Wie der Buchholzer Markt entstand. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Wie der Buchholzer Markt entstand.

1931 > 1931-01

Der Buchholzer Marktplatz mit seiner sanft geneigten Ebene und seinen hohen Randmauern an der Ost- und Nordseite besteht in seinem gegenwärtigen Zustande nunmehr 40 Jahre. Im Oktober 1890 waren nach monatelangem Bau die Ebenlegung des Platzes durch Aufschütten von Erdmassen sowie die Aufführung der Stützmauern beendet, so daß der Jahrmarkt des Jahres 1890 erstmalig auf dem geebneten Marktplatze stattfand. Auch die nach der Annaberger Straße zu gelegene breite Zugangstr3eppe wurde zu jener Zeit gebaut, und die Mauerkrone mit einem kunstvoll geschmiedeten eisernen Geländer versehen. Die Gesamtkosten des Baues betrugen rund 12000 Mark. Mit freudigem Stolze sahen die Buchholzer damals das vollendete Werk, als endlich die alte, große Baubude, die mitten auf dem Markte so lange gestanden hatte (siehe Bild), verschwand und der Platz sich in seiner vollen Größe darbot.

Buchholzer Markt 1890

Der Marktplatz in Buchholz

im Jahre 1890 zur Zeit seines Baues (Hochführen einer Stützmauer und Aufschüttungen). Ungewohnt ist der Anblick des leeren Marktes (das Denkmal Friedrichs des Weisen suchen wir vergebens, es wurde 1901 errichtet). Interessant ist das alte Rathaus mit dem Schlosser Leibelt-Haus (jetzt Klipstein) rechts und Wußing-Mühle links. Das Bild zeigt den Marktplatzbau in seinem Endstadium.

(Photo Albin Meiche-Annaberg.)

Noch erhob sich ein Jahrzehnt hindurch nach der so erfolgten Marktregulierung an der Südseite das alte, 1841 an Stelle der Ruine des ehemaligen Fürsten- und Münzhauses errichtete Rathaus, das eine gewisse Aehnlichkeit mit dem 1866 in Ehrenfriedersdorf einem Brande zum Opfer gefallenen hatte. Es wurde im Jahre 1900 nach den Plänen des vormaligen Buchholzer Stadtbaumeisters Rößner (jetzt Stadtbaurat in Annaberg) mit einem Kostenaufwand von 70000 Mark völlig umgebaut und vergrößert. Bei dem Umbau sind auf das alte Gebäude ein Stockwerk und ein Dachgeschoß aufgesetzt worden. Das Dachreitertürmchen verschwand und wurde durch einen schlank aufragenden, vierkantigen Säulenturm ersetzt.


Abgesehen vom Rathaus bietet sich also gegenwärtig der Marktplatz in Buchholz dar, wie er seit 40 Jahren besteht. Vor 1890 hat der Markt durch Jahrhunderte hindurch die Gestalt im wesentlichen gehabt, wie wir sie auf der Dilich'schen Federzeichnung vom Jahre 1628 bemerken können. Der Platz fiel von der jetzigen Marktgasse her stark geneigt nach der "Annaberger Gasse" zu ab, und um die Steilheit etwas zu mindern, befand sich von Anfang an taleinwärts nach Oste3n zu eine kleine, niedrige Mauer. Eine solche Stützmauer war bereits im Jahre 1512, als der Markt gebaut wurde, mit vorsorglich errichtet worden.


In den ersten zehn Jahren seines Bestehens hatte Buchholz noch keinen Marktplatz. Doch war der Wunsch nach einem Platz zur Abhaltung eines "Wochenmarktes" wie im benachbarten St. Annaberg äußerst rege. Man hatte auch einen Raum hierfür schon lange vorgesehen, nämlich den Platz vor dem Fürstenhause, späterem Münzhof und jetzigem Rathaus. Doch lag dieser vorgesehene Platz nicht frei, sondern es standen mehrere kleine Häuser und Ställe darauf.


