Hermannsdorf und Dörfel im dreißigjährigen Krieg - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Hermannsdorf und Dörfel im dreißigjährigen Krieg

1930 > 1930-30
Die Kirche von Hermannsdorf


Die Kirche von Hermannsdorf vor ihrem Umbau im Jahre 1842

Während der Zeit des dreißigjährigen Krieges haben drei Pfarrer der Gemeinde gedient: Johann Faber aus Weesenstein, Johann Kirchner aus Annaberg und Magister Christian Wolff.

Im Jahre 1639 tauchen in den Kirchenrechnungen Bemerkungen auf, die von Kriegsnöten reden. Von da an bis Kriegsende ist das Kirchspiel Hermannsdorf-Dörfel häufig von Soldaten heimgesucht worden, bald von den Kaiserlichen, bald von den Schweden.

In der Kirchenrechnung von 1639/40 heißt es: „60 Groschen vom Glaser zu Geyer vor die von Soldaten zerschlagenen Fenster auszubessern.“ „Das Scheunenthor zu machen und hin und wieder in der Pfarr und Kirchen auszubessern, was von Soldaten aufgerissen worden.“ „1 Taler, die Ställe, Stuben, Schuppen, Scheune, Böden und Höfe in der Pfarre aufzuräumen, so die schwedischen Soldaten gemachet und alles übel zugerichtet.“ „Das von den Soldaten zerrissene Leichentuch wiederzumachen.“ Diese Bemerkungen geben ein Bild davon, wie die Soldaten damals gehaust haben. Nichts war vor ihnen sicher. Waren die Türen nicht offen, wurden sie zerbrochen, die Fenster eingeschlagen. Die Zäune, die zum Schutze vor dem Wild um Gärten und Felder aufgeführt worden waren, mußten als Brennholz dienen. War der Schaden kaum notdürftigst ausgebessert, kamen neue Zerstörungen hinzu.

Besonders schlimm müssen die Soldaten wieder in der Zeit 1641/42 gehaust haben. Da heißt es: „Dem Glaser in St. Annaberg für Fenster in der Pfarre auszubessern, welche die soldaten zerschlagen haben.“ „Von der Treppe in der Schule zu machen, welche die Soldaten verbrannt haben.“ „Simon Grauben, dem sein Haus die Soldaten angezündet und weggebrannt, Zinß erlassen worden auf 2 Jahre.“ „Die Pfort an der Pfarr, so die Soldaten zerschlagen wieder zusammenzusetzen.“

Nun folgen ein Jahr nach dem andern immer wieder Schäden, die durch die Soldaten angerichtet worden sind. Nicht ein Jahr mehr, daß Hermannsdorf von Soldaten verschont geblieben wäre. 1642/43: „Fenster in der Schule anzurichten, so von Soldaten zerschlagen wurden. Item ein schloß anzurichten in der Schulkammer.“ - 1643/44: „Den im Badstüblein von Soldaten eingeworfenen Ofen von newen zu setzen. Für 2 Blatten schlößer, so die Soldaten abgebrochen und in der Schleten verkauft, wieder auszulößen.“ Wo kein Bargeld vorhanden war, halfen sich die Soldaten damit, daß sie Sachwerte mitnahmen und dann verkauften.

Besonders interessant ist eine Notiz vom Jahre 1644/45, die zeigt, wie gefürchtet die Schweden waren, so daß man auf die bloße Kunde von ihrer Annäherung alle Vorsichtsmaßregeln ergriff. Da heißt es: „einem Boten 2 Grosch 6 Pf. den Kirchenornat und Altarleuchter auf Annaberg zu tragen, als das Geschrey von der Schwedischen Ankunft erschollen, und danach wieder heraus zu führen.“ - Kurz vorher waren die Kaiserlichen dagewesen und hatten unter anderem wieder die Fenster zerschlagen. Daß aber die Furcht vor den schweden nicht unbegründet war, beweisen folgende Notizen: „Die Pfarrwohnung und Hof nach dem schwedischen Marsch (Abmarsch) zu räumen, so von Feindesvolk sehr übel zugerichtet gewesen. 15 Schock Stöcker zu hauen zum Dorffzaun, welchen die Soldaten verbrannt.“

