Osterblumen, Osterkräuter, Ostervögel. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Osterblumen, Osterkräuter, Ostervögel.

Sowohl unter den Blumen wie auch unter den Kräutern gibt es verschiedene, die bereits um die Osterzeit blühen oder doch schon stärker ausgeschlagen haben. Diese Kräuter und Blumen haben im Volksmund die Namen Osterblumen oder Osterkräuter erhalten. Zu den Osterblumen gehört vor allem die an sonnigen und sandigen Plätzen wachsende dunkelviolett blühende Küchenschelle, auch noch Osterglocke und Osterschelle genannt. Eine Osterblume ist auch das Leberblümchen mit sternförmig ausgebreiteten blauen, weißen und rosenroten Blüten. In Laubwäldern und zwischen Gebüschen an Wald- und Wiesenrändern steckt die Osterlilie, das Osterbecherlein, die Frühlingsknotenblume, das Sommertürchen oder wie diese Osterblume sonst im Volksmund genannt werden mag, ihre Blüten hinaus. Auch das Waldveilchen gehört zu den Osterblumen. Waldranunkeln zeigen ihre goldgelb glänzenden Blumenblätter schon um die Osterzeit. An feuchten Waldstellen und an den Ufern von Gewässern blüht weiß, gelblich und violett die Taub- oder Hanfnessel. Überall blühen gewöhnlich um die Osterzeit auch bereits die Maßliebchen oder Gänseblümchen, auch den Löwenzahn trifft man schon blühend an, und ebenso fehlt die Schlüsselblume nicht unter den Osterblumen. Zu den Blumen, die immer schon um die Osterzeit blühen, gehören dann vor allem noch die Osterröschen oder Windröschen, das weißrötliche und das gelbe Osterröschen, dies auch noch das gelbe Osterblümchen genannt. Auch die Kätzchen der Weiden zählen zu den Osterblüten. Sie heißen ja auch Palm- oder Osterkätzchen. Alle diese Osterblumen werden nicht allein als Boten und als Zeugen des Frühlings begrüßt, sehr häufig sind sie auch noch eng mit alten Volksbräuchen und mit der Volksmedizin verbunden. Aus den Blättern, Blüten, Stengeln und Wurzeln der Osterpflanzen werden noch heute bei der ländlichen Bevölkerung häufig Heilmittel hergestellt. Es gibt sogar Gegenden, wo man die Osterblumen in frischem Zustand ißt, weil sie den menschlichen Körper von den unreinen Säften befreien sollen, die sich im Winter angesammelt haben. So heißt es im Volksglauben der pommerschen und der mecklenburgischen Bevölkerung, daß man das ganze nächste Jahr von Fiebererscheinungen verschont bleibe, wenn man um die Osterzeit die ersten drei aufgefundenen Osterröschen auf der Stelle verspeise, in Schlesien und Posen wird das gleiche vom Veilchen gesagt, in Ostpreußen erhält man sich die Gesundheit, wenn man die drei ersten Gänseblümchen roh verzehrt, anderswo sind Himmelsschlüssel und Osterglocke die Blumen, die man in frischem Zustand essen soll, wenn man gesund bleiben will.

Noch größere Heilwirkung schreibt der Volksmund verschiedenen Kräutern zu, die um die Osterzeit bereits hervorgekommen sind. Noch immer, wie bereits seit den ältesten Zeiten deutscher Kulturgeschichte, wird bei großen Teilen der ländlichen Bevölkerung des deutschen Sprachgebiets aus den Frühlings- oder Osterkräutern eine Suppe hergestellt, die am Gründonnerstag allen Familienangehörigen vorgesetzt wird. Je nachdem, ob zu dieser Suppe sieben oder neun verschiedenartige Kräuter verwendet werden, heißt sie auch die Sieben- oder Neunkräutersuppe. Auch die Bezeichnungen Sieben- oder Neunstärkung sind üblich. Die Kräuter, die zu dieser Gründonnerstag-Suppe genommen werden, sind nicht überall gleichartig, fast überall aber sind darunter Pimpinelle, Kerbel, Sauerampfer, Taubnessel, Kuhblume.

Im Volksmund gibt es auch Ostervögel, das sind die Zugvögel, die sich gewöhnlich um die Osterzeit bereits wieder bei uns eingefunden haben. In vielen Gegenden gehört dazu vor allem der Kuckuck; auch Schwalbe, Storch, Kiebitz und Finken werden zu den Ostervögeln gerechnet.
Osterreiten im Kloster Marienstern.
Osterreiter im Kloster Marienstern bei Kamenz (Sachsen). Das Osterreiten ist ein alter deutscher Brauch, der sich in vielen Gegenden Deutschlands erhalten hat.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 16, 16. April 1933, S. 1

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