Buchholz vor 100 Jahren. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Buchholz vor 100 Jahren.

1927 > Nr. 9/1927
Buchholz 1827
Schon zu wiederholten Malen *) haben wir ältere Ansichten unserer Nachbarstadt Buchholz den Lesern des "Illustrierten Erzgebirgischen Sonntagsblattes" vor Augen geführt; unser heutiges, ein sehr seltenes Bild — nach der Natur gezeichnet und lithographiert von G. Täubert, verlegt von Ernst Thiermann in Annaberg — zeigt uns den Ort, wie ihn sein Beschauer in der Zeit vor dem Bau der Buchholzer Brücke (1830—1832) von Norden aus erblickte.

Rechts in der unteren Ecke des Bildes mündet die von Annaberg kommende Straße in den Ort ein und links derselben zeigt sich im Vordergrunde dort, wo jetzt der "Wettiner Hof" an der heutigen Talstraße steht, die ehemals "Horn'sche Schankwirtschaft" ("Horn-Christel"). Die Straße biegt dort ein nach der "vorderen Mühle" (jetzt Stiefelmühle, früher Naumann-Mühle) und wendet sich in ihrem weiteren Verlaufe nach rechts, die heutige Mühlstraße (an der die Adler'sche Fabrik liegt) entlang; dann führt sie weiter nach der jetzigen Friedrichstraße zu und von da aus geht sie in Windungen bergaufwärts, um in der Schlettauer Straße ihre Fortsetzung zu finden. Am unteren Ende der Friedrichstraße zweigt die Karlsbader Straße ab. Parallel mit dem Talwege an der Horn'schen Schankwirtschaft vorbei lief oberhalb derselben, in der Richtung der heutigen Königstraße, der Pochgrabenweg.

Das von der vorderen Mühle nach links sichtbare breite Gebäude ist die Bach'sche oder Timäus-Villa, jetzt der Firma H. W. Gutberlet (Annaberger Straße Nr. 5, 7 und 9) gehörig. Daneben erblicken wir das Tischler-Brand-Haus an der Marktecke. Der Marktplatz zeigt den Abhang, wie er vor der Regulierung war; an demselben sieht man das Rathaus in seiner Gestalt vor 1840 und darüber die Kirche vor der Renovation von 1875—77. Etwas unterhalb der Kirche nach rechts ist ein Gebäude mit Türmchen sichtbar; der Buschbeck'sche Gasthof mit Tanzsaal, auch "Deutsches Haus" genannt (heute Karlsbaderstraße 19, Roscher).

Zur Geschichte des Buchholzer Rathauses und des Gasthofes "Stadt Karlsbad" (wie das Buschbeck'sche "Deutsche Haus" früher hieß) teilt ein Chronist im Jahre 1868 folgendes mit: "Das erste Rathaus war ein umfangreiches Gebäude zwischen der jetzigen Annaberger Straße und dem Gasthofe zur "Stadt Karlsbad" (jetzt — 1868 — zum Deutschen Haus); es befanden sich im Rathause auch eine Trinkstube, sowie der Salzschank. Das obere Stockwerk diente zugleich als Tanzboden. Bereits im Laufe des 17. Jahrhunderts verließ man dasselbe und machte es zum städtischen Brauhaus. Als solches wurde es vor 28 Jahren (also 1840) wegen Baufälligkeit weggerissen; der Platz blieb unbebaut liegen, bis derselbe nach dem Brande von 1852 zwei Privathäusern als Baustelle eingeräumt wurde. — Nachdem man das erste Rathaus verlassen, bezog man ein neben dem ersten gelegenes erkauftes Bürgerhaus als zweites Rathaus. Die Keller ließ man zu Gefängnissen und einer Marterkammer mit eingemauerten Hals-, Hand- und Fußeisen einrichten. In dem unteren Stockwerk befand sich die Fronveste und ein gemauertes Gefängnis. Eine Treppe hoch war die Ratsstube und neben dieser seit 1703 die Akzisstube. Am 28. Dezember 1801 brannte dieses Rathaus nebst fünf Nachbargebäuden ab und man verlegte die Ratssitzungen einstweilen in ein Privatgebäude. Am 7. Mai 1803 wurde das auf derselben Stelle erbaute neue und dritte Rathaus eingeweiht, doch im Jahre 1842 verließ man dasselbe wieder und wanderte in das an Stelle der am 8. Mai 1799 eingestürzten Münze erbaute jetzige und vierte Rathaus; das bisherige Rathaus wurde in den "Gasthof zur Stadt Karlsbad" umgewandelt, der, nachdem er mit seinen Nebengebäuden 1852 in Schutt und Asche gesunken, auf derselben Stelle umfangreicher und schöner wieder erbaut worden ist und den Namen "Zum Deutschen Haus" führt." — Auch dieses wurde vor einigen Jahrzehnten ein Raub der Flammen und ist seitdem das umfangreiche Wohnhaus Karlsbader Straße 19.

