Die Namen des Erzgebirges. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die Namen des Erzgebirges.

1934 > 1934-38
Den Namen des Erzgebirges und ihrer Geschichte hat seinerzeit (1868) der Dresdner Advokat Gautsch im "Archiv für die sächsische Geschichte" eine viele Seiten lange Abhandlung gewidmet. Die wichtigsten Angaben daraus, dürften unsere Leser wohl interessieren.

Die ersten griechischen und römischen Schriftsteller, die uns von Deutschland Kunde geben, berichten von einem herkynischen Waldgebirge, das ganz Germanien von den Donauquellen bis zur Weichsel quer durchschneidet.

Später unterschied der Geograph Ptolemäus sechs Hauptgebirge im Inneren Deutschlands, und es besteht wohl kein Zweifel, daß unter dem von ihm zuerst genannten Sudeta-Gebirge das Erzgebirge zu verstehen sei. Autoritäten wie Grimm halten das Wort seiner Endsilbe "eta" wegen für keltischen Ursprungs.

Danach vergingen Jahrhunderte, ehe wir wieder etwas über unser engeres Vaterland erfahren. Im Jahre 805 schickte Karl der Große seinen Sohn Karl mit einem großen Heer ostwärts, das über Fergunna nach Canburg (Kaden in Böhmen) zog und es belagerte. Mit diesem Wort ist eine mit Föhren bewachsene Landschaft bezeichnet. Also ein Waldgebirge. Das Wort "Fergunna", das nordgermanischen Dialekten entsprungen zu sein scheint, läßt auf ein hohes Alters dieses ersten urkundlich nachweisbaren Namens des Erzgebirges schließen.

In einer Urkunde Kaiser Ottos III. vom Jahre 996 wird nur gesagt, daß die Grenze der beiden Gaue "Behem und Nisinen" (Meißen) über die Elbe hinweg durch den Wald bis zum Ursprung der Mulde reiche. Diese allgemeine Bezeichnung "Wald" für das ganze Gebirge war damals und noch lange im Gebrauch. Doch schon vorher (974) schenkte Kaiser Otto I. dem Stifte Merseburg einen Wald zwischen der Mulde und der Saale, welcher "Miriquido" genannt wurde. Später (1004) berichtet Thietmar von Merseburg, daß der Herzog Boleslav von Böhmen im Walde "Miriquidi" einen Berg mit Bogenschützen besetzt habe. Daß damit das Erzgebirge gemeint war, ergibt sich aus dem weiteren Inhalt dieser beiden und auch noch späterer Quellen. Auch dieser zweite besondere Name des Erzgebirges ist rein deutschen Ursprungs. Mirk bedeutet "dunkel", witu "Holz"; also wieder Nadelwald. — In den darauf folgenden Jahrhunderten wurde des Erzgebirges nicht viel gedacht; sein Anbau schritt sehr langsam vorwärts und große geschichtliche Ereignisse spielten sich hier nicht ab. Aus der Zeit Albrechts des Beherzten (gest. 1500) ist eine Bestimmung bekannt, daß dessen Wagenführer dann Verpflegung zu beanspruchen hatte, wenn er über den böhmischen Wald komme. An den heutigen Böhmerwald ist dabei nicht zu denken, vielmehr hieß das Erzgebirge damals "der böhmische Wald". Dieser Name war auch im 16. Jahrhundert noch gebräuchlich. Noch der Joachimstaler Pfarrer Matthesius in seiner 1562 geschriebenen "Sarepta" und ebenso Albinus in seiner "Meißnischen Land- und Bergchronik", worin er sich hauptsächlich mit dem Erzgebirge beschäftigt, nennen es nur das böhmische Gebirge; ersterer bei der Erzählung der Entdeckung des Freiberger Bergwerks, letzterer bei der Erwähnung von Chemnitz. "Die Schneebergische oder Zwickauer Mulde hat (nach Albinus) ihren Ursprung am behmischen Gebirg, welches ans Voigtland bstößt."

Nur ganz vereinzelt taucht bei Albinus auch schon die Bezeichnung "Erzgebirge" auf, doch immer nur in der Mehrzahl: "die Meißnischen Ertzgebirge". Das läßt die Annahme zu, daß nicht der ganze Gebirgszug gemeint war, sondern die einzelnen Stellen, an denen sich Erzgruben befanden.

In Lehmanns 1699 gedruckten aber schon viel früher geschriebenen "Schauplatz des Obererzgebirges" kommt der Gesamtname des ganzen Gebirgszugs zum ersten Male sowohl im Titel wie im Texte zum Vorschein. Noch deutlicher 1714 in Junkers Geographie in den Namen des "Gebirgskreises" oder "des Erzgebirges". Seitdem ist die Bezeichnung "Erzgebirge" völlig eingebürgert.

Erwähnt sei noch, daß früher gelegentlich an die Möglichkeit gedacht wurde, diese Bezeichnung nicht von dem Erzreichtum des Gebirges abzuleiten, sondern von "Erz" in dem Sinne, daß es die Bedeutung des Wortes Gebirges steigerte. Daß der Name Erzgebirge, also die Bedeutung großes oder Hauptgebirge haben könnte, wie in Erzengel und dergleichen. Doch im Ernste wird das keinen Glauben finden.
J. Kl.

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 38 v. 16. September 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 128. Jahrgang, Nr. 38, 16. September 1934, S. 1

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