Geognostische Verhältnisse des Annaberger Bergreviers. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Geognostische Verhältnisse des Annaberger Bergreviers.

1929 > 1929-04

Nach einer bergfachmännischen Niederschrift von 1857.

Im Annaberger Bergrevier (Lagebeschreibung s. T. A. W. Nr. 237 vom 10.10.1927) kommen folgende Gesteinsarten vor: Gneis, Granit, Porphyr, Melaphyr und Basalt.

Das Gneisgebiet


ist der größte und wichtigste Teil des Reviers. Der Gneis besteht aber keineswegs in einer völlig gleichartigen Masse, sondern aus verschiedenen Varietäten, von denen man vorzugsweise für das Gneisgebirge des Reviers zwei geologische Hauptglieder angenommen und sie grauen und roten Gneis genannt hat. Diese beiden Farben bilden Kennzeichen, welche am häufigsten und am leichtesten wahrgenommen werden können.

Den grauen Gneis charakterisiert im frischen Zustande ein glasartiger, zum Teil etwas fettig glänzender, weiß, grünlich, grau- bis bläulichweiß, seltener gelblichweiß gefärbter, kleinblättriger oder körniger Feldspat. Der mit ihm verbundene Glimmer ist in frischem Zustande meist schwarzbraun, schwarzgrau bis schwarz und nur ausnahmsweise grünlichgrau. Von ihm unterscheidet man 4 Unterarten.

In dem roten Gneis dagegen herrscht ein weißer, rötlichweißer, gelblichweißer bis fleischroter, selten grünlich- oder graulichweißer Feldspat vor. Der ihn begleitende Glimmer hat eine gelblichweiße, rötlichweiße, silberweiße bis grünlichgraue Farbe, die nur äußerst selten in schwarzbraun oder schwarz übergeht. Es werden zwei Unterarten von ihm unterschieden.

In bergmännischer Hinsicht ist das graue Gneis die wichtigste Gebirgsart für den hiesigen Distrikt, weil in ihm ganz besonders Silber-, Kobalt- und Kupfererz-, in den oberen Teufen auch Zinnerz-Lagerstätten aufsitzen und einen ergiebigen Bergbau gestatten. In der Umgebung Annabergs kann man verschiedene Haldenzüge beobachten, welche sich über Erzgängen befinden, die in diesem Gneis ihr Lager haben.

Der Granit


spielt in dem Gebiete des grauen Gneis im Annaberger Bergrevier eine sehr untergeordnete Rolle, denn wir finden ihn nur auf der Höhe des Schottenberges zwischen Buchholz und Schlettau an der alten Straße, zwischen Kleinrückerswalde und Buchholz auf dem Rücken des Zinnackers rechts von der Bärensteiner Straße und bei Wiesenbad. Sowohl der Granit oberhalb Buchholz als auch der bei Kleinrückerswalde besteht aus kleinkörnigem, rötlichweißem Feldspat, grauweißem Quarz und grünem Glimmer mit hin und wieder eingelagerten Pinitkristallen. Das Gestein bei Wiesenbad wird von fleischrotem Feldspat, grauweißem Quarz und braunem Glimmer gebildet, wobei der Feldspat vorwaltet, der Glimmer bedeutend untergeordnet ist.

Der rote Feldsteinporphyr


findet sich in einem einzigen Gang, dessen östliches Ende in der Nähe des Galgenberges oberhalb Annaberg wahrgenommen wird und der sich von da nach der vorderen Mühle in Buchholz zieht, die Sehma durchsetzt und zwischen Buchholz und dem dortigen Waldschlößchen am linken Gehänge des genannten Flusses weiter hinauf fortgeht. Er besteht in rötlichweißem, gelblichweißem bis fleischrotem Feldstein von grobem Gefüge mit eingestreuten Körnern von Quarz, kleinen Feldspatkristallen und Glimmer.

Der Melaphyr


findet sich vorzugsweise am Schreckenberg in den Grubenfeldern von Markus Röhling als Begleiter des "Heinitz" Flachen, von "Galiläischer Wirtschaft" (hinter dem Schreckenberg) als Begleiter des Saiger Flachen und in der Grube Krönung, ingleichen in dem Altväter-Stollen am Zinnacker. Der Melaphyr besteht hier aus einem feinkörnigen Gemenge von schwarzer, grauer, grüner oder grünlichbrauner Farbe mit Glimmer und Feldspat.

Der Basalt


findet sich nicht bloß in der Gestalt des erhabenen, die Umgebung beherrschenden Pöhlberges, sondern er tritt auch in dem gegenüberliegenden Schreckenberg in der Gestalt der Gänge auf und führt kleine Augitkristalle, schwarzen Glimmer und Flußspat, hin und wieder auch schmale Schnürchen von Gips und Kalkspat. Bei dem Berggebäude Markus Röhling-Fundgrube entdeckte man den Basalt zuerst in einer Teufe von 130 Meter in dem Heinitz Flachen; später zeigte er sich auch 25 Meter höher in einer Mächtigkeit von etwa 30 Meter. In gleicher Weise hat man den Basalt in dem Markus Röhling-Stollen bei Galiläischer Wirtschaft gefunden. Auf der Grube Krönung wird der "Lommers Hoffnung" Flache auf eine Länge von etwa 45 Meter von Basalt begleitet. Außerdem hat man ihn hier noch mit dem Krönung Flachen, mit einem unbenannten Spatgang und mit dem "Julius" Stehenden durchschnitten. Er besteht in diesem Grubenfeld aus kleinen Augitkristallen, Mandeln von Kalkspat und Trümchen von Faserkalk. —

Aus dieser kurzen Darstellung der geognostischen Verhältnisse des Annaberger Bergreviers geht hervor, daß in demselben eine große Mannigfaltigkeit zwar nicht stattfindet, daß es aber nicht an interessanten Vorkommnissen fehlt, wie z. B. die Art und Weise des Auftretens des Basaltes am Schreckenberg.

— cj —


Nr. 4 v. 27. Januar 1929



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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 122. Jahrgang, Nr. 4, 27. Januar 1929, S. 2

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