Ein origineller Erlaß über das Spitzenklöppeln. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Ein origineller Erlaß über das Spitzenklöppeln.

1934 > 1934-33
Von Dr. Johannes Kleinpaul.

Während in unseren Tagen die sächsische Presse für das Kunsthandwerk des Klöppelns wärmstens eintritt und die Öffentlichkeit über die Bedeutung dieses wichtigen Zweiges der obererzgebirgischen Heimatindustrie aufklärt, gab es einmal eine Zeit — sie liegt allerdings rund 300 Jahre zurück, in der das Spitzenklöppeln eine Einschränkung erfahren mußte, weil es die Bevölkerung unserer Heimat der Feldarbeit zu entfremden drohte.

Im Jahre 1608 gelangten an die sächsische Regierung — der minderjährige Kurfürst Christian II. wartete damals auf den Thron seiner Väter — "vielfältige Klagen, daß im erzgebirgischen Kreise sowohl in Städten als auf den Dörfern das Klöppelwerk und weiße Zwirnmachen mit Gewalt zunehme, so daß die Hauswirte großen Mangel an Gesinde und Tagelöhnern verspürten, da das Volk, das sich damals damit abgäbe, dadurch zu anderer Arbeit und zur Haushaltung ungeschickt und unerfahren gemacht werde, ja, daß es auch dadurch zu allerlei Untugend und Lastern verleitet werde."

Die kurfürstliche Landadministration antwortete darauf: "Sie sei nicht gemeint (gewillt), dero Bergstädten bei jetzigen Läuften diesen ihren eingeführten Erwerb, soviel derer Bürger Weiber, Töchter und deren eigene Dienstmägde betrifft, abzustricken (verwehren), jedoch aber, weil sich dessen viel müßiges Volk in den Städten, auch die Bauern, deren Weiber, Söhne, Töchter, Knechte und Mägde auf dem Lande wider ihren Beruf angemaßt und die Hauswirte hierunter an ihrer Arbeit aus Mangel des Gesindes merklichen Schaden leiden lassen, Churf. Durchl. Dero Amtsunterthanen in Städten und Dörfern bei ernster Strafe auferlegen, daß sich die Männer und deren Söhne sowohl als die Knechte, sie seien Wirte oder Hausgenossen, und dann die Weiber, ihre Töchter und Mägde in Dörfern, so zu dienen tüchtig, dieser Klöppel- und Zwirnarbeit enthalten und dagegen mit anderer ehrlichen Handarbeit ihr Brot und Nahrung suchen sollen. Würden sich aber auf dem Lande Leute finden, welche sich außerhalb ihrer Handtierung nicht unterhalten könnten, auf solchen Fall mögen zwar die Untertanen und Hausgenossen, Weiber und Töchter, eine Zeitlang dabei verbleiben, doch dergestalt, daß eine jede Person, so sich des Klöppelwerks gebraucht (bedient), jährlich 6 gr. und von 80 Stück Zwirn 2 gr 6 pf. auf zwei Fristen, zu Michael und Walpurgis, ins Amt bis auf Widerruf zu Schutzgeld entrichten: worunter Churf. Durchl. in den Amtsstädten der Hausgenossen, Weiber und Töchter, ledige Mannspersonen, auch die, so oftmals etliche Mägdlein auf diese Klöppelarbeit zu sich nehmen, ebenfalls gemeint und verstanden haben wollen." — Im Jahre 1661 wurde nochmals ganz ausdrücklich verboten, "daß Knechte und Mägde, so sonsten bei der Bauer- und Feldarbeit herkommen, sich aufs Wollspinnen, Klöppeln, Strumpfstricken und andere Handtierungen legen, zu Haus innen sitzen, der wohlfeilen Zeit mißbrauchen und alle Feldarbeit meiden."

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 33 v. 12. August 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 127. Jahrgang, Nr. 33, 12. August 1934, S. 1

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