Annabergs bauliche Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten (5) - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Annabergs bauliche Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten (5)

Von Stadtbaurat i. R. Rößner-Annaberg.

Denkmäler.

In früheren Jahren war Annaberg arm an öffentlichen Denkmälern. Es bestanden nur das Kriegerdenkmal, das Lutherdenkmal und der Barbara-Uttmann-Brunnen. Es wurde deshalb mit Freude begrüßt, als am 5. November 1893 das Adam-Ries-Denkmal, geschaffen vom Verein für Geschichte von Annaberg und Umgegend, enthüllt wurde. Eine Schöpfung des Prof. Henze-Dresden, die in ihrer Schlichtheit und Gediegenheit dem Wesen des Mannes entspricht, den es darstellt. Am gleichen Tage des Jahres 1897 wurde das Denkmal Georgs des Bärtigen, des Gründers der Stadt, am Buchholzer Tor enthüllt und der Stadt übergeben. Dieses Denkmal, eine Nachbildung der in der Albrechtsburg zu Meißen befindlichen Statue Herzog Georg des Bärtigen, wurde von der Harmonischen Gesellschaft der Fünfzehner aus Anlaß ihres 100jährigen Bestehens errichtet.

Die feierliche Enthüllung des Bismarckdenkmals, hergestellt nach den Entwürfen des Bildhauers Max Meißner-Friedenau, fand am 2. September 1900 statt. Die Kosten von rund 13000.– Mk. waren durch freiwillige Beiträge aufgebracht worden.

Tiefbau.

Die Straßen Annabergs waren früher chaussiert, nur einige wenige steile Straßen mit Basaltwacken gepflastert. Die Fußwege bestanden aus Schieferplatten ohne Bordkante und die Schleusen waren aus trockenem Bruchsteinmauerwerk hergestellt und bildeten damit die schönsten Schlupfwinkel für Ratten und Mäuse. In den 1880er Jahren fing man mit der Buchholzer Straße an, die Straßen zu regulieren, indem man die gemauerten Schleusen durch Rohrschleusen ersetzte, die Wasserrohre auswechselte, die Bürgersteige von Granitplatten und 40 cm breiten Granitbordkanten herstellte und die Fahrbahnen neu pflasterte, und zwar die wichtigen Straßen bis 1902 mit bossierten Steinen, wie z. B. die Buchholzer Straße, Marktplatz, den vorderen Teil der Wolkensteiner Straße und die Untere Badergasse. Die anderen Straßen, wie Kleine Kirchgasse, Fleischergasse, Obere Schmiedegasse, pflasterte man wieder wie früher mit Basaltwacken. Im Jahre 1902 wurden auf dem Platze vor der Bergkirche und 1903 auf der unteren Kirchgasse Versuche mit Granitsteinpflaster gemacht und zwar mit so gutem Erfolg, daß seitdem nur noch mit diesen Steinen gepflastert wird. Es wurden dann mit Klein-Pflaster gepflastert die ganze Große Kirchgasse, die Lindenstraße, die beiden Kirchplätze, die Buchholzer Straße, die Kaiser-Wilhelm-Straße mit Schlösselbrücke und Bismarckstraße, die Bahnhofstraße von der Unterführung bis Bambergstraße, die Talstraße bis zur Überführung, die Wolkensteiner Straße, die Adam-Ries-Straße, die Geyersdorfer Straße, die Parkstraße, ein Teil der Schießhausstraße und die Scherbank mit einem Teil der Silberstraße. An Straßenregulierungen und -Neubauten wurden ausgeführt:

1893: Der untere Teil der Theaterfreitreppe, der obere Teil 1904/05. (Diese Treppenanlage überwindet mit 207 Granitstufen einen Höhenunterschied von 26,15 Meter.) — Ausbau der Voigtstraße bis zur Schule (der hintere Teil 1920) — Umbau des Bahnhoffußweges mit Sandfußweg bis zu Hungers Gasthaus — Ausbau der König-Albert-Straße bis zur Theaterfreitreppe (der übrige Teil 1911/12);

1893/94: Die Marktplatzregulierung, wosurch dieser Platz einer der schönsten Marktplätze Sachsens wurde;

1894: Verbreiterung der Feldgasse;

1896: Regulierung der Unteren Badergasse und der Marktgasse — Herstellung der neuen Straßen am Lehrerseminar;

1897: Obere Schmiedegasse mit Ferdinandgasse und unterem Teil der Mandelgasse, Teile der Wiesenstraße, Hospitalstraße, Andreasgasse, Talstraße;

1898: Frohnauer Gasse oberer Teil, unterer Teil 1905 — Zick-Zack-Promenade oben.

Weihefeier für das Herzog-Georg-Denkmal.
Weihefeier für das Denkmal des Stadtgründers, Herzog Georg der Bärtige. Superintendent Schmidt hält die Festrede.
Bismarck-Denkmal.
Das Bismarck-Denkmal kurz nach der Enthüllung.
(Photos: A. Meiche, Annaberg.)

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 16, 16. April 1933, S. 5

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