Im folgenden Jahre waren die Schweden wieder da. Da heißt es unter anderem: „Fenster auszubessern, so von Soldaten zerschlagen. Den Dorffzaun, so von Soldaten verbrannt, aufzusetzen. Zum Zaun, welchen die schwedischen Soldaten verbrandt haben, uffn Pfarrerbe, darauf die ganze Artollerey vonn der Häuptarmee 2 Tage undt Nacht gestanden ist, den 5. und 6. Februarii 1646.“ Das mag ein buntes Bild gewesen sein, wie da auf den Pfarrfeldern die Geschütze, Feldschlangen, Kartaunen und wie sie alle heißen gestanden haben. In der Nacht loderten die Wachtfeuer, zu denen die Zäune das Brennholz liefern mußten. Der Dorfjugend hat's gewiß gefallen, aber die Alten werden mit Bangen zugesehen haben, wie die fremden Pferde in ihre Ställe geführt und das eigene Vieh hinausgejagt wurde, wie ihre Heu- und Hafervorräte den Soldatenpferden zugute kamen. Die letzte Nachricht stammt aus der Rechnung von 1647/48, wo erwähnt wird: „2 Fenster in der Schule, von Soldaten zerschlagen, Pfarr- und Schulzaun, so von Soldaten verbrandt worden.“

Damit scheinen die Leidensjahre endgültig vorüber gewesen zu sein; denn 1648 brachte ja den Frieden!

Die Kirchenbücher sind für Nachrichten aus der Kriegszeit weit weniger ergiebig.

Im Jahre 1626 erscheint zum ersten Male während des 30jährigen Krieges hinter dem Namen eines Verstorbenen das Wörtchen „peste“.

Die Pest, der „schwarze Tod“, wie man auch sagt, war eine furchtbare Seuche, die die davon Befallenen meist in kurzer Zeit wegraffte. Der erste Pesttote des Jahres 1632 hat die Seuche eingeschleppt. In der Zeit vom 6. September bis 15. November 1632 verstarben in Dörfel – Hermannsdorf blieb diesmal verschont – 21 Personen. Im September des folgenden Jahres entstand eine neue Pestepidemie, die mehr Opfer forderte. Sie brach in der Familie eines Daniel Marggraf aus Beierfeld aus. Die Pest erforderte im ganzen vom 23. September 1633 bis 25. Januar 1634 43 Opfer. Im Jahre 1639 sind 67 Tote zu verzeichnen. 1640 aber beträgt die Zahl der Verstorbenen gar 123, wovon allein 82 innerhalb vier Monaten Opfer der Pest sind. Vor allem hat die Seuche unter den jungen Frauen viele Opfer erfordert.

Wir begegnen in den Kirchenbüchern nur noch einmal einer spur aus dem großen Kriege, und zwar unter dem 24. September 1647. Da heißt es im Sterberegister „Christoph Göbel von Großglogaw ein Soldat unter dem königsmärckischen Leibregiment mit Trompetenschall und Losbrennung der Pistolen uf Soldaten Manier begraben worden, gleich als der Aufbruch sollt geschenen deß linken Flügels von der schwedischen Cavalery, so zween Tag und nacht war zu Hermannsdorff gestanden. NB.: Sonst sind noch wol 12 Personen von Schwedischen Soldaten theils Kinder, theils erwachsenen diese beyden Tage ufn Hermsdorfischen Gottesacker begraben worden.“

Der erste Verstorbene aber im folgenden Jahre, das den langersehnten Frieden nach dreißigjähriger Kriegsnot brachte, war am 10. Januar „Herr Johannes Kirchner, Pastor“. 25 Jahre lang hatte er der Gemeinde gedient, hatte Kriegsleid, Plünderung, Pest und alle Nöte dieser Zeit mit seiner Gemeinde geteilt, die Pest hatte ihn verschont. Er sollte den Frieden nicht lange überleben.

iy.


Nr. 30 v. 20. Juli 1930

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