Annabergs bauliche Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten (4). - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Annabergs bauliche Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten (4).

Von Stadtbaurat i. R. Rößner-Annaberg.

Die Ratsbrettmühle in Königswalde erhielt 1893 ein neues Wohnhaus und einen Anbau für Holzbearbeitungsmaschinen, 1904 wurde sie umgebaut und mit einem neuen Vollgatter versehen, 1909 das Dach zu Wohnungen ausgebaut. 1924 wurden zwei neue Vollgatter eingebaut und eine Lokomobile aufgestellt. 1895 wurde das abgebrannte Parkwärterhaus im Stadtpark wieder aufgebaut. Die Schutzteichhalle wurde 1903 errichtet.

Das Stadtbad.

Nachdem im Sommer 1904 das nahezu 40 Jahre lang bestandene Dianabad an der Bachgasse abgebrochen worden war und die Bahl'sche Badeanstalt schon vorher den Betrieb eingestellt hatte, gab es in Annaberg keine öffentliche Badegelegenheit mehr. Die städtischen Kollegien beschlossen deshalb im Februar 1905 den Bau eines Stadtbades, zu welchem bereits am 18. Juli 1905 der Grundstein gelegt werden konnte. Der nach den Plänen des Stadtbauamtes ausgeführte Bau enthält eine Schwimmhalle mit 54 Auskleidezellen in zwei Geschossen und ein Schwimmbecken von 8 x 17 Meter Wasserfläche, 16 Wannenbäder, ein Dampfbad mit Heißluftbädern, Duschraum, Ruheraum mit 14 Betten, ein Lichtbad und sonstige Heilbäder sowie 9 Brausebäder. An der Hinterfront ist das Kesselhaus angebaut. Außerdem enthält das Gebäude noch zwei Wohnungen, einen Warteraum, die Kasse, Wäschereianlage und Licht- und Sonnenbad. Das Bad erfreut sich seit seiner Eröffnung am 16. Dezember 1906 eines von Jahr zu Jahr steigernden Besuches, so daß 1925 eine Besucherzahl von 125.000 erreicht wurde. — Das Hußstift wurde 1902 umgebaut.

1906/07. Im Jahre 1906 wurde nach den Plänen des Stadtbauamtes ein neues Forsthaus in Königswalde mit Nebengebäuden errichtet und 1907 das alte Forsthaus zu einem Kindererholungsheim umgebaut, auch das Unterförstereigebäude wurde umgebaut.

Das Diakonieheim, ein Heim für Diakonissenstation und den Jungfrauenverein, wurde 1909 vom Diakonie-Hilfsverein mit städtischen Darlehen und eigenen Mitteln erbaut.

Das städtische Elektrizitätswerk.

Für das städtische Elektrizitätswerk wurden 1908/09 die erforderlichen Bauten in der ehemaligen Herrenmühle und im Gasanstaltsgrundstück (Unterstation) errichtet. Das Werk wurde 1922 stillgelegt und dafür ein Umspannwerk am Gärtnerweg erbaut, in welchem der vom Staat bezogene elektrische Strom von 30 000 Volt auf 3000 Volt Spannung umgeformt wird.

Bauhof.

1912. Im Jahre 1912 wurde das alte Stadtgut an der Lindenstraße abgebrochen und dafür der städtische Bauhof an der Pöhlbergstraße errichtet. Veranlassung hierzu war der Antrag einiger baulustiger Herren, das Stadtgutgelände mit Umgebung als Baugelände zu erschließen. Wie glücklich dieser Gedanke war, beweist die Tatsache, daß in wenigen Jahren das in Frage kommende Gelände mit 19 Wohnhäusern bebaut war, welche 157 Wohnungen enthalten.

Das ehemalige Montierungskammergebäude, jetzt Kraftwagenhalle an der Geyersdorfer Straße, hat im Laufe der Zeit verschiedene Wandlungen durchgemacht. Im Jahre 1913 um ein Stockwerk erhöht, diente es während und nach dem Kriege zunächst als Nahrungsmitteldepot. 1922 wurde das Obergeschoß zu Wohnungen und das Erdgeschoß zu Kraftwagenhallen ausgebaut. 1924 endlich wurde ein Anbau errichtet, welcher im Erdgeschoß einen Kraftwagenraum und den Raum für die Automobilspritze und im Ober- und Dachgeschoß vier Wohnungen enthält.

