Pochwerke, Schmelzhütten und Schmieden im Sehmatale bei Annaberg-Buchholz im 17. Jahrhundert (3) - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Pochwerke, Schmelzhütten und Schmieden im Sehmatale bei Annaberg-Buchholz im 17. Jahrhundert (3)

1927 > Nr. 7/1927

Von Joh. Sehm-Werdau
(Fortsetzung)

Nasspochwerk
Ansicht eines Naßpochwerkes.

Das vorstehende Bild ist eine Aufnahme aus dem Niederen Pochhaus des "Alte Hoffnung Gottes"-Bergwerkes zu Kleinvoigtsberg bei Freiberg und wurde uns vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresden, zur Verfügung gestellt. Der Arbeitsprozeß eines Pochwerkes ist folgender: Nachdem in der Scheidebank das Erz mit dem Fäustel von anhaftendem Gestein grob gereinigt worden ist, wandert es in das Pochwerk und wird hier unter den stampfenden Schlägen der Stempel in groben Sand verwandelt. Ein solches Pochwerk ist eine sehr einfache Maschine. In den Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz (Heft 3 und 4/1925) schreibt Stadtbaurat Rieß-Freiberg: "Schon Georg Agrikola schildert und zeichnet sie in seinem berühmten Werke über den Bergbau im Jahre 1610 in genau derselben Weise (siehe umstehende Abbildung), wie sie uns heute hier (in Kleinvoigtsberg. Die Red.) in voller Tätigkeit vor Augen steht. Wo findet man wohl noch eine Industrie auf deutschem Boden, deren Maschinenkonstruktion weit über 300 Jahre in derselben Form in Tätigkeit ist? Es ist dieselbe Anordnung wie bei den alten Hammerwerken des Erzgebirges, wie die gewaltigen Schwanzhämmer durch eine vom Wasserrad gedrehte ungefüge Daumenwelle gehoben werden und krachend auf den Amboß fallen. Der Frohnauer Hammer bei Annaberg, in dem 1496 die Gründung und Stadtanlage Annabergs beraten wurde, und der Freibergsdorfer Hammer bei Freiberg zeigen heute noch in der Zeit der Dampfhämmer und elektrischen Hämmer diese Anordnung. Da ist draußen das große Wasserrad, von strömendem Wasser in Bewegung gesetzt. Da ist vor uns die riesenhafte, aus einem Urwaldstamm mit der Axt zurecht gehauene und geglättete Welle. Da sind die eisernen Daumen an der Welle, welche die Stempel an eisernen Ansätzen fassen, in die Höhe heben und während der Drehung der Welle abgleitend wieder fallen lassen. Im Trockenpochwerk zermalmen sie die Erzbrocken zu Sand und Staub, im Naßpochwerk zu Schlamm."

Nahe bei dem alten Kupferhammer, wahrscheinlich an der Stelle der bei Öder angegebenen "Hans Gästs Hütt", finden wir noch eine Zinnhütte und ein darunter gelegenes Pochwerk mit zwei Gängen.

Auf einer Wiese Paul Salomons in Buchholz mutete 1656 Dr. Franziskus Hegenwaldt ein Pochwerk mit Radstube auf einen Gang.

Die schon genannte, bei der Gasanstalt zu findende "Uttmans hütt" verkaufte 1609 Chr. Kohlreuther zugleich für Barbara verw. Pirner (Ehefrau des Münzmeisters Hans Pirner in Dresden) als "die Zinn hütte".

Allem Anschein nach hat Uttmann zwei Schmelzhütten hier besessen, denn 1612 verkaufte außerdem Thobias Huber "Jacob Uttmans sen. eingefallene schmelzhütte" an die Gewerken des Freudenstollns am Pöhlberge. Sehr leicht möglich ist es aber auch, daß diese andere Uttmansche Schmelzhütte gar nicht hier im Sehmatale, sondern hinterm Pöhlberge im Pöhlatale lag, wo wir auf der Öderschen Karte an der Grenze zwischen Geyersdorf und Königswalde eine "Schmeltzhüt" eingezeichnet finden. Für diese Annahme würde sogar sprechen, daß der Freudenstolln auf jener Pöhlbergseite liegt und daß wir auf Öders Karte am linken Pöhlaufer "Vtmas buchw.", oben am Pöhlberghang "Jacob Vtmas Kieshütt" und zwischen beiden "Jacob Utmans Zech" als weitere Besitzungen Jacob Utmans finden.

Stampfmühle im Jahre 1610
Trockenpochwerk nach Agrikola.
(Aus dem Mitteilungen [Heft 3 und 4/1925] vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresden.

An der Stelle des neuen Ofenhauses der Gasanstalt befand sich, wie den meisten noch bekannt sein wird, die Hüttenmühle. Sie soll die alte Kleinrückerswalder Mühle gewesen sein. Mir erscheint dies etwas zweifelhaft. Für eine solche Annahme spricht die Lage und die Wahrscheinlichkeit, daß das Kirchdorf Kleinrückerswalde, der einstige Mittelpunkt der Herrschaft Belberg, eine eigene Mühle besessen hat. Dagegen spricht, daß diese Mühle 1553 bei der Verpfändung des Mühlenamtes Annaberg nicht genannt wird, während die ober- und unterhalb an der Sehma gelegenen Mühlen aufgeführt werden, und daß wir Anfang des 17. Jahrhunderts an dieser Stelle nur Hütten-, Kohl- und Pochwerkplätzen begegnet, die beim Bergamt zu Lehen gingen.

1630 war der Platz ein Stück Wiese. Diese kaufte 1649 Sebastian Öhm, "vornehmer Handelsmann und Bürger in Leipzig", der hier schon vorher zwei verschiedene, ebenfalls an der Kurfürstlichen Schmelzhütte gelegene Pochstätten erworben hatte. Sebastian Öhm war Mitkontrahent des Schneebergischen Kobaltkontraktes gewesen, nach dessen Beendigung er zugleich mit Erasmus Schindler "ein starker bauender gewergke vndt Handelßmann zum Schneebergk" darum nachsuchte, eine Blaufarbenmühle errichten zu dürfen, und zwar Öhm eine bei Annaberg und Schindler bei Schneeberg. Kurfürst Johann Georg erteilte auch beiden die erbetene Erlaubnis mit Privileg vom 4. Mai 1649. Hinsichtlich