Annabergs bauliche Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten (3). - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Annabergs bauliche Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten (3).

1896. Pöhlberg-Unterkunftshaus

Schon längst war es dringender Wunsch der Bürgerschaft Annabergs gewesen, ihr Kleinod, den Pöhlberg, mit einem Turm gekrönt zu sehen, von welchem aus man einen Rundblick auf die herrliche Umgebung mit ihren Bergen und Tälern, Dörfern, Feldern und Wäldern genießen konnte. Diesem Gedanken nachgehend, hatten verschiedene hiesige Vereine, an ihrer Spitze der Erzgebirgszweigverein Annaberg, schon seit Jahren ansehnliche Beträge zu einem Turmbaufond gesammelt, bis endlich im Oktober 1895 die städtischen Kollegien im Prinzip der Erbauung eines Aussichts-Turmes mit Unterkunftshaus zustimmten und im Februar 1896 die erforderlichen Mittel hierzu bewilligten. Die Planung mit Kostenanschlag war vom Stadtbauamt Annaberg aufgestellt, in dessen Händen auch die Bauleitung lag. Mit dem Bau wurde im Frühjahr 1896 begonnen und derselbe, trotz des Fehlens einer bequemen Zugangsstraße – die Baumaterialien mußten mittels einer Drahtseilbahn von der Sandgrube nach dem Bauplatz befördert werden – bis zum Herbst 1896 im Rohbau fertiggestellt. Am 12. Juli 1897 konnte dann die Einweihung der fertigen Anlage erfolgen, die zugleich als ein Denkmal des 400jährigen Bestehens unserer Stadt, worauf die Inschrift über dem Haupteingang am Turm besonders hinweist, bestimmt war. Der Turm, aus Ziegelmauerwerk 28 Meter hoch erbaut, ruht auf einem ein Meter starken Betonfundament. 152 Treppenstufen führen zu einem Schutzhäuschen aus Eisen und Glas, das zunächst von einer offenen Galerie mit gemauerter Brüstung umgeben war. Die äußeren Ansichtsflächen waren nur im unteren Drittel geputzt, im übrigen mit Rohbauziegeln verblendet. Diese Verblendung wurde jedoch bald durch Witterungseinflüsse zerstört und deshalb im Jahre 1911 mit einem Zementputz versehen. Das Unterkunftshaus war nur eingeschossig und enthielt nur eine Gaststube, eine Küche mit Nebenstube und einige Schlafräume im Dachgeschoß.


Schon im Jahre 1898 mußte durch einen Anbau ein zweites größeres Gastzimmer, der sogenannte Salon, geschaffen und für den Sommerbetrieb darunter ein Sommerbüfett, 1899 aber ein Pferdestallgebäude errichtet werden. Die Kosten der Bauten bis hierher betrugen 63.861,19 Mark. Um dem immer mehr gesteigerten Verkehr Rechnung zu tragen, wurde 1904 das Restaurationsgebäude mit Salonanbau um ein Stockwerk erhöht und dadurch im Obergeschoß 12 Zimmer und im Dachgeschoß 8 Schlafkammern geschaffen. Außerdem wurde das Stallgebäude vergrößert und die Wände der Gaststube mit Holz bekleidet. Kostenaufwand: 14.331,06 Mark. Im Jahre 1910 wurde auf dem Vorplatz eine Musikmuschel für die Konzerte erbaut und im darauffolgenden Jahre 1911 wurde an der Nordseite ein Anbau ausgeführt, durch welchen im Erdgeschoß die Küche erweitert und eine größere Speisekammer gewonnen, im Obergeschoß aber ein Vereinszimmer geschaffen wurde. Der Turm wurde mit einer Holzhaube versehen, im Salon die Wände mit Holz bekleidet und der Eingang zum Salon von der Westseite nach der Nordseite verlegt. In der Ecke der vorderen Gaststube wurde die sogenannte Klause eingerichtet und die sämtlichen Räume mit Niederdruckdampfheizung versehen. Gesamtaufwand rund 25.000 Mark. Aber schon im Jahre 1913 machte der gesteigerte Verkehr weitere Bauten erforderlich. In der kurzen Zeit der 7 Wochen zwischen Ostern und Pfingsten wurde der neue Salon rechts im Walde erbaut und der ganze Vorplatz gärtnerisch ausgestaltet, sowie mit einem geschmackvollen Geländer umgeben.

Der Ausbruch des Krieges verhinderte dann die Ausführung bereits geplanter weiterer Bauten, durch welche die ganze Pöhlberganlage so gestaltet wrden sollte, daß sie auch den weitestgehenden Ansprüchen eines modernen Wintersportplatzes entsprochen haben würde. Aber auch in den letzten Jahren konnte infolge der mißlichen Finanzlage an die Ausführung weiterer Baulichkeiten nicht gedacht werden. Lediglich im Jahre 1926 sind noch verschiedene Renovierungsarbeiten am Pöhlbergturm vorgenommen worden.


Pöhlberg, Drahtseilbahn
Die Drahtseilbahn, mit der die Baumaterialien auf das Plateau gebracht wurden.
Pöhlberg, Aussichtsturm
Der Aussichtsturm und davor der kleine Anbau des ersten Unterkunftshauses.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 13, 26. März 1933, S. 5

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