Das Naumanngut in Königswalde wurde 1913 zu Wohnungen für acht Waldarbeiter eingerichtet.

Erdkeller.

Die Beschaffung fast aller Nahrungsmittel durch die Gemeinden machte es im Jahre 1917 erforderlich, für die Lagerung von Kartoffeln und sonstigen Nahrungsmitteln frostfreie Räume zu schaffen. Zu diesem Zwecke wurden auf dem Felde zwischen oberem Bahnhof und Stadtpark 1917 und 1918 drei große Erdkeller gebaut. Dieselben bedeckten 3600 qm Flächenraum, hatten Anschluß an die Eisenbahn und auf der anderen Seite große Tore, durch welche die abholenden Geschirre direkt bis an die Waren heranfahren konnten. Die Keller bestanden aus einem Pappdach auf Rundholzsäulen, die außen mit Brettern verschlagen waren und an dieser Bretterschalung war außen Erde bis drei Meter dick angeböscht. Diese Einrichtung hat sich vorzüglich bewährt. Ein kleiner Teil davon ist noch vom Nachbesitzer der Grundstücke, der Konsumbäckerei, benutzt und erst vor zwei Jahren abgetragen worden.

Das im Jahre 1914 abgebrannte Stechgut wurde von der Stadt gekauft und auf den alten Grundmauern des Wohnhauses 1917 eine Scheune mit Stall gebaut.

Zur Behebung der Wohnungsnot wurden von der Stadt 1919 das alte Seminar zu Notwohnungen umgebaut, ebenso wie das in den Besitz der Stadt übergegangene Hotel "Goldene Gans"; 1920 drei Häuser mit 12 Wohnungen am Zinnacker erbaut; 1922 in der Hospitalpfarre Wohnungen eingerichtet, im gleichen Jahre vier Wohnungen und 1924 weitere vier Wohnungen in der Kraftwagenhalle geschaffen; 1925 ein Wohnhaus mit 6 Wohnungen an der Großen Kartengasse erbaut und mit dem Neubau eines weiteren Sechsfamilienwohnhauses an der Geyersdorfer Straße begonnen; 1926 ein Sechsfamilienwohnhaus an der Haldenstraße; 1927/28 zehn Sechsfamilienhäuser Im Humpel und 1930 ein Zwölffamilienwohnhaus an der Adam-Ries-Straße errichtet.

Der Bauplatz für das Annaberger Stadtbad im Sommer 1905.
Der Bauplatz für das Annaberger Stadtbad im Sommer 1905.
Das Annaberger Stadtbad nach seiner Vollendung (Sommer 1907).
Das Annaberger Stadtbad nach seiner Vollendung (Sommer 1907).
Der städtische Bauhof, Ecke Linden- und Pöhlbergstraße, wurde 1912 abgebrochen.
Der städtische Bauhof, Ecke Linden- und Pöhlbergstraße, wurde 1912 abgebrochen.
An der Stelle des alten Bauhofes entstanden 19 Wohnhäuser mit 157 Wohnungen.
An der Stelle des alten Bauhofes entstanden 19 Wohnhäuser mit 157 Wohnungen. (T. A. W.-Photodienst.)
Das Montierungs-Gebäude an der Geyersdorfer Straße.
Das Montierungs-Gebäude an der Geyersdorfer Straße wurde 1884 erbaut und diente als Montierungskammer des Landwehrbezirks Annaberg. (I. E. S. Nr. 17 und 18/1926.) Durch Auf- und Umbauten wurde dieses Gebäude so verändert, daß in dem schmucken Bau, der u. a. die Motorspritze beherbert, niemand mehr eine Erinnerung an die alte Form findet.
Großanlage der Sächsischen Kraftverkehrs-Gesellschaft.
Nach der Geyersdorfer Seite zu ist, fast unmittelbar anschließend an das alte Montierungsgebäude, die Großanlage der Sächsischen Kraftverkehrs-Gesellschaft entstanden, die mit ihrem Verwaltungs- und Wohnhaus sowie den Riesengaragen für die Autobusse das Herz des Obererzgebirgischen Verkehrszentrums darstellt.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 14, 2. April 1933, S. 1

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