Die Entwicklung des Verkehrs im Obererzgebirge. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

Direkt zum Seiteninhalt
Menü

Die Entwicklung des Verkehrs im Obererzgebirge.

1927 > Nr. 21/1927
(4. Fortsetzung und Schluß.)

Man war schon stolz, und befriedigt, wenn man eine Eilpost hatte, die noch nicht einmal zur bestimmten Minute eintraf. Kein Telegraphendraht übermittelte in kurz gedrängten Worten Aufträge und wichtige Ereignisse, noch viel weniger konnte man mittels des Fernsprechers in wenig Minuten die Gedanken von Mund zu Ohr austauschen. Wenn es trotzdem in Annaberg Kaufleute gab, die ihrer Handelsware, wie Schiffner erzählt, europäischen Ruf verschafften, so gehörte ein achtungsgebietender Unternehmungsgeist dazu. Dieser letztere hat sich zum Glück in unserer Stadt fortgeerbt, ist aber auch heute noch bei der Vollkommenheit unserer Verkehrsverhältnisse nötig. Galt es damals all die Verkehrshemmnisse zu überwinden, so gilt es heute die Konkurrenz fremder Länder aufzunehmen und durch Vervollkommnung und gediegene Leistungen aus dem Felde zu schlagen. Und wiederum ist es auch die deutsche Post, die getreulich mithilft. Durch den billigen Portosatz für Pakete bis zu 5 Kilogramm und das dichte Netz der Postanstalten ist es dem hiesigen Kaufmann möglich, die geschickten und flinken Hände der Arbeiter nicht bloß in der Umgegend, sondern auch in entfernteren Teilen Deutschlands und Böhmens aufzusuchen, ihnen das Material auf dem Postwege zu übersenden und die fertige Ware in derselben Weise zu erhalten. Der Weltpostverein dagegen erleichtert durch seine billigen Tarife die Aufsuchung der Absatzgebiete in den entferntesten Teilen der Welt.

Unter der Gunst dieser Verhältnisse ist hier immer mehr und mehr an die Stelle der einst reichen aber bald versiegten Fundgruben die Schaffenskraft der geschickten Hand und ein unentwegter kaufmännischer Unternehmungsgeist getreten. So kann denn auf das Erreichte sowohl Annaberg wie das ganze Obererzgebirge mit Recht stolz sein.

Möge Annaberg, nachdem es sich 400 Jahre seit seiner Gründung im wechselvollen Dasein und unter oft recht ungünstigen Verhältnissen tapfer gehalten hat, auch hinfort wachsen, blühen und gedeihen!

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 21 v. 29. Mai 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 21, 29. Mai 1927, S. 1

Zurück zum Seiteninhalt