Die erste Annaberger Gewehrabteilung vom Militärverein Kameradschaft. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die erste Annaberger Gewehrabteilung vom Militärverein Kameradschaft.

1927 > Nr. 8/1927
Als im April 1826 in Neugersdorf (Lausitz) ein armer Veteran aus den Napoleonskriegen starb, fanden sich seine Kameraden zusammen, um ihm das letzte Geleit zu geben, seinen Sarg zu tragen und zu den Begräbniskosten beizusteuern. Nach der Bestattung beschlossen sie, von nun an jedem verstorbenen Kameraden durch Stellen der Träger und Zahlung einer jedesmaligen Umlage ein würdiges Begräbnis zu sichern. Damit war der erste sächsische Militärverein gegründet. Aus gleichem Grunde entstanden in der Folgezeit an vielen Orten gleiche Vereine, die schließlich noch die Unterstützung in Krankheitsfällen aufnahmen und die Pflege der Geselligkeit und der Erinnerung an das ehemalige Militärleben bezweckten.
Gewehrabteilung des Militärvereins Kameradschaft
Obere Reihe: Leicht, Stollberg, Haase, Schellenberger, Schubert, Lötsch, Ickert, Illing. Untere Reihe: Weinhold, Wolf, Häubel, Fröhner, Reichel, Stopp, Schenk, Zahn.
Einen weiteren großen Fortschritt im Ausbau des Vereinszweckes bedeutete die Einrichtung von Sterbekassen, die tatsächlich eine Segenseinrichtung an vielen Orten waren und noch sind. Schließlich erfuhr das Ehrengeleit noch eine recht wichtige Erweiterung, indem nach dem Kriege 1870/71 Gewehrabteilungen gebildet wurden, die dem verstorbenen Kriegsteilnehmer durch Ehrensalven die ihm gebührende Ehre zu erweisen haben. Das Schießen über das Grab verstorbener Veteranen ist beim Deutschen Reichsheere wie auch bei der heutigen Reichswehr eine selbstverständliche Pflicht gewesen, es sollte rein äußerlich ein letztes Dankeszeichen des Vaterlandes für treue schwere Kriegsdienste sein. Für die entlassenen Soldaten haben die Militärvereine die Abtragung dieser letzten Dankesschuld übernommen. Ihnen ist durch Verordnung vom 17. Oktober 1876 das Tragen von Waffen und die Abgabe von Ehrensalven gestattet und damit gewissermaßen übertragen worden.

Als erste dieser Schießabteilungen unserer Stadt entstand im Frühjahr 1874 die des Militärvereins 1866, 1870/71er "Kameradschaft", von der das beifolgende Bild eine Aufnahme aus dem Jahre 1877 zeigt. Gar manches altbekannte Gesicht ist darauf zu entdecken: bis auf einen noch lebenden Altveteranen sind sie alle zur großen Armee abgerufen worden. Kennst du sie noch?

Immer hat es für eine Ehre gegolten, einer Schießabteilung anzugehören, und immer waren es ehrenwerte Mitbürger, die unter Zeit- und Geldopfern darauf bedacht waren, dem dahingegangenen Kameraden die letzten Ehren zu erweisen.

Langjährige Kommandanten dieser Abteilung waren Schnurenfabrikant August Altmann, Eisenhändler August Fröhner, Schnurenfabrikant und Stadtrat, später Kommerzienrat Karl Schmidt, die Posamentiermeister Albert Zahn, Ferdinand Stollberg und Bernhard Stopp, Kaufmann Marcus Rudolph und Fuhrwerksbesitzer Christian Vogel, Steinmetzmeister Otto Hesse und in Nachkriegszeiten Schneidermeister Cornelius Saile und Fransenstöckelwirt Max Herrmann.

G. K., Vorstand H., Abteilungskommandant.

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 8 v. 27. Februar 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 8, 27. Februar 1927, S. 2

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