Schwerer Eisbruch- und Rauhreifschaden im Kammgebiet. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Schwerer Eisbruch- und Rauhreifschaden im Kammgebiet.

1934 > 1934-03
Rauhreifschaden am "Satzunger Knochen"
Rauhreifschaden am "Satzunger Knochen"
(Photo: Fritz Bergner, Satzung, in I.E.S. 2/1934, S. 1)
Rauhreifbildungen auf dem Pöhlberg
Rauhreifbildungen auf dem Pöhlberg Anfang Januar 1934.
(Photo: Helmut Baumann-Annaberg i. E.)
Wochenlanger Nebel und niedrige Temperaturen haben im Kammgebiet unserer Heimat zu Rauhreifbildungen von ganz ungewöhnlichen Ausmaßen geführt.
Von Baum zu Baum geht der Mann und klopft vorsichtig mit einer langen Stange die gewaltige Last von den Bäumen.
Aufnahme des T.A.W.-Photodienstes auf der Straße nach Grumbach.
Schwerer Eis- und Rauhreifbruch im Kammgebiet zwischen Satzung und Reitzenhain.
Der ehemals hochragende, schön gewachsene Fichtenbestand sieht aus, als habe er unter Artilleriebeschuß schwerer Kaliber gelegen. (T.A.W.-Photodienst)
Die Eisbruch-Katastrophe kurz vor dem Weihnachtsfest ließ uns ahnen, welche weiteren Schäden noch zu erwarten waren. Auf Schritt und Tritt begegnete man noch bis in die letzten Tage hinein Baumgebilden, die, mit einer gewaltigen Eis- und Schneeschicht bedeckt, kaum noch die Formen eines Baumes erkennen ließen und im wogenden Nebel phantastische Bilder boten. Soweit es möglich war, ließ man auf den Kammstraßen die Bäume mit Stangen abklopfen, um ihnen einen Teil ihrer Lasten abzunehmen und sie nicht ganz zu Bruch gehen zu lassen. Der T.A.W.-Photodienst hat eine schaurig-schöne Beute in zahlreichen Bildern von verschiedenen Stellen des Kammgebietes mitgebracht, damit sich unsere Leser eine Vorstellung von der Wucht der Rauhreifbildungen machen können.
Der Markt von Jöhstadt. (T.A.W.-Photodienst.)
Ein besonders anziehendes Bild bot der Marktplatz von Jöhstadt. Die den Markt umsäumenden Bäume zeigten einen Behang, wie man ihn selbst hier seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat. Wie aus weißem Marmor gemeißelt sitzen die Kronen auf den schlanken Stämmen, die der zentnerschweren Last kaum noch standhalten.
Auf dem Weg von Jöhstadt nach Grumbach ist eine ganze Reihe junger Birken von der Rauhreiflast tief gebeugt worden, während die Fichten an der gleichen Stelle den schweren Behang aufrecht zu tragen imstande sind.
Straße zwischen Jöhstadt und Grumbach. 
(T.A.W.-Photodienst.)
Einen genauen Ueberblick über die gewaltigen Schäden dieses Winters wird man erst dann gewinnen können, wenn die Rauhreifbildung zurückgegangen ist. Mancher Stamm, der diese Zeit bis jetzt noch überdauert hat, wird den Frühlingsstürmen zum Opfer fallen, denen der Rauhfrost Bresche geschlagen hat in das feste Gefüge des Waldes.

Der Aufenthalt im Walde ist zur Zeit und noch auf längere Zeit hinaus mit Lebensgefahr verbunden. Jeden Augenblick kann einer der Baumriesen zu Sturz kommen, und wehe dem Menschenkind, das von seiner wuchtigen Last getroffen wird.

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 3 v. 14. Januar 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 127. Jahrgang, Nr. 3, 14. Januar 1934, S. 7

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