De Bouillon. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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De Bouillon.

1927 > Nr. 13/1927
In en obrarzgebirgischn Schtadl schtand an Markt e Gasthaus. Modern war 's net gerode eigericht, denn de Besitzern, de alte Lang Mine, war net su ofs neie. Ner nischt Neies durft in ihrer Schtub sei un ihr Grundsatz hieß: "racht schie altmodisch un gemütlich". De Mine war Witwe, weil ihr Mah in Krieg gefalln war, un hatt noch en Gung, ihrn Aagäppel, noch dann in dr Wirtschaft alles ging. Viel Kundschaft hatt de Mine net. De Woch siebnmol kam dr Schtammtisch "Katzengammer" bei der Mine zamm un trank e paar Glas Bier, abr ah net su viel, daß de Mine allane drvu labn kunnt. E Fremdr vrirrt sich saltn nei in dos Wirtshaus, wenn sich abr emol aaner sahe ließ, nochrt wußtns ne annern Tog sämtliche Eiwuhner vun dan Ort. De Mine machit übr jeds bissl en grußn Senf, un wenn bei 'r ner e altr "Hasn un Kanin" war, do saht se, 's wär e Direktor vun r grußen Fabrik gewasn. Emol ah wiedr kam e Fremdr bei dr Lang Mine nei. Geschwind, wie e Nachtwachter, kam de Mine raus aus dr Küch und freegit: "Wos wünschn Se dä?" "Na", saht dar, "bringen Sie mir eine Bouillon." — "Ja, geleich." — De Mine sausit wiedr in de Küch, wu dr Mann, wie dr Gung hieß, sich's Assn gut schmeckn ließ. Langsam machit sich de Mine an Gung nah und freegit: "Mann, sog mr ner emol, wos is dä Bouillon?" Dar schparrit Maul und Aang auf, übrlegit ah lang genung, abr wos Bouillon war, dos wußtr ah net. "Na, weßte Gung", fing de Mine widr ah, "'s gibt doch überol anner Bier, iech denk mr ner, dar maahnt e besunnre Art vun Bier." Waßte wos, gieh noch emol naus, freeg ne ganz ahschtännig noch emol, wos 'r will, un wenn 'r wiedr sogt: Bouillon, sogste ganz ahfach: "Se sei leidr ewing ze zeitig kumme. Bouillon ham mor noch net ahgesteckt." Dar Gung freegit ah dann Gast noch emol, und dar saht richtig wiedr: "Bouillon." Wie nu dr Mann saht: "Dos hamm mr noch net ahgeschteckt, willn Se vielleicht Grühaaner, dos is ah sehr gut", fing dr Fremde su ah ze lachn, dos dr Mine in dr Küch ganz angst wur.

Schpeetr hot dr Reisende das Ding wettr erzeehlt, aber wenn 'r 's dorzeehlt hot, mußtr aa elende lachn.

Hellmut Wappler - Grünhain.

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 13 v. 3. April 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 13, 3. April 1927, S. 5

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