Die Doffelschänke zu Königswalde - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Die Doffelschänke zu Königswalde

1932 > 1932-44

Ein altes echt erzgebirgisches Dorfgasthaus.

Königswalde, Doffelschänke

In der östlichsten Grenzecke der ehemals Ernestinischen Lande, am nördlichen Ende von Königswalde liegt auf der Amtsseite inmitten grüner Wiesen ein altes ehemaliges Gasthaus: die "Doffelschänke". Sie soll noch aus der Zeit der Hussitenkriege stammen und mindestens so alt als Rats- und Amtsgericht sein. Den Namen selbst hat sie von einem Vorbesitzer namens Christoph Herrmann, der sie seit 1704 besaß und in dessen Familie sie bis heute geblieben ist. Ein Nachkomme von ihm, Christian Herrmann, nahm an den Feldzügen 1864, 1866 und 1870/71 teil; von ihm stammen einige Bilder aus diesen Kriegen und schmücken die Gast- und die Oberstube. Von 1874 bis 1904 besaß er die Doffelschänke; seine 88jährige Witwe lebt noch; der Schwiegersohn Oswald Meyer aber (der Nachbesitzer) starb 1931 und jetzt gehört die "Doffelschänke" seiner Ehefrau.

Am Grundstück vorbei führt die alte Landstraße von Annaberg über Königswalde und Grumbach nach Reischdorf. In früheren Jahrzehnten war daher das Haus ein gesuchter Unterkunftsort für passierende böhmische Handelsleute, wohl auch oft Handwerksburschen. Billig war es im Lokal, denn die Uebernachtung mit Lager auf Schüttenstroh kostete nur 5 Pfennig, eine große Kanne Kaffee 6 Pfennig, ein kleines Bällchen Butter 6 Pfennig, ein Teller gekochter Kartoffeln 3 Pfennig. Das Bier wurde früher wie jetzt noch frisch vom Faß aus dem Keller geholt und Sonnabends und Sonntags finden sich heute noch Skatbrüder an vier Tischen der mit Steinmauerbänken versehenen Gaststube zusammen.

Welches bunte Leben taucht in der Erinnerung älterer Ortseinwohner wieder auf, wenn sie an jene Zeit zurückdenken, in denen die Gaststube angefüllt war mit Reischdorfer Fuhrleuten, Händlern und anderer haute-volée. Da tauchen aus dem Tabaksqualm hervor die bekannten Gestalten der Heisel-Nänne, des Feudis-Franz, der Rimpl und der Hünl aus Reischdorf, des Viehschneiders Franz Müller und des Gutsbesitzers Vinzenz, beide aus Mähren, des Leinmehl-Karl aus Mildenau und vieler anderer. Mitunter nahm auch ein Walzbruder die Gastfreundschaft der Herrmannschen Wirtsleute in Anspruch. O, du gute, alte Zeit!

Die historische "Doffelschänke" in Königswalde, sie ist der Typus einer erzgebirgischen Dorfschänke geblieben und bleibt uns hoffentlich in Urwüchsichkeit noch recht lange erhalten.

-cj-


126. Jahrgang, Nr. 44, 30. Oktober 1932
Druck und Verlag: Felix Thallwitz i. Fa. C. O. Schreiber. Verantwortlich für die Schriftleitung: Willy Thallwitz, Annaberg.


INHALT:

  • Die Doffelschänke zu Königswalde

  • Stürme und Nöte bei dem Posamentierer-Handwerk (5)

  • Herz in Flammen (Roman, 6)

  • Uhren regeln den Verkehr

  • Aktueller Zeitbilder-Dienst

  • Das Abendkleid für den Winter

  • Bilder aus dem Obererzgebirge



zurück

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 44, 30. Oktober 1932, S. 1

Start | 1926 | 1927 | 1928 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | 1934 | 1935 | 1936 | 1937 | 1938 | 1939 | 1940 | 1941 | Datenschutzerklärung | Impressum | Sitemap
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü