50 Jahre Lang's Schwimm- und Badeanstalt Geyersdorf i. Erzg. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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50 Jahre Lang's Schwimm- und Badeanstalt Geyersdorf i. Erzg.

1934 > 1934-35
Langs Badeanstalt in Geyersdorf
Langs Badeanstalt.
In diesem Jahre ist es 50 Jahre her, daß das bekannte Lang'sche Bad in Geyersdorf eingeweiht wurde. Das Bad war das erste Freibad im ganzen Obererzgebirge, es wurde von Badelustigen aus Annabergs engerer und weiterer Umgebung besucht, darüber hinaus kamen aber auch aus weiter entfernten Orten, Schwarzenberg, Aue, Chemnitz usw. Besucher des Bades. Das Freiluftbaden war damals noch etwas ganz Ungewöhnliches, das sich erst langsam Bahn brechen mußte. Die Entstehungsgeschichte des Bades ist deshalb besonders interessant. Der Besitzer des sogenannten Jägergutes in Geyersdorf, Louis Lang, nahm 1857 den auch 1857 geborenen, späteren Besitzer des Bades und Pächter des Restaurants Karl Julius Rebentisch, als Pflegesohn auf. Er beschäftigte ihn in seinen Jugendjahren auf dem Gut und wollte ihm, als der Pflegesohn heranwuchs, ein Fortkommen schaffen. Als er sah, daß in einem zu seinem Gute gehörenden Teich gern gebadet wurde, entschloß er sich, ein richtiges Schwimmbad zu bauen, zumal ihm auch von verschiedenen Seiten warm zugeredet wurde. Im Laufe von mehreren Jahren wurde auf dem jetzigen, damals zum Jägergut gehörenden Grundstück das Bad fertiggestellt und von dem Pflegesohn, der selbst tüchtig mitgebaut hatte, übernommen. Im Laufe der Jahre entwickelte sich ein reger Badebetrieb, besonders für die Jugend war es immer ein Ereignis, zum "Lang baden" zu gehen, aber auch bei den Erwachsenen bürgerte sich das Freibaden immer mehr ein. Ein eifriger Förderer des Bades war Studienrat Koch vom Annaberger Lehrerseminar, der seine Seminaristen fleißig in das Schwimmbad gehen hieß, was für diese ohne Kosten war. 1895 mußte ein zweites Becken gebaut werden, weil das eine für den regen Badebetrieb nicht mehr ausreichte. Am 17. August 1924 widmete der Schwimmverein 1922 zu Geyersdorf dem Badbesitzer, der schon 1882 das bekannte Lang's Restaurant von seinem Pflegevater in Pacht genommen hatte und sich einer großen Wertschätzung erfreute, ein Ehrendiplom "für seine erfolgreiche Tätigkeit in der Ausbildung und Pflege des Schwimmsports". Als 1930 Karl Julius Rebentisch starb, konnte ihm das Verdienst nachgerühmt werden, ein Bahnbrecher des für die Heranbildung eines starken Geschlechts so wichtigen Schwimmsportes im Obererzgebirge gewesen zu sein und diesem im vergangenen Jahrhundert vielfach nach verschmähten Sport zur Anerkennung und Würdigung verholfen zu haben. Nach seinem Tode übernahm der Sohn des Verstorbenen, dessen Witwe heute im 75. Lebensjahr steht, Richard Rebentisch, Bad und Restaurant und führt beides bis heute fort. Wir bringen ihm zu dem 50jährigen Bestehen des im ganzen Obererzgebirge bekannten Bades unsere herzlichsten Glückwünsche.
"Glück auf!"

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 35 v. 26. August 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 127. Jahrgang, Nr. 35, 26. August 1934, S. 5

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