Im Bilde aufwärts von der vorderen Mühle, am Mühlgraben entlang, stoßen wir auf die mittlere Mühle, auch Städtler- oder Wußingmühle genannt (jetzt Münzgasse 1) und noch ein Stück weiter oben, hinter dem alten Schießhaus ("Deutscher Kaiser") gelegen, auf die, frühere obere Mühle, die auch die Namen Adel- oder Rostmühle führte (Schießhausstraße 4). — Die abschüssige Lage des Ortes wird aber der erkennen, der seine Straßen und Gäßchen einmal durchwandert.

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Über das Gebiet unserer Nachbarstadt Buchholz sei bei dieser Gelegenheit folgendes erwähnt:

In früherer Zeit besaß Buchholz als natürliche Grenze nach Norden hin den Grenzbach, im 16. Jahrhundert als Scheidebach bezeichnet, welcher Buchholz von Frohnau schied, nach Osten zu die Sehma, durch welche die Orte Buchholz und Kleinrückerswalde getrennt wurden. Scheidebach und Sehma bildeten bei Buchholz ehedem zugleich die Landesgrenze zwischen dem Kurfürstentum Sachsen (wozu Buchholz gehörte) und dem Herzogtum Sachsen. — Den ursprünglichen Kern des Stadtgebietes bildete das "Buchenholz", ein Stück Buchenwald. Dieses erhob sich in dem Winkel, dessen einen Schenkel der von Westen her den Hang herunterrinnende, jetzt in Schleusen geleitete Scheidebach, dessen anderen Schenkel die Sehma bildet, mit welcher der Scheide- oder Grenzbach in der Nähe der vorderen Mühle sich vereinigt, und erstreckte sich nach Süden zu. Wohl fast gleichzeitig mit der Gründung des Ortes wurde zwischen dem kurfürstlichen Rate Graf Balthasar von Schwarzburg in Thüringen und dem Grünhainer Abt Morgenstern (1486—1507) die Abmachung getroffen, "daß aller Platz, soweit die Klösterhölzer das Buchholz etwa genannt, begriffen, zu Aeckern und Wiesen ihnen zu gebrauchen, den Ansiedlern heimgestellt sein sollt." — Bald kamen hierzu Flurstücke, süd- und südwestwärts gelegen, die teils von den Bewohnern von Cunersdorf, teils von den Einwohnern Schlettaus, der Hauptsache nach als Weideplätze gebraucht worden waren. Weitere Gründe erwarb Buchholz zwischen 1528 und 1530 durch Kauf von Schlettau und dem Abte von Grünhain. 1544 kauften Richter und Schöppen ferner von dem Buchholzer Bürger Bastian Thyl für 300 Gulden die Schindelwiese, einen Teil des jetzigen Buchholzer Stadtwaldes, welche Thyl selbst kurz zuvor erst von "denen von der Schlettau" erkauft hatte.

(Schluß folgt.)

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 9 v. 6. März 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 9, 6. März 1927, S. 1

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