100 Häuser eingeäschert - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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100 Häuser eingeäschert

Der schwarze Tag von Ehrenfriedersdorf

Ein schwerer Gedenktag ist der 30. August 1866 für Ehrenfriedersdorf, wo in der Mittagsstunde in der Scheune des Schmiedemeisters Walther ein Feuer auskam, welches ein starker Südwestwind in die Stadt trieb und die mit Stroh und Schindeln gedeckten Häuser in Brand steckte. Innerhalb von zwei Stunden brannten 100 Häuser ab, wodurch 258 Familien mit 1225 Köpfen ihrer Habe beraubt, obdachlos vor dem Nichts standen. Auch das Rathaus ward ein Raub des gefräßigen Elementes; die Kirche, Pfarre und Diakonat, die Schule, das Gerichtsamt, die Apotheke und der Gasthof blieben verschont. Eine junge Frau und zwei Kinder kamen in den Flammen um.

Rathaus Ehrenfriedersdorf - Brandruine 1866

Die Brandruine des Rathauses mit vorgebautem als Notwohnung eingerichteten Behelfshaus.

Es wurde sofort eine Hilfsaktion für die Abgebrannten eingeleitet. Noch am selben Abend trafen von Annaberg und Geyer Wagen mit Brot und Lebensmitteln ein. Im ganzen Lande wurde für die Kalamitosen gesammelt, in Leipzig allein 1822 Thaler. Von König Johann gingen 300, von seiner Gemahlin 120, von der Königinwitwe 100 Thaler ein.

Die Obdachlosen wurden in den Tanzsälen des Gasthofes und Schießhauses, in Bürgerwohnungen, in Geyer, Thum, Herold, Drebach usw. untergebracht. Eine in der Ratsfronfeste eingerichtete Suppenanstalt gab täglich bis zu 450 Kannen Fleischbrühe und Gemüse ab.

Die Not war riesengroß - und doch hat man sie bewältigt. Der abgebrannte Stadtteil ging schön und zweckmäßig erbaut aus dem großen Unglück hervor. Doch was die armen Menschen zu erleiden hatten, sagen uns heute die steinernen Neubauten nicht mehr. Das vermittelt uns aber das tief empfundene Gedicht von Karl Graupner aus Geyer auf den Tod der beiden unglücklichen Kinder. Es lautet:

Fest umschlungen.


Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 18 v. 2. Mai 1926


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 119. Jahrgang, Nr. 18, 2. Mai 1926, S. 2

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