Ein Mönchs-Testament vom Jahre 1508. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Ein Mönchs-Testament vom Jahre 1508.

1927 > Nr. 14/1927
Der Annaberger Franziskanermönch Hans Feyerlein errichtete im Jahre 1508 folgendes Testament:

"Im Namen des Herrn Christi, Amen. Nachdem dem Menschen nichts gewisser ist als der Tod, und nichts ungewisser als Zeit und Stunde des Todes, und dieweil der Leichnam und Körper in Gesundheit ist, und die Gedanken voller Vernunft: Hab ich Hans Feyerlein angesehen die obenbemeldeten Ursachen und betrachte die Furcht desselben Todes, die grausame Pein der Hölle, begehrend die Freude des ewigen Paradieses mit samt allen Gottes Heiligen, hab ich mit wohlbedachtem Mut, mit züchtigem Rat und vollem Gedächtnis, vollem Gebrauch des Leibes und der Sinne, Witz und Vernunft ganz und völliger Sprache, da ich das rechttun möchte, zur Kirche und auf Straße konnte wandern und am Orten und Stellen, da solches Kraft hat, haben soll und mag, mein geschrieben Testament und letzten Willen wie hier nachfolget geordnet, getan und gemacht. — Zum ersten bescheide ich meine Seele inniglich, wenn ich von dieser Welt scheide, dem allmächtigen Gott Vater, Sohn und heiligen Geist, der gebenedeieten hochgelobten Jungfrau Maria, meinem heiligen Zwölf-Boten Sankt Andrea und allem himmlischen Heer. — Zum andern Mal bescheide ich meinen sterblichen Leichnam der Erben zu begraben nach christlicher Ordnung. In das Kloster zu St. Franzisko auf St. Annenberg: von meinen Gütern bescheide ich dem Kloster, nämlich 10 fl., an Silber 8 Scheermesser, 4 messingne Becken, die besten 2 messingnen Kannen, 1 Blase, 1 Bett, 2 Wassersteine, den Schleifstein, 1 Salbenbüchse. — Meinem Beichtvater, mit Namen Herr Heinrich Kögeler, 5 fl. zu einer Kappe. — Meinem Vater Hans Feyerlein 20 fl. — Item in die Bruderschaft St. Annen 1 Gulden. — Item in die Bruderschaft St. Jacob 1 fl. — Item in die Bruderschaft des Rosenkranz 1 fl. — In die Bruderschaft St. Wolfgangs das Kloster 1 fl. — Item Katharinen der Köchin 10 fl. und 8 messingne Becken, 1 Kanne, 2 Betten und anderes Gerülle, ob es gesucht oder ungesucht sei, 1 Blase und das alles als ihren verdiensten Lohn, und das reiche man ihr ohne allen Einspruch, ist mein letzter Wille. Item die 2 Kuxe auf St. Vincentius der Köchin. — Item 6 fl. an Schuld Hans zu reichen in das Kloster. — Item Jorge Graff 30 gr. in das Kloster. —

Da man schreibt nach Christi Geburt 1508. Ich, Bruder Heinrich, Barfüßerordens, habe geschrieben diesen Brief auf den Mund Hans Feyerlein, und bekenne das öffentlich mit meinem Bruder Philipp Zölb, daß das ist gewesen sein letzter Wille."
—m.

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 14 v. 10. April 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 14, 10. April 1927, S. 5

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