Annabergs bauliche Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Annabergs bauliche Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten.

Von Stadtbaurat i. R. Rößner, Annaberg.


Wie noch in frischer Erinnerung steht, trat Stadtbaurat Rößner, Annaberg, am 1. Oktober 1932 in den verdienten Ruhestand. Wir würdigten seine hohen Verdienste um die bauliche Entwicklung Annabergs bereits anläßlich seiner ehrenvollen Verabschiedung durch den Stadtrat Annaberg.


Stadtbaurat Rößner war von 1891 bis 1895 als technischer Mitarbeiter in einem Annaberger Baugeschäft, von 1895-1897 als technischer Assistent im Stadtbauamt Annaberg, von 1897 bis 1901 als Stadtbaumeister in Buchholz und von 1901 bis 1. Oktober 1932 als Bauamtsvorstand in Annaberg, davon die letzten 10 Jahre als Stadtbaurat und Dezernent verschiedener wichtiger Verwaltungszweige, tätig.


Anläßlich seines Ausscheidens hat Stadtbaurat Rößner eine längere, überaus wertvolle und hochinteressante Abhandlung über das Bauwesen der Stadt Annaberg in den letzten 40 Jahren geschrieben, die insofern besonders instruktiv ist, als der Verfasser diese vier Dezennien baulicher Entwicklung selbst mit erleben durfte und daher das meiste aus eigener Anschauung gibt. Wir veröffentlichen diese Abhandlung, der wir die wichtigsten Einzelheiten zum Teil in etwas gekürzter Form entnehmen, in laufenden Fortsetzungen in unserem Illustrierten Erzgebirgischen Sonntagsblatt, zum Teil unter Beigabe erläuternder Abbildungen aus unserem so reichen Schatz von Heimatbildern. Stadtbaurat i. R. Rößner schreibt:


Die Aufgaben des städtischen Bauamtes

sind außerordentlich vielseitige, sie umfassen Hoch-, Tief- und Wasserwerksbauten, Baupolizei mit Ueberwachung von Privatbauten, sowie die Anlegung und Durchführung der städtischen Bebauungspläne, Grundstücksverwaltung, Stadtbad, Wasserwerksverwaltung, Schmuckanlagen, Sandgruben, Straßenbeleuchtung, Düngerabfuhrwesen und Materialverwaltung.

In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde in Annaberg nur wenig gebaut. Es kamen nur Privatbauten zur Ausführung. Lebhafter wurde die Bautätigkeit zu Anfang der 1890er Jahre und sie ist auch in den folgenden Jahren mit nur wenig Ausnahmen lebhaft geblieben, bis sie 1914 mit Ausbruch des Weltkrieges und seinen Folgeerscheinungen zeitweise fast ganz ausgeschaltet wurde. Nachstehend sollen nun die seit 1890 ausgeführten städtischen Hoch-, Tief- und Wasserwerksbauten und auch die Privatbauten nach der Zeitfolge des Entstehens aufgeführt werden:

Städtische Hochbauten.

1891. Stadttheater. Im Mai 1891 wurde mit dem Bau des Stadttheaters begonnen. Der Bau selbst lag zwar in den Händen eines Theaterbauvereins unter der Leitung des architekten Bruno Schreiber, Dresden, wurde aber nach seiner Fertigstellung von der Stadtgemeinde übernommen, die von den 230.000 Mark betragenden Baukosten bereits 130.000 Mark gedeckt hatte. Das Theater wurde am 2. April 1893 mit der Aufführung eines Festspieles seiner Bestimmung übergeben und bildet noch heute eine gut geleitete und gern besuchte Kunststätte, um die uns manche größere Mittelstadt beneidet.


Schulbauten


1892. Im Jahre 1892 wurde mit dem Bau der Schule am Benkertberge, jetzigen Volksschule II, begonnen. Sie wurde unter der Leitung des Stadtbauamtes fast ausschließlich von hiesigen Gewerken nach den Plänen des Professor Viehweger, Leipzig, ausgeführt. Das anfangs mit eingebaute Schulbrausebad ist seit Bestehen des Stadtbades entfernt worden.

Der Bau wurde im Oktober 1894 in Benutzung genommen und hat einschließlich Straßenbauten 460.600 Mark gekostet.

