Aus der Ortsgeschichte der alten Bergstadt Geyer. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Aus der Ortsgeschichte der alten Bergstadt Geyer.

(Schluß.)

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts ließ ein Geistlicher zu Geyer eine besondere Schrift drucken, die kurze Lebensbeschreibungen der im 16. Jahrhundert vorhandenen Geistlichen enthält. U. a. sind folgende Geistliche aufgezählt: Nicolaus Kropfstein, Nicolaus Behme oder Bohemus, Wolfgang Jünger, Simon Vogel Avicula, Elias Lüttich, Valentin Mecher.

1667 wütete eine Feuersbrunst in Geyer. Ein armer Schmied, so wird erzählt, hatte in seine gemietete Wohnung Kohlen gebracht, die sich während der Nacht entzündeten. Etliche Häuser wurden in Asche gelegt.

Die Kriege und Durchmärsche, die in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts verheerend über das damalige Kurfürstentum Sachsen gingen, zogen auch Geyer in Mitleidenschaft. Zum Jahre 1701 bringt der Buchholzer Chronist Meltzer die Notiz, daß ansteckende Krankheiten durch einquartierte dänische Soldaten nach Annaberg und Geyer getragen seien. Der Winter 1719/20 war für Geyer und die ganze Umgegend voll von Elend und Jammer. Die Armen in Geyer sättigten sich mit gefallenen Vieh und anderen Abgängen, infolgedessen verheerende Seuchen einrissen.

1768 fertigt Johann Christof Gottfried Kießling auf Verordnung des Oberbergamtes vom 20. April einen Bericht über das Befinden des Bergbaues zu Geyer und Ehrenfriedersdorf.

"Der Greifenbach", berichtet er, "macht meistens die Grenzlinie zwischen den Bergamtsrevieren von Geyer und Ehrenfriedersdorf und heißt bis an die Waldhütte das rote Wasser, weiter herein der Greifenbach. Von den über der Waldhütte befindlichen Teichen erhebt sich auf der Nord- und Ostseite das Harzwaldgebirge, das sich dann unter dem Namen Hannrück bis an die Brücke von Geyer zieht. Es besteht meistens aus einem von Quarz und Glimmer zusammengesetzten Schiefer. Die zur Zeit noch im Umtrieb stehenden, mehrenteils aber auflässig gewordenen Grubengebäude, von welchen Halde an Halde, Binge an Binge liegt, sind hinlängliche Merkmale, daß der Bergbau ergiebig gewesen sein muß. Auf der Oberfläche dieses Gebirges liegt der Greifenstein aus Granit, über demselben gegen Abend und Mittag der Schlegelsberg. In diesem Gebirge zeigen die vielen Halden, Bingen und Kunstgraben, daß der Bergbau dort stark floriert habe. Nachrichten sind vorhanden, daß dort Grubenbau auf Silbererz betrieben wurde. Das vom Greifenbach von der Geyer'schen Brücke gegen Morgen und Abend ansteigende Gebirge wird der Geyersberg genannt. An diesem Geyersberg liegt auf Mitternacht- und Morgenseite des Stockwerks das Birkenbüschel, wo Halde an Halde, Binge an Binge sich befindet, die alle wahrscheinlich auf den durch das Stockwerk setzenden Trümmern angelegt waren. Das Gegengebirge vom Geyersberg, die Mühlenleite, steigt von einer großen Schlucht, in welcher das Städtchen Geyer liegt und der Mühlenbach fließt, gegen Abend an. Auch auf diesem finden sich unzählige Bingen und Halden und einige Hauptrisse, welche gleichfalls auf den im Stockwerk befindlichen Trümmern angelegt werden zu sein scheinen. An die Mühlleite gegen Abend schließt sich der Spitzberg mit einer großen Anzahl Rissen, Bingen und Halden an. Vom Spitzberge gegen Mitternacht liegt der sogenannte Knochen, der sich gegen Mitternacht nach dem Geyer'schen Vitriolwerke mit verschiedenen Schächten senkt, am Fuß desselben findet sich Holzbruch, Schwefel- und Vitriolkies. Weiter gegen Abend schließen sich der Knochen und das Pechmännel zusammen. Dort liegt das Gebäude "der Hochmuth". Das Pechmännelgebirge enthält am Fuß und auf der Höhe eine große Menge Halden und Bingen, und die nahe dabei liegenden Silber- und Kupferschlacken-Halden deuten auf früheren wichtigen Bergbau. Der Zinnbergbau unter dem Schlegelsberg enthält gleichfalls viele Bingen, und es ist dort alles auf Zwitter gebaut worden, doch auch nicht in sonderlicher Teufe, denn kein Stollen ist vorhanden."

1771 und 1772 wütete im Erzgebirge eine schlimme Hungersnot, die in der ganz verarmten Stadt Geyer eine große Anzahl Menschen hinwegraffte. In diesem Jahre starben 423, vom 1. Januar bis 5. Oktober 394 Personen, während man sonst jährlich höchstens 70 Leichen zählte. 42 Personen waren aus Geyer geflohen, davon aber 33 in der Fremde gestorben. 363 hatten das Fieber glücklich überstanden. Nach dem Verschwinden der Krankheit zählte Geyer noch 915 Einwohner, darunter 148 Ehepaare, 22 Witwer, 94 Witwen, 80 Junggesellen, 103 Jungfern, 134 Knaben, 178 Mädchen und 8 ehelose Personen.

Der Bergbau von Geyer hatte im 19. Jahrhundert keinen rechten Fortgang mehr. Im Jahre 1801 wurden nur noch 5 Zentner Kobalt, 84 Zentner Zinn und 2500 Zentner Vitriol gewonnen; am 11. Mai 1803 jedoch stürzte ein großer Teil des Stockwerkes ein, vergrub 2 Arbeiter und verursachte einen Schaden von mehr als 10 000 Thalern.

Im Jahre 1830 erhielt Geyer eine Apotheke, die Apotheker Wilhelm Kändler betrieb.

1832 wurde in Geyer die Städteordnung eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkte begleiteten das Stadtrichteramt zu Geyer: Von 1801 Ehrenhold Sigismund Progeß und Karl Gottlob Blöde. 1812 Gottfried Sändig und Johann Siegfried Weigert. 1821 Johann Karl Weiß. Von 1824–1832 Christian Liebegott Reuten und J. S. Weigert.

Von gewerblichen Betrieben waren zu diesem Zeitpunkte zu erwähnen die Weigert'sche Strumpfnähfabrik mit 50 bis 60 Nähmaschinen, die Maschinenbauanstalt von Wetzel, die Wattkrempelei von Kaltofen und die Krinolinenfabrikation.

In dem an der Stadt südlich angrenzenden Siebenhöfen (damals Siebenhöf) steht die berühmte, im Jahre 1812 errichtete Baumwollspinnerei von dem 1765 in New-Wales geborenen Evan Evans, dem Begründer der sächsischen Mulegarnspinnerei. Dieser für die sächsische Industrie hoch verdiente Mann starb am 9. Dezember 1844 zu Siebenhöfen. Doch der Ruhm seiner Spinnerei lebt fort. Von der Staatsregierung wurde ihr für zweidrähtigen Zwirn, der seiner Zeit als durchaus vollkommen erschien, die goldene Medaille zuerkannt. 
iy.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 
Nr. 7 v. 13. Februar 1933

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 6, 5. Februar 1933, S. 1

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