Kinderlachen. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

Direkt zum Seiteninhalt
Menü

Kinderlachen.

1927 > Nr. 13/1927
Von Else Märkel-Schmidt-Hermannsdorf (Erzgeb.)

Ich sitze und schreibe.

Und da trillert es zu mir herauf, es trillert und girrt wie ein Vögelchen, es fliegt hinauf und herunter, es girrt und trillert leise und laut, schelmisch und lustig, langgezogen und traurig, und es bricht wieder hell heraus, daß es ein Jubilieren und Jauchzen ist.

Ich kann dabei nicht schreiben!

Ich lausche mit vorgebeugtem Kopf auf die Töne, die da wie ein silbernes Glöckchen aus Kindermund klingen, und dessen Klang ein Zauberglockenklang ist.

Und das silberne Glöckchen läutet und klirrt um das Haus — und ich kann dabei nicht schreiben!

Ich weiß — es ist der Sausewind mit den blonden Haaren und den Vergißmeinnichtaugen, dem frechen Näschen und den samtenen Wangen. Es ist der Sausewind, der immer lacht und trillert und girrt, und dessen silbernes Glöckchen mich früh aus dem Schlaf holt, es ist der kleine blonde Sausewind, der meine Bücher "Elefanten" nennt, weil sie so groß und grau sich auftürmen, und der mir niemals Ruhe läßt.

Und ich kann heute nicht schreiben!

Ich will heute jung sein, und ich will meinen Wildfang auf meinen Schoß setzen und das silberne Glöckchen bewundern, das da drin hängt in der kleinen, weichen schmalen Kinderbrust, und das da so selig, glücklich in die Welt läutet.

Und das Glöckchen in meines Kindes Seele hat noch keinen Riß und keinen Fleck, es ist noch rein, und deshalb betört mich ja der feine Klang und — läßt mich nicht schreiben! Oder tat ich es doch?

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 13 v. 3. April 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 13, 3. April 1927, S. 5

Zurück zum Seiteninhalt