Grumbach's "Andreas Gegentrum". - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Grumbach's "Andreas Gegentrum".

Es hat stets etwas ungemein Reizvolles für sich, einen Blick in die Tiefen der Erde tun zu dürfen, der vielen anderen Sterblichen gewöhnlich verwehrt ist. Vielleicht ist es das alte Bergmannsblut, das noch in den Adern unserer eingesessenen Bevölkerung rollt, das immer wieder dazu treibt, in die alten Stollen, die unter uns kreuz und quer und dabei doch nach bestimmten Regeln das Urgestein durchziehen, einzudringen. Um so williger werden die Leser des I. E. S. dieser Beschreibung folgen und einmal mit hinabsteigen in den Andreas Gegentrum-Stollen, der erst 1885 zum Erliegen gekommen ist. Die Fahrt in diese seit länger als vierundeinhalb Jahrzehnt stillgewordene Unterwelt ist nicht ohne Gefahr. Zwar zeigt dieser Stollen einen schön gewölbten Bau durch festes Gestein, aber die Stützbalken und die Laufbretter, die über Wasserstellen hinwegführen, sind zermorscht. Teilweise geht es durch Wasser. Eine große Anzahl von Seitengängen verwirrt den Unkundigen. Das Mundloch (Eingang) des Andreas Gegentrum-Stollens befindet sich an dem zwischen Schmalzgrube und Steinbach liegenden Berghange, wo zahlreiche Halden und weitere Mundlöcher Zeugnis davon geben, daß hier einst mit gutem Erfolg geschürft worden ist. Grumbachs Entstehung führt man ja überhaupt auf den Bergbau zurück und nimmt an, daß der Name Grumbach von Grubenbach auf den Ort übertragen worden ist. Das Kirchensiegel von Grumbach führt noch die Embleme des Bergbaues, Fäustel und Schlegel. In Grumbach erzählt man sich, daß der Andreas Gegentrum-Stollen bis unter die Kirche führt. Davon wissen jedoch die Akten des Oberbergbauamtes in Freiberg nichts zu melden. Ein Aktenstück (Sekt. II Nr. 1273) vom Jahre 1782 erzählt uns dafür interessante Einzelheiten. Lassen wir es selbst sprechen:

Generalbefahrungs-Registratura auf den St. Andreaßer Gegentrum zu Grumbach, den 2. Märty 1781.
Belegt mit 1 Steiger und 1 Knecht.

Dieses Gebäude befindet sich am sogenannten Schwarz Wasser oder Preßnitzer Erbfluß und ist auf einem flachstreichenden Gange Stollenweise in Mitternacht getrieben, auch auf solchen Gebäude noch in neueren Zeiten Silber Erz Lieferung geschehen.

Gleich wie aber solches Gebäude bei dem vorherigen siebenjährigen Kriege zum Erliegen gekommen.

Als ist solches im vorigen Jahre vom Schichtmeister Thierfelder hinwiederum aufgenommen und gewältigt worden. Dieser Stolln ist vom Mundloch in der Stund 11—4 angesessen und 9 Lachter (1 Lachter gleich 2 Mtr.) gegen Mitternacht, bis an einen 15 Lr. tiefen Kunstschacht getrieben, in welchem in dem Jahre 1750 einige Silbererze in rothgüldenen, bestehend, eingebrochen. Von da fähret man ferner 2 Lr. bis an einen übersetzenden Morgen Gang und auch solchem 10 Lr. in Morgen bis Barbara stehenden Gange, auf welchem Marienberger Seite Erze gebrochen, dann 50 Lr. auf einen flachstreichenden Gange gegen Mitternacht bis an einen Morgen Gange, welcher in 23 Graden in Abend das Fallen nimmt und zu 12 bis 16 Zoll mächtig, in schwarzlettigen Schieferartigen Gang Art und Kiesen besteht, so zu Schlich gezogen, einige Loth Silber in Centner enthält. Nachdem aber ehedem bey diesem Gebäude auf einem saiger fallenden Trum in dem Kunstschacht, derbes rothgüldenes zu einen halben Zoll mächtig, gebrochen. So hat man auch neuerlich ein Ort 14 Lr. in Abend in der Absicht getrieben, wo man zwar vorgedachtes saigeres Trum, jedoch in einer bloßen Kluft erlanget. Wie nun aber dieser Stolln auf dem ansehnlich ansteigenden Gebürge, der Römische Reicher Zug zu Grumbach vorlieget, welcher ehedem einer der wichtigsten Gruben hiesiges Refiers gewesen und noch gegenwärttig unter vieler Hoffnung gangbar ist und mit ohngefähr 30 Lr. mehrere Auffahren in Mitternacht, unter vorgedachten Römischen Reicher Morgen Gang zu gelangen ist, auch künftig mit diesem Stolln in dem Grumbacher Gebürge gegen 30 bis 40 Lr. mehrerer Teufe unter dem Römisch Reicher Stolln eingebracht werden könnte. Also befindet sich solcher Stolln in gegründeter Bauwürdigkeit, und es wurde
a) dem Schichtmeister die Completirung der Gewerkschaft empfohlen.
b) Die Fortstellung des Stolln Orts approbiret.
Welches ebenfalls anhero nachrichtl. reegistriren sollen, utspr.
Eraßmus Christ. Friedr. Schindler.
Bergschreiber.
H. S.-Grumbach

Mundloch des Andreas Gegentrum-Stollens.
Mundloch des Andreas Gegentrum-Stollens.
Im Innern des Andreas Gegentrum-Stollens.
Im Innern des Andreas Gegentrum-Stollens. Unten sieht man die Stützbalken, auf denen die Laufbretter lagen.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 14, 2. April 1933, S. 1

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