Ein Modell des Frohnauer Hammers - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Ein Modell des Frohnauer Hammers

(Die Zahlen, denen ein M. vorgesetzt ist, geben deie Größen des Modelles, die, denen ein N. vorgestellt ist, die natürliche Größe an.)
Modell des Frohnauer Hammers

Von Künstlerhand entstand im vergangenen Monat das wunderbar gearbeitete Modell des Frohnauer Hammers, welches unser Bild veranschaulicht. In verblüffender Naturtreue ist das gesamte über 400jährige Bauwerk mit allen seinen Einzelheiten im Maßstabe 1:25 nachgebildet. Die Gesamtbodenfläche beträgt 76x92 cm, die Höhe 78 cm. Das Gewicht macht 42 kg aus. Es zeigt sie vier Außenseiten, von denen zwei im diagonalen Querschnitt weggenommen werden können, um den Blick in das Innere freizugeben.

Durch dieses Modell tritt ein Umstand besonders hervor, welcher gewöhnlich kaum Beachtung findet: die im Laufe der vier Jahrhunderte erfolgte Hebung des Straßenniveaus um über 2 Meter.

Der Eingang zum Hammerwerk befindet sich jetzt, wie uns allen bekannt ist und wie er auch im Modell dargestellt ist, links seitlich. Er ging früher durch einen Rundbogen, der beim Anwachsen der Straße zugemauert wurde, direkt nach der Straße. Der Rundbogen ist im Mauerwerk noch zu erkennen, ebenso zwei Fenster nach der Straßenseite, die später zugemauert worden sind. Nun erklärt es sich auch, warum der Fußboden des großen Hammerwerkraumes heute 2,10 Meter unter dem Straßenspiegel liegt.

Die Rückwand des Modelles (auf unserem Bilde nicht zu sehen) enthält, im Verhältnis auf den Millimeter stimmend, den hochgebauten Fluder (M. 1,75 cm breit, N. 7 cm), in welchem sich drei aufziehbare Schützen (Wasserklappen) befinden, welche das Wasser auf die oberschlechtigen Wasserräder stürzen lassen und diese so in Betrieb setzen. Das Modell zeigt den Hammer mit 3 Wasserrädern. Das große Wasserrad hat einen Durchmesser von 2,88 m und ist 1,60  breit (M. 11,3 und 6,4 cm). Heute sind nur noch zwei vorhanden. Das dritte Wasserrad ist im Laufe der Zeit zerfault und zerfallen. Auf sein Vorhandensein deuten heute nur noch Bruchstücke und ein großer Schleifstein hin, zu dessen Antrieb es einst diente.

Wie in der Wirklichkeit sehen wir in der Nachbildung das Arbeiten der erst vor Jahren erneuerten 10 Meter langen Welle (M 50 cm lang, 2 cm stark), welche durch die mit Zähnen versehenen Ringe die drei Hämmer, den großen (Stiel 3,50 m, M. 28 cm), langsam laufenden, den mittleren und den kleinen, schnellaufenden, in Betrieb setzen. Die Welle ist, wie in der Natur, auf Steinen freigelagert. Ihr gleichmäßiges Arbeiten wird durch den etwa in der Mitte befindlichen verstellbaren Schleifbalken, auf welchem der metallbeschlagene Schleifring (N. 30 cm, M. 3,4 cm) läuft, gewährleistet. Je nach der vorhandenen Wasserstärke wird vom Arbeitsplatz des Hammerschmiedes die auf das Wasserrad fallende Wassermenge durch eine ganz primitive, aber wirksame Hebelvorrichtung reguliert. Die Welle setzt auch die hölzernen Blasebälge in Bewegung. Der größere derselben ist 2,80 m (M. 11,6 cm) und der kleinere 2,30 m (M. 9,2 cm) lang. Die Blasebälge bedienen zwei Feuerungen, die 1,20 m (M. 4,8 cm) hoch und 1,85 m (M. 7,4 cm) breit, resp. 1,06 m (M. 4,2 cm) hoch und 1,30 m (M. 5,2 cm) breit sind. Alles dies kann man im Modell — und dort noch besser als in der Natur — beobachten, weil das Auge gleichzeitig innen und außen sein kann. Das Modell arbeitet in seinen beweglichen Teilen ebenfalls peinlich genau und es ist eine wahre Freude, dem Ineinandergreifen aller Einzelheiten und ihrem Funktionieren zuzusehen.

Friedrich Voigt-Buchholz, welcher das Kunstwerk im Auftrage und für das Deutsche Museum in München schuf, wo schon ein von ihm gearbeitetes Modell des Hammers mit dem Herrenhaus steht, hat in rund drei Wochen die ganze Arbeit geleistet, die vollste Anerkennung verdient. Besonders hervorgehoben werden muß die stabilde Bauart seines Modelles und auch die naturgetreue Bemalung. Alle Balken, in Stärke und Anordnung der Wirklichkeit entsprechend, sind verzapft und geben so dem hohen luftigen Dach, welches auch ein naturwahr wirkendes Schindeldach mit den historischen Wetterfahnen trägt, festen Halt. Es fehlt weder der morsche Bretterbelag des obersten Bodens, der gar nicht mehr betreten werden kann, noch das Handwerkszeug, Zangen usw. Als Bruchstück ist auch ein Mauerrest mit modelliert, welcher wahrscheinlich die Reste der ehemaligen Schmelzhütte darstellt, über deren Bestehen jedoch keine näheren Unterlagen vorhanden sind.

Um den Wert einer derart peinlichen Arbeit richtig beurteilen zu können, muß man wissen, daß sein Verfertiger alle Maße in mehrtägiger Arbeit am Original nehmen und sich für sein Modell einen richtigen Bauplan entwerfen mußte. So wird denn auch die Arbeit Voigts im Deutschen Museum in München, wohin sie bereits abgegangen ist, die Aufmerksamkeit auf sich lenken und historischen Wert behalten.


Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 50 v. 12. Dezember 1926


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 50, 12. Dezember 1926, S. 8

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