Annabergs bauliche Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten (8) - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Annabergs bauliche Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten (8)

Von Stadtbaurat i. R. Rößner-Annaberg.

Das Wasserwerk.

Die Beschaffung ausreichenden, guten und hygienisch einwandfreien Trinkwassers für die Einwohner der Stadt ist stets Sorge der Verwaltung gewesen. In den letzten 25 Jahren sind nicht nur fast alle Quellen, die in Annaberger und Ratswaldflur zutage traten, gefaßt und den Sammelbehältern zugeleitet worden, sondern es wurde auch ein großer Reservebehälter an der Pöhlbergstraße gebaut, eine zweite Zuflußleitung von Königswalde bis Annaberg und eine zweite Druckrohrleitung gelegt, das Hebewerk durch eine zweite stärkere Pumpe mit Heißdampflokomobile erweitert und in fast allen Straßen der Stadt die alten Gußrohrleitungen durch Mannesmannstahlrohre ausgewechselt und das Rohrnetz nach allen neuangelegten Straßen und Baugebieten erweitert. In welchem Umfange dies geschehen ist, wolle man daraus ersehen, daß in den letzten 25 Jahren 23 000 m Rohre von 40 bis 225 mm Lichtweite und in 42 Jahren rund 40 000 m Rohre verlegt worden sind. Hierzu kommen noch rund 20 000 m verschiedene Rohre für Quellfassungen im Ratswalde und für die zweite Zuleitung von Königswalde nach Annaberg.

1928 wurde das Überpumpwerk an der Schießhausstraße und 1930 eine zweite kleine Pumpstation an der Pöhlatalstraße in Königswalde errichtet. Ferner ist in diesem Jahre im Wasserhebewerk in Königswalde eine neue Turbine eingebaut worden. Um für die Zukunft die Versorgung der Einwohner mit Trinkwasser zu sichern, sind Vorarbeiten im Gange wegen Errichtung einer Stauanlage im Konduppeltale.

Die Privatbautätigkeit.

Die Privatbautätigkeit war in Annaberg mit nur geringen Unterbrechungen recht lebhaft. Ganze Straßenzüge sind innerhalb der letzten 25 Jahre entstanden und haben der Stadt fast in allen Stadtteilen ein ganz anderes Gepräge gegeben. Viele alte Häuser sind abgetragen und an ihre Stelle stattliche Neubauten errichtet worden, andere wiederum wurden aufgestockt. So hat z. B. die Buchholzer Straße ein ganz anderes Aussehen erhalten, ebenso die Klosterstraße, die Wolkensteiner Straße, die Kartengasse und verschiedene andere.

Die Kaiser-Wilhelm-Straße wurde von Nr. 7 ab zugebaut, die Wilischstraße fast ganz bebaut, ebenso der Benkertberg, an der Linden-, Pöhlberg-, Schillerplatz- und Parkstraße entstand ein ganz neues Häuserviertel, die Parkstraße wurde fast ganz bebaut, ebenso die Schießhausstraße oberhalb der Eisenbahn, die Hospital- (jetzt Rudolf Keller-)Straße, die Geyersdorfer Straße, Adam-Ries-Straße, Glumann- und Logenstraße, Wiesen- und Hermannstraße und der Emilienberg. Straßenanfänge wurden durch Neubauten geschaffen an der Sidonienstraße, Böhmischen Gasse, Georg-, Zeppelin- und Gabelsbergerstraße, Schumann- und Bambergstraße. Im einzelnen sind in den verschiedenen Jahren gebaut worden:

An Staatsgebäuden:

Neues Seminar 1897/99, Postumbau und Erweiterung nach Abtragung zweier Häuser (Weißflog, Suchey), Hauptzollamt Klosterstraße.

Übernahme des Wasserhochbehälters am Stadtpark.
Übernahme des Wasserhochbehälters am Stadtpark durch Mitglieder des Rats- und Stadtverordneten-Kollegiums am 2. Dezember 1902 (Photo: Paul König, Annaberg.)
Das ehemals Weißflog'sche (links) und Suchey'sche Gebäude in der Klosterstraße.
Das ehemals Weißflog'sche (links) und Suchey'sche (Glaserei Schwarz) Gebäude in der Klosterstraße, an deren Stelle seit 1907 der Erweiterungsbau des Postamtes steht (I. E. S. Nr. 12/1931.)
Altes Hauptzollamtsgebäude.
Altes Hauptzollamtsgebäude. (I. E. S. Nr. 20 und 21, 1926.)
Das Gebäude des Hauptzollamtes steht auf ortsgeschichtlich interessantem Boden. Die Gesamtfläche des heutigen Hauptzollamtsgrundstückes gehörte bis 1846 der Seidenfabrik Thilo & Roehling. Nach der Stadtgründung stand auf dem unteren Teil das Haus des Dr. Colomannes Rohrbacher (1520 Stadtphysikus, 1522/1533 Ratsherr) und daneben das des Fundgrübners Bernhardt Pflugk.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 19, 7. Mai 1933, S. 2

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