholz führende Straße abschneidet. Gegen eine Entschädigung in Höhe von 21 000 Mark fand zu Neujahr 1872 die Eingemeindung des Gebietes (das neidische Zungen nunmehr "Elsaß-Lothringen" hießen) nach Annaberg statt. Und in dieser Zeit wirtschaftlichen Emporblühens wuchs der Grundriß der Stadt allenthalben über seine alten Grenzen hinaus. Scheibner war am 4. Februar 1810 geboren und starb im Ruhestande, den er hier verlebte, am 11. August 1888. Die Scheibner-Straße, die 1889 nach ihm benannt wurde, zeigt im wesentlichen die Spur des ältesten Weges nach Buchholz an, der die Rückerswalder Talmulde beim "Schlössel" querte.

Bürgermeister Voigt

Bürgermeister Voigt

Gleichzeitig erhielt die Voigt-Straße ihren Namen, die damals freilich nur in einem ganz kurzen Ansatz wirklich vorhanden war. Ein hoher, harter Felsriegel versperrte den Ausgang nach Osten zu bis 1892. Beim Bau des dort anstehenden Bürgerschulgebäudes fand erst der weitere Ausbau statt. Sie mahnt zum Gedenken an den Bürgermeister Albin Ernst Voigt, der von 1881 ab die Geschicke der Stadt leitete, am 21. Februar 1886 aber zu Dresden starb, wo er als Abgeordneter des 19. städtischen Wahlkreises im Landtage tätig war. Während seiner kurzen Amtszeit wurden vornehmlich die Schulbauten am Zürcherplatze ausgeführt und 1884 die neue städtische Gasanstalt errichtet. Der Geschichtsverein verehrt in ihm besonders seinen Begründer und ersten Vorsitzenden. Ernst Voigt war am 1. März 1845 zu Zwickau geboren und kam aus Mittweida hierher, wo er auch schon als Bürgermeister sich verdient gemacht hatte.

(Fortsetzung folgt.)


Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 19 v. 9. Mai 1926


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 119. Jahrgang, Nr. 19, 9. Mai 1926, S. 6

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