Elternabend in Scheibenberg. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Elternabend in Scheibenberg.

1935 > 1935-52

Wieder ein Elternabend und wieder helle Freude für Eltern, Kinder und Lehrer. Das muß man der Volksschule lassen, sie ist bahnbrechend gewesen in der Pflege kindertümlicher Art. Mit unverdrossenem Eifer hat der Volksschullehrer alle Hindernisse aus dem Wege geräumt, um zum wahren Wesen des Kindes durchzudringen. Und so ließ auch der Elternabend in Scheibenberg die natürliche, ungehemmte Seele der Kinder zu den Erwachsenen sprechen. Das Kind, wie es leibt und lebt, wie es sich freut und strebt, stand im Mittelpunkt des Abends. Die eigene Kindheit stieg im Geiste der Eltern wieder auf, und sie mußten sich selbst zugestehen: "So schön haben wir's nicht gehabt! So ungehindert konnten wir uns nicht ausleben!" Nich das einzelne Kind oder die einzelne Klasse trat in den Vordergrund, sondern die "Gemeinschaft Schule".

(Photo: Helsterberg.)

Die Kleinsten rührten zu tiefst an unser Herz. Unbewußt ihrer lieblichen Kindlichkeit sprachen und sangen die Abc-Schützen auf der Bühne und riefen das Christkind an, das Bienchen, den lieben Herrgott, den Knecht Ruprecht und wer sonst noch Freude in ihr Leben zu bringen vermag.

Und die Größeren wie auch die Großen setzten ihre Eltern in Staunen durch ihr wendiges Turnen, ihre schönen Lieder und Gedichte und die selbst erdachten kleinen Szenen. Im Mittelpunkt natürlich das sehnlich erwartete Weihnachtsfest.

Schulleiter Pg. Gerber legte den Eltern in scharfumrissenen Sätzen wieder einmal die drei Hauptziele der erzieherischen Arbeit dar: Ertüchtigung des Körpers, Charakterbildung und Hebung des Geistes. Lehrer, Elternschaft und Hitler-Jugend sollen gemeinsam an der Erreichung dieser Ziele arbeiten.

Nach Beendung der schulischen Darbietungen wurden die Anwesenden überrascht durch ein Werkchen, das der Phantasie der ehemaligen Volksschülerin Leni Funk entsprungen ist: "Dr Segn des Winterhilfswarks". In erzgebirgischer Sprache entrollte sich vor den Augen der Zuhörer die bittere Not einer Familie in der Zeit, das das Winterhilfswerk noch nicht ins Leben gerufen war. Die Not konnte nicht größer werden, als sie durch SA und BDM entdeckt und den Leiden der Ärmsten ein Ende gemacht wurde. Was irgend im Hause fehlte, wurde von rührigen Händen herbeigeschafft. Mann und Frau kommen sich vor wie im Märchenland. Nun glauben auch sie an die soziale Macht der neuen Zeit und verschreiben sich ihr von ganzem Herzen. Leni Funk, die das Stück so schlicht und zum Herzen sprechend erdacht, verdient ob ihrer Arbeit gelobt zu werden. Sie zeugt von idealer, kindlicher Begeisterung für die Segnungen unserer Zeit.

H.


129 Jahrgang, Nr. 52, 22. Dezember 1935
Druck und Verlag: C. O. Schreiber. Tageblatt "Annaberger Wochenblatt". Verantwortl. für Schriftleit. und Bilder: Willy Thallwitz, Annaberg.


INHALT:

  • Weihnachtsstube im Erzgebirge

  • Die Pfälzer Liselott (Roman, 9)
  • Aus Heimat und Natur
  • Weihnachtsmusik
  • Am Weihnachtsmorgen
  • Es ist gekommen die heilige Nacht
  • "Wenn de Peremett sich dreht..." (Mundart)
  • Bilder aus dem Obererzgebirge



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Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 129. Jahrgang, Nr. 52, 22. Dezember 1935, S. 8

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