Der Wahl des Bauplatzes für diese Schule waren jahrelange Verhandlungen mit teilweise heißen Kämpfen vorausgegangen, bis sich die Mehrheit der Stadtverordneten für den Platz am Benkertberge entschied. Wuchtig in seinen Baumaßen, doch von einfacher Gediegenheit im Aeußeren, geräumig, praktisch und übersichtlich im Inneren, beherrscht dieser Bau das gesamte Stadtbild dieser Gegend.

1896. Das jetzt städtische Handelsschulgebäude an der Scheibnerstraße wurde 1898 erbaut durch den Kaufmännischen Verein und Ostern 1899 in Betrieb genommen. Es war mit 82.500 Mark veranschlagt, außer den Kosten für die innere Ausstattung, die von den Mitgliedern des Vereins durch freiwillige Beiträge aufgebracht worden waren. Die Schule ist im Jahre 1921 von der Stadtgemeinde übernommen und zu einer höheren städtischen Handelslehranstalt ausgebildet worden. Zu diesem Zwecke wurden 1924 3 Lehrzimmer im benachbarten vormals Schädtler'schen Hause eingebaut, welches schon vorher hierzu angekauft worden war.

1909. Die im Jahre 1888 gegründete Lehranstalt für Erzgebirgische Posamenten-Industrie ging 1908 in die Verwaltung des Stadtrates und im Jahre 1909 in diejenige des Gemeindeverbandes Annaberg-Buchholz über. Das von letzterem erbaute Fachschulgebäude mit Vorbildersammlung wurde am 4. Januar 1909 eingeweiht. Es ist nach den Plänen und unter der Oberleitung des heimischen Architekten Oskar Pfau ausgeführt und kostete mit innerer Ausstattung rund 200.000 Mark.

1912/13. Das Gewerbeschulgebäude, ehemals Realschulgebäude an der Großen Kirchgasse, wurde 1912/13 nach den Plänen des Stadtbauamtes mit einem Kostenaufwande von 58.000 Mark vollständig umgebaut und die Seitengebäude abgetragen. Im Dachgeschoß wurden Lehrzimmer und ein Zeichensaal eingebaut und das ganze Gebäude mit einer Zentralheizung versehen.

1914. Das Schulgebäude im Ortsteil Kleinrückerswalde, jetzige Volksschule III, wurde 1914 erheblich erweitert, mit Zentralheizung, einem neuen Treppenhaus und Klosettanlage versehen. Im Dachgeschoß wurde eine Wohnung eingebaut.

1880. Das Schulgebäude am Zürcherplatz, jetzt Volksschule I, war Anfang der 1880er Jahre umgebaut und erheblich erweitert worden, aber schon seit vielen Jahren machten sich nicht nur Platzmangel, sondern auch verschiedene andere Mängel geltend. Die Turnhalle wurde baufällig. Moderne Heizungs- und Abortanlagen wurden immer dringender gefordert. Die vor dem Kriege aufgestellten Projekte für eine erhebliche Erweiterung der Schule mit neuen Heizungs- und Abortanlagen mußten durch den Krieg zurückgestellt werden. Erst im Jahre 1925 konnte zunächst nur ein Anbau von 4 Lehrzimmern und der Bau einer neuen Abortanlage erfolgen. Das ganze Gebäude erhielt dabei eine moderne Niederdruck-Dampfheizungsanlage.


Stadtbaurat i. R. Rößner
Stadtbaurat i. R. Rößner
Annaberg, Theaterscheune
Hofansicht des alten Annaberger Musentempels mit eingebauten Toren, jetzt Wirtschaftsscheune der Speditionsfirma August Schneider. Hier fanden von 1829 regelmäßig Theatervorstellungen statt.
Annaberg, Stadttheater
Das Annaberger Stadttheater wurde am 2. April 1893 eröffnet und blickt nunmehr auf 40 Jahre ehrenvoller Spielzeit zurück, die den Ruf Annabergs als Theaterstadt gründeten. Um die Erhaltung dieser Kulturstätte des Obererzgebirges sind erneut Bemühungen aufgenommen worden, die hoffentlich von bestem Erfolg gekrönt sein werden. Die Theatertreppe wurde 1905 erbaut.
Annaberg, Volksschule II
Bild vom Bau der neuen Schule am Benkertberg im Jahre 1893. Die König-Albert-Straße, die 1879 angelegt wurde, befindet sich noch am Anfang ihrer Entwicklung. Sie endete seinerzeit vor dem Eckhaus am jetzigen Pestalozziplatz.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 11, 12. März 1933, S. 1

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