Die Eisbruch-Katastrophe im Obererzgebirge zu Weihnachten 1933. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die Eisbruch-Katastrophe im Obererzgebirge zu Weihnachten 1933.

1934 > 1934-01

Als in der Weihnachtswoche sinkende Temperaturen die beißende Kälte milderten, war man darüber nicht böse. Über den einsetzenden Rauhreif freute man sich, da er zauberhafte Gebilde an Baum und Strauch schuf und ganze Häuserfronten mit glitzerndem Weiß überzog. Während wir in Annaberg uns noch freuten, begann man im Kammgebiet schon ernster über das Naturwunder zu denken, weil dort bereits die Eisbildungen sehr weit vorgeschritten waren, die dann, begünstigt von starkem Nebel und feinem Sprühregen, Formen annahmen, die zu den schweren Störungen der Strom- und Telephonleitungen am 23. und 24.12. führten.

Die enormen Eisbildungen an den Telephon- und Leitungsdrähten führten zum Zerreißen der Drähte und Bruch der Masten. Nicht nur Telephonstangen aus Holz wurden umgelegt, auch die eisernen Masten der Hochspannungsleitungen wurden durch den ungeheuren Druck der Eislast wie ein Kinderspielzeug verbogen und geknickt.
(Aufnahmen des T. A. W.-Photodienstes bei Mönchsbad zwischen Schönfeld und Ehrenfriedersdorf.)
Die Städter wurden erst am Sonnabend durch das plötzliche Aussetzen des elektrischen Lichtes auf eine Katastrophe aufmerksam, die in verschiedenen Orten der Umgebung schon tags zuvor recht empfindlich fühlbar geworden war.
Notleitungen auf den geknickten und verbogenen Hochspannungsmasten bei Kemtau.
Die Auswirkungen der Stromstörungen haben wir in den letzten Tagen im T. A. W. ausführlich behandelt. Die Zusammenfassung der Aufnahmen unseres T. A. W.-Photodienstes soll auch im "Illustrierten Erzgebirgischen Sonntagsblatt", der Heimatchronik, die Schwere der Verwüstungen durch Eisbruch festhalten, der die Ursache zu den katastrophalen Störungen wurde.
Zwischen Jöhstadt und Grumbach fand der T.A.W.-Photodienst diese zwei anschaulichen Aufnahmen.
Man muß sich vergegenwärtigen, daß der Behang der Bäume und Telephonleitungen kein feiner, nadelförmiger Rauhreif ist, der an sich schon ein respektables Gewicht darstellt, sondern eine Eismasse, die ganz besonders schwer wiegt, und man wird verstehen, daß diese gewaltigen Lasten von Eis das festeste Material zu Bruch bringen mußten.
In der Nähe des Landheimes auf der Jöhstädter Höhe fanden wir nebenstehenden Stacheldrahtzaun mit ganz abnormen Eisbildungen. Besonders interessant sind an diesem Bild die Eiszacken, die sich an den Stämmen bis zu 30 cm Länge in der Richtung des anfallenden Nebels gebildet haben.

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 1 v. 1. Januar 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 127. Jahrgang, Nr. 1, 1. Januar 1934, S. 7

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