Buchdruckerei und Zeitungswesen in Annaberg. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

Direkt zum Seiteninhalt
Menü

Buchdruckerei und Zeitungswesen in Annaberg.

1927 > Nr. 22/1927
Schon im Jahre 1530 gründete Nikolaus Günther, geboren 1490 zu Thum, Kaplan an der hiesigen St. Annenkirche und nach Einführung der Reformation hierselbst (1539) Diakonus an genannter Kirche, in Annaberg eine Buchdruckerei. Er lebte bis etwa 1550 und hatte seine Druckerei vermutlich in dem jetzigen Grundstücke Große Kirchgasse 4. Auch nach ihm war bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Annaberg eine Buchdruckerei vorhanden, denn der Chronist Paul Jenisius (Rektor der Lateinschule) sagt in seiner Chronik von Annaberg: "Auch hat es hier eine Buchdruckerei gegeben, darinnen Büchlein und Carmina verfertigt wurden. Zu unserer Zeit (1580) druckte man deutsche Gesänge, geistliche Lieder, Anschläge, Zubuß- und Ausbeutezettel, zum Bergwerk gehörig."

Bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts scheint sodann Annaberg ohne Buchdruckerei gewesen zu sein und erst 1668 gründete David Nicolai aus Weida im Vogtlande hier wieder eine solche, mit welcher ein ausgedehnter Bücherdruck und Bücherverlag verbunden war. Er starb 1701, worauf Victorin Richter diese Buchdruckerei übernahm. Von diesem ging sie 1722 auf August Valentin Friese über; sie wurde mit vier Handpressen betrieben, fiel dem Stadtbrande vom 28. August 1731 zum Opfer, entstand aber neu und vererbte sich 1772 auf Johann Gottlob Friese. Dieser starb 1784 und seine Erben verkauften das Geschäft 1790 an Friedrich Wilhelm Ludwig Hasper aus Marienberg.

Hasper gründete am 12. September 1807 das "Annaberger Wochenblatt" und übergab 1820 die Buchdruckerei seinem Sohne Eduard Hasper, welcher sie 1860 an Karl August Teutsch aus Weißenfels verkaufte, der einige Zeit lang den "Kurier, Tageblatt für Annaberg, Buchholz und Umgegend" herausgab. Das Geschäftslokal war im jetzigen Hause Große Kirchgasse 19. Nach Teutsch ging die Druckerei in den Besitz von Richard Grellmann und dann auf Carl Kästner über, der später zeitweilig den "Wächter" und vom 1. Januar 1889 bis Juni 1909 den "Sehma-Boten" herausgab, der nach 20jährigem Bestehen einging.

In der Grellmann'schen und später Kästner'schen Buchdruckerei wurde 1877—1884 das ältere "Annaberger Kirchenblatt" gedruckt, dessen Redakteur der Archidiakonus Julius Alfred Gareis war. Dieses Annaberger Kirchenblatt lebte 1901 unter Leitung des Diakonus Arthur Eduard Piltz wieder auf, wurde in der seit 1883 bestehenden M. Muschter'schen, früher C. F. Bielich'schen Buchdruckerei gedruckt, ging aber bereits 1905 wieder ein, um erst 1920 neu zu erstehen.

1861 gründete Victor Gottschalch aus Lichtenstein eine zweite Druckerei (jetzt Kleine Kirchgasse 10), in welcher das "Anhnaberger Wochenblatt" bis zum 21. August 1871 gedruckt wurde. Dieser Herstellungsort ward am darauffolgenden Tage nach dem Grundstücke Markt 8 verlegt, welches der Herausgeber Carl Ludwig Schreiber von den Mende'schen Erben erworben und in dem sein Sohn Carl Oswald Schreiber eine Buchdruckerei eingerichtet hatte. Ersterer starb am 17. Januar 1885 und sein ebengenannter Sohn wurde Nachbesitzer. Seit dem 1. Oktober 1900 ist der Kammerrat Felix Thallwitz aus Döbeln Besitzer, Verleger und Herausgeber des Tageblattes "Annaberger Wochenblatt".

Redakteur des Annaberger Wochenblattes war von 1826 bis zum 30. Juli 1841 Johann August Conrad; hierauf übernahm Karl Julius Köselitz, Kaufmann und Posamentier, ein vielseitig gebildeter, weitblickender Mann und warmherziger Philanthrop (er wohnte in dem jetzigen Grundstück Kleine Kirchgasse 2), die Leitung des Blattes. Sein Schwiegersohn, der Bürgerschullehrer Karl Ludwig Schreiber, setzte nach dem Tode des Schwiegervaters 1846 die Herausgabe fort und gründete für das Blatt — wie schon erwähnt — vor nunmehr 56 Jahren wieder eine selbständige Druckerei.
—cj.—

Erzgebirgisches Sonntagsblatt  Nr. 22 v. 5. Juni 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 22, 5. Juni 1927, S. 5

Zurück zum Seiteninhalt