Der Lauf der Sehma wird reguliert! - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Der Lauf der Sehma wird reguliert!

1934 > 1934-46
Der Flußlauf der Sehma hatte bisher nur geringe Tiefe, seine Breite wechselte überaus stark, und auch die häufigen Windungen trugen dazu bei, daß schon Hochwässer geringeren Ausmaßes starke Überschwemmungen verursachen konnten. Für die Wiesenflächen und Gebäude der unmittelbaren Anlieger entstand jedesmal beträchtlicher Schaden, und hierdurch erlitt auch das Volksvermögen unnötige und vermeidbare Verluste.
Sehmaregulierung in Sehma
Stand der Arbeiten in Sehma.
Links: Blick nach der ehemaligen Gasanstalt. Rechts: Blick von der gleichen Stelle nach der anderen Seite. (T.A.W.-Photodienst)
Sehmaregulierung in Cranzahl
Auch in Cranzahl wird rüstig geschafft.
Links: Blick nach der Göbelfabrik. Rechts: Blick von der gleichen Stelle aus nach dem Gasthof am Habichtsberg. (T.A.W.-Photodienst.)
Auf Sehmaer Flur bildete der infolge von Einleitungen von Wirtschafts- und Industrieabwässern stark beschmutzte Flußlauf während der Niedrigwasserperiode im Sommer eine starke Geruichsbelästigung, da sich das Wasser in Tümpeln und Ausbuchtungen des wilden Flußlaufes ansammelte. Um weitere Schäden und Mißstände zu vermeiden, ist daher die Regulierung des Sehmalaufes in Angriff genommen worden. Nach Anlegung einer durchweg gepflasterten Niedrigwasserrinne im neuen Flußquerschnitt bei Sehma (siehe Bild) können durch das infolge der Geradelegung entstandene größere Gefälle nun auch geringe Wassermassen ungehindert Abfluß finden. Zur Vermeidung von Anstauungen bei Hochwaser sind in Sehma zwei feste Wehre durch bewegliche Wehre ersetzt worden, die sich bei Eintreten einer Hochwasserwelle selbsttätig umlegen, um nach deren Vorübergehen sich ebenso selbsttätig wieder aufzurichten.

Die Kosten für das Bauvorhaben belaufen sich auf 150 000 RM. Zwei Drittel dieser Summe werden durch Darlehensmittel der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt aufgebracht. Das restliche Drittel wird gedeckt durch Grundförderungsbeiträge des Arbeitsamtes. Die Finanzierung des Baues erfolgt im Rahmen des Sofortprogramms der Reichsregierung.

Träger des gesamten Bauvorhabens und damit Bauherr ist die Gemeinde Cranzahl. Die Bauleitung, Kassen- und Rechnungsführung ist dem staatlichen Straßen- und Wasserbauamt Annaberg übertragen worden.

Es ist zu begrüßen, daß durch das Bauvorhaben der Arbeitsmarkt der beteiligten Gemeinden weitgehende Entlastung findet. Die insgesamt entstehenden Tagewerke sind auf 18 000 geschätzt und die Zahl der hierbei beschäftigten Leute betrug Mitte des Jahres rund 120 Mann. Zur Zeit werden noch 70 bis 80 Arbeiter beschäftigt.

Sachsen ist durch seine starke Industrialisierung ganz besonders von Arbeitslosigkeit heimgesucht worden. Es ist deshalb erfreulich, wenn in das am stärksten notleidende Gebiet Sachsens, in das Erzgebirge, durch solche Bauvorhaben der Reichsregierung wieder Arbeitsmöglichkeiten geschafft werden, denn die Not im Grenzlande ist groß und bedarf Abhilfe.
—se.

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 46 v. 11. November 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 128. Jahrgang, Nr. 46, 11. November 1934, S. 1

Start | 1926 | 1927 | 1928 | 1929 | 1930 | 1931 | 1932 | 1933 | 1934 | 1935 | 1936 | 1937 | 1938 | 1939 | 1940 | 1941 | Datenschutzerklärung | Impressum | Sitemap
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü