Das Pochhaus von Grumbach, Erzg. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Das Pochhaus von Grumbach, Erzg.

1931 > 1931-02

(1893 durch Blitzschlag eingeäschert.)


Ein eigenartiges Schicksal ist allen Gebäuden Grumbachs aus der vormaligen Bergbauzeit beschieden gewesen: Sie sind alle vom Feuer vernichtet worden.


Auch das alte Pochhaus, das "Pochberich" wie man es nannte, ist seit 1893 nicht mehr. Ein Blitz fuhr in das Häuschen und zündete. Es stand unterhalb der Einmündung des Grumbaches bezw. Grubenbaches in die Preßnitz am linksseitigen Ufer. Hier wurde ehemals das in den benachbarten Stollen geförderte Erz durch das Stampfwerk zerkleinert. Es war ein lebendiger Zeuge des einst hier blühenden Silberbergbaues.


Im Hauptgebäude wohnte bis 1893 die Familie von Carl Moritz Heyn (eine alte Oberswteigerfamilie). Nach dem Brande tauschte die Forstverwaltung das Grundstück ein und übergab der Familie Heyn dafür einen Bauplatz im benachbarten Schmalzgrube an der Steinbacher Straße. Das hübsche Häuschen, das Heyn dorthin baute, kaufte alsdann später die Forstverwaltung als Forsthaus an. Die bei dem Brande des Pochhauses nicht mit vernichteten Schuppen wurden beseitigt. Nur überwucherte Mauerreste und Halden von taubem Gestein sind als Erinnerung geblieben.


Das "Pochhaus" wurde 1792 von einer Marienberger Bergbau-Gesellschaft anstelle einer vordem dort gestandenen Kaue erbaut. Pochhausverwalter wurde ein gewisser Schuffenhauer. Links schloß sich der Treibegöpel an, rechts stand unweit davon das Huthaus. Als 1813 Russen und Oesterreicher ins Preßnitztal einfielen, wurde das Pochhaus arg geplündert. Das Vieh hatte man im Walde in einer Felsenhöhle versteckt. Bis 1840 wurde in diesem Pochhaus auch Bierschank usw. für die vorüberjahrenden Salzfuhrleute ausgeübt. Der 1889 im Alter von 73 Jahren verstorbene Max Heyn war ein weitum bekannter Musiker. Deshalb kamen auch oft die Seminaristen vom Grumbacher Privatseminar Klingers herab zum "alten Heyn", um sich an seinem Geigenspiel zu erfreuen und manches dabei zu lernen. Auch wußte Heyn viel vom "Teufel am nahen Sommerstein" zu erzählen und besaß ein Buch von einem humorvollen Steinbacher Dichter. Die Kinder aus dem Pochhause mußten den langen Weg hinauf zur Kirchschule gehen, im Winter mußte der Schulgang vielfach unterbleiben.


Der bis zuletzt im Pochhaus wohnende Steiger Heyn, der Schwiegersohn des 1840 verstorbenen Steigers Gottlob Heinrich Schuffenhauer, war bis zuletzt mit im "Römisch-Reich-Erbstolln" angefahren. Er wußte viel zu erzählen von dem bis 1800 regen Bergmannsleben. Bergleute aller Chargen, die Wäscher, Köhler, Hammerwerksleute, Hochofenarbeiter, Fuhrleute usw., alles kehrte im "Pochhaus" ein. Tag und Nacht ratterte und stampfte das Pochwerk. Auf Schienen fuhren die "Hunte" (Wagen) mit dem Gestein heran. Als die Eisenbahn von Wolkenstein nach Jöhstadt gebaut wurde (1892), wurde das Pochwerk als Baukantine benutzt.


Schade ist es, daß bei dem Brande von 1893 mitsamt dem Pochhaus alle interessanten bergmännischen Einrichtungen, wie Triebwerk, Walzen, Haspel etc., mit vernichtet wurden.

F. Kr.


Illustriertes

Erzgebirgisches Sonntagsblatt

Nr. 2 v. 11. Januar 1931


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