Die Geschichte der Orgel der Martin-Luther-Kirche in Annaberg-Kleinrückerswalde. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die Geschichte der Orgel der Martin-Luther-Kirche in Annaberg-Kleinrückerswalde.

Von Paul Bach.

(Schluß.)

Diese Orgel trägt heute noch seine Kriegsspuren an sich; denn die 45 zinnernen Orgelprospektpfeifen wurden 1917 zu dem großen Weltkriege beordert, um in anderer Form zum Siege mitzuhelfen. Sie wurden am 11. Juli 1917 von der Firma Hoforgelbauer Gebrüder Jehmlich-Dresden abgebaut und am 12. Juli 1917 an die Ablieferungsstelle Annaberg (Bahlhaus am Markt) abgegeben. Durch den Abbau ging der Orgel der Principal 8' im Manual verloren, ein schwerer Verlust. Das Gewicht der Orgelprospektpfeifen betrug 28,25 Kilogramm und der Uebernahmepreis 282 Mk. einschließlich 17 Mk. Zinsen. Die Ausbaukosten betrugen 49,35 Mk. Die freien Stellen der 3 Felder wurden durch einen grauen Futterstoff geschickt verdeckt. Dieser Faltenwurf, durch Frau Kantor Bach gefertigt, macht den Eindruck von Orgelpfeifen und wirkt gefällig.

Ansicht der jetzigen Orgel.
Orgel in der Kirche Kleinrückerswalde
(Photo: Hacker-Annaberg)
Ueber die Kantoren bez. Organisten die anfangs zugleich Küster waren, ist bis zu Anfang des 18. Jahrhunderts wenig bekannt. Seit dieser Zeit sind folgende tätig gewesen:
  1. Christoph Barth aus Annaberg, besuchte mehrere Jahre die lateinische Schule in Annaberg, war viele Jahre lang hier tätig und hatte in seinem hohen Alter 2 Substituten, Kreher und Gärtner.
  2. Johann Gottlieb Gärtner, geboren 1838 in Wiesa, besuchte seit 1751 die lateinische Schule zu Annaberg, wurde 1757 Substitut (Vertreter) und nach dem Tode seines Seniors Kantor und Lehrer hier. 1769 kam er als Kantor nach Zöblitz. Verstorben ist er als Kantor von Bitterfeld, wo er sich als Komponist vieler Kirchenkantaten bekannt gemacht hat.
  3. Karl Christoph Vogel (1769 bis 1804), geboren 1747 in Cranzahl. Er wurde 1761 auf die lateinische Schule zu Annaberg gebracht und kam von hier aus 1769 nach Kleinrückerswalde. Nach 35jähriger Amtsführung starb er 1804 hier.
  4. Karl Gottlob Flemming (1804—1812). Er wurde 1774 in Cranzahl geboren und bezog 1789 die Annaberger lateinische Schule. Vom Jahre 1802 ab unterstützte er seinen Vorgänger und wurde nach dessen Tode sein Nachfolger. Im Jahre 1812 wurde er nach seinem Geburtsort Cranzahl versetzt, amtierte dort bis 1835. Er lebte dann auf dem Rittergut Förstel bei Schwarzenberg.
  5. Karl Heinrich Gündel (1813—1828), 1772 zu Schneeberg geboren und besuchte von 1783 an einige Jahre die lateinische Schule zu Annaberg. Dann lernte er als Buchdrucker in Zwickau und nach 2 Jahren ging er zur Nadlerprofession über. Nach der Rückkehr von der Wanderschaft wurde er zu Schwarzenberg ansässig und zog später nach Buchholz, wo er nebenbei mit Unterrichtsstunden beschäftigt war. Nach dem Abgange Flemmings aus Kleinrückerswalde vikarierte Gündel daselbst während der Vakanzzeit und erhielt nach abgelegter Probe im Mai 1813 die Stelle, die er bis zu seinem Tode, am 7. April 1828, mit Erfolg verwaltete.
  6. Johann Gottlieb Riehmer (1828—1869). Er wurde 1799 zu Niederröderau bei Radeburg geboren. Durch Kantor Marschler in Tharandt zum Lehrer ausgebildet, verwaltete er seit 1819 mehrere Lehrerstellen, bis er am 8. Dezember 1828 als Kirchschullehrer angestellt wurde. Im Jahre 1869 trat er in den Ruhestand.
  7. Ernst Wilhelm Straußinsky (1869—1898). Er wurde 1838 in Niederzschärnewitz bei Döbeln geboren und erhielt seine Ausbildung 1853—1859 im Seminar Freiberg-Nossen. Er wirkte als Hilfslehrer in Nossen und seit 1861 als ständiger Lehrer in Präbschütz bei Döbeln. Am 1. Juli 1869 erfolgte seine Anstellung als Kirchschul- und dirigierender Lehrer. Während seiner Amtstätigkeit wurde ihm der Kantortitel verliehen. Er starb am 26. März 1898 in Kleinrückerswalde.
  8. Paul Reimar Bach, seit 15. August 1898 als Kirchschul- und dirigierender Lehrer in Kleinrückerswalde. Er wurde 1868 in Cranzahl geboren, besuchte von 1884—1890 das Seminar in Annaberg, wurde 1890 Hilfslehrer in Geyersdorf und am 2.1.1893 ständiger Lehrer daselbst. Im Jahre 1915 wurde ihm der Kantortitel verliehen.

Unsere Orgel hat nun ein Alter von 60 Jahren und dieses Alter macht sich auch öfters bemerkbar. Dazu kommt der Verlust der Orgelprospektpfeifen und dadurch der des so wichtigen Principals. Auch ist das Werk ein sehr veraltetes System. Es ist schon längst der Wunsch der Kirchgemeinde, eine neue Orgel für unser trautes Kirchlein zu beschaffen. Um nun einen Grundstock hierzu zu legen veranstaltet die Kantoreigesellschaft am 2. Advent dieses Jahres ein Kirchenkonzert.


Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 49 v. 5. Dezember 1926


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 49, 5. Dezember 1926, S. 6

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