Die Belagerung Annabergs durch die Bauern. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die Belagerung Annabergs durch die Bauern.

1927 > Nr. 15/1927
Man schrieb den 19. November 1632. Unruhvolle Zeiten herrschten in allen Teilen unseres engeren und weiteren Vaterlandes. Drunten im Lande, um Chemnitz und Freiberg, war alles verheert und aufgezehrt. Aus diesem Grunde kamen von dorther oft 20, auch 30 Bagagewagen mit kaiserlichen Marketendern in die Bergstädte, insbesondere nach Annaberg, brachten viel an geraubten Zinn- und Kupfersachen, Kleidern usw. mit sich und vertauschten es gegen Brot, Wein, Bier, Tuch, Tabak, Koller, Stifeln, Hufeisen und dergl., was auch den Paschern von der nahegelegenen Grenze einen guten Verdienst einbrachte.

Das aber verdroß das Landvolk, welches vom Kurfürsten von Sachsen insgeheim veranlaßt worden war, die Feinde zu schädigen, wo und wie sie nur könnten und wüßten. Drei Tage lang hatten sie auf der Lauer gelegen, aber die Marketender waren gewarnt worden und blieben in der Stadt liegen.
Drebach
Zwei botanische Seltenheiten im Obererzgebirge.
Frühlingssafran (Krokus) und die 400jährige Eibe in Drebach. (Aus Mitteilungen Heft 3/4 1925 vom Landesverein Sächs. Heimatschutz, Dresden.)
Mittlerweile waren wieder 20 Wagen von Freiberg unterwegs, nach Annaberg zu fahren und sich daselbst mit Vorräten zu versorgen. Das erkundschaftete Christian Reppel, der Richter zu Königswalde, Anführer der Bauern, und zog ihnen mit 100 wohlbewaffneten Leuten entgegen. In einem Birkenbüschchen, durch das ein hohler Weg von Mildenau nach Mauersberg führte, legte er sich in Hinterhalt; dieses Weges sollten die Wagen kommen. Aber ein Vortrupp Reiter entdeckte die lauernde Schar Reppels, eilte spornstreichs zurück und warnte die bis Boden gelangte Wagenkolonne, die nun ihrerseits Kehrt machte und Reißaus nahm. Die Bauern waren zu weit entfernt, um ihnen etwas anhaben zu können.

Nun war es ihnen um die Markentender in Annaberg zu tun. Die kecken Bauern wußten, daß die Schweden vor Chemnitz lagen und die Stadt seit 8 Tagen belagerten und beschossen; sie versammelten sich zu einem Haufen von etwa 500 wohlgerüsteten Männern — das beigestellte Raubgesindel abgerechnet — und lagerten sich am 19. November vor dem Böhmischen und Buchholzer Tor ein. Sie begehrten von den Annabergern, die Feinde herauszugeben, sonst wollten sie selbst in die Stadt einbrechen und dieselben herausholen. Mit Trommeln und Leitern zogen sie heran, traten großmäulig auf und warfen mit Steinen in die Stadt. Infolgedessen griffen die Bürger zu ihren Gewehren und traten an die Stadtmauern, um ihre Stadt vor einem Überfall zu bewahren; dabei halfen auch die Marketender, indem sie auf dem Marktplatze eine Wagenburg bildeten und erklärten, sich bis in den Tod zu wehren.

Die Ratsherren von Annaberg handelten vernünftig, indem sie zur Vermeidung von Blutvergießen und der Stadt allgemeinem Verderben (weil doch im benachbarten Böhmen allerhand kaiserliches Volk lag) das Landvolk mit guten Worten und der Hoffnung auf eine Geldentschädigung vertrösteten. Die Anführer aber ließen sie herein, verhandelten mit ihnen um ein Diskretionsgeld und ließen das Volk bis gegen Abend vor der Stadt liegen. Als die Aufständischen endlich hungrig und müde geworden waren, da "mochte jeder auf commando der Anführer heimlaufen und Spott zum Schaden haben".

Tags darauf, am 20. November, kamen "etwa 100 schwedische Pferde" von Chemnitz herauf, plünderten die Marketender und führten sie gefangen nach Chemnitz ab. Die Bauern bekamen "davon nichts".

Vier Tage darauf hatten sich die Bauern wieder zusammengerottet, eine Anzahl marodierende Schweden sich angegliedert und kamen am 24. November abermals vor die Stadt. In Annaberg lag noch der kaiserliche Leutnant Seubel mit einigen Wagen und Begleitmannschaften, weil die Umgebung nicht sicher war; den wollten sie mit Gewalt heraushaben oder die Stadtmauern ersteigen. Weil sie aber keinerlei Befehl dazu aufweisen konnten, wurden sie "teils mit Glimpf und teils mit Steinwürfen" abgewiesen. Da sie nun dergestalt nichts erreichen konnten, legten sie sich in Gebüsche und Hohlwege und erschossen einige Kroaten, "die durch das Gebirge mächtig ausrissen".
—cj—

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 15 v. 17. April 1927


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 15, 17. April 1927, S. 1

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