Als im Jahre 1509 der 1507 begonnene Bau des Fürstenhauses vollendet war, der in Aussicht gestellte Markt aber nicht zu Errichtung gelangte, reichten die Buchholzer erneute Klage beim Landesfürsten ein. In einem Schreiben des Kurfürsten Friedrich des Weisen an den Grafen Balthasar von Schwarzbach (der kurfürstliche Rat), das vom 15. Juli 1511 datiert, heißt es: "daß man von Buchholtz aus sich beklagt, weil kein wesen alldo aufkommen kann, da kein wirtshaus aufm Buchholtz sey, man keinen Wein schenke oder Markt halte, sondern alles von Annaberg erholen müsse". Die Klageschrift hatte guten Erfolg. Schon acht Tage später kam auf Anweisung des Kurfürsten Graf Balthasar nach Buchholz zum Bergvogt. Bei den Verhandlungen wurde als Markttag der Freitag bestimmt, damit den Händlern Gelegenheit geboten sei, "ihre übriggebliebenen Waren dann am Sonnabend in Annaberg abzusetzen". Weiterhin wurde in Vorschlag gebracht, die Auslöhnung der Bergleute am Freitag früh vorzunehmen und nicht wie bisher abends, "also hätten die Häuer geld in händen, daß sie und ihre weiber auf dem wochenmarckt kaufen möchten". Da man aber den Häuern nicht traute, sie möchten im Falle ihnen der volle Wochenlohn am Freitag früh ausbezahlt würde, ihre zu leistende Arbeit nicht vollenden, so wurde beantragt, das erste Mal einen jeden Bergmann bloß 8 Groschen von dem 10 Groschen betragenden Wochenlohn auszuzahlen, 2 Groschen jedoch bei jedem einzubehalten (nach L. Bartsch).


Ueber den dritten Punkt der Verhandlungen, die Platzfrage betreffend, war man schnell einig. Es blieb bei dem Raume vor dem Fürstenhause, weil er der geeignetste war. Die Häuser, die auf dem Platze standen, wurden vom Bergmeister mit den Richtern und Schöppen auf ihren Wert taxiert und zum Abbruch angekauft. — In der Zeit vom 14. September 1511 bis zum 28. Februar 1512 wurde alsdann die Freilegung des Marktplatzes durch Niederlegung der Gebäude und Einebnung vorgenommen. Die gesamten Kosten wurden aus dem Silberbergbau bestritten. Besondere Maurer mußten hinzugezogen werden für den Bau der an der östlichen Seite sich hinziehenden Stützmauer sowie für die damit im Zusammenhang stehende Verlegung des bisher dort gestandenen großen Wassertroges. Die Mauer wurde aus Steinen und Lehm errichtet. Insgesamt verursachte die Herstellung des Marktplatzes eine Ausgabe von 16 Schock 18 Groschen (ohne den Häuserankauf). Die Bausteine holte man aus dem nach Schlettau zu gelegenen Bruch. Wegen des Silberstollens "Zum Käsehans", der sich direkt am Markte öffnete, wurde bestimmt, daß die Aufschüttungen bei der Halde nur so erfolgen sollten, daß der Marktplatz dadurch nicht beengt würde.


So hatte also Buchholz im Jahre 1512 einen Marktplstz erhalten, der, obwohl er ziemlich steil abfiel, zur Abhaltung eines Wochenmarktes geeignet war. Dieser hatte allerdings keinen Bestand, und schon 1520 wird bemerkt, daß der Buchholzer Wochenmarkt wieder eingegangen sei. 1557 erhielt Buchholz direkt das Recht zugesprochen, den Annaberger Wochenmarkt mit benutzen zu dürfen.


Wenn der Buchholzer Wochenmarkt auch nicht mehr besteht, so erinnert doch an ihn der um seinetwillen geschaffene Buchholzer Marktplatz, der nunmehr seit 418 Jahren steht.


Illustriertes

Erzgebirgisches Sonntagsblatt

Nr. 1 v. 4. Januar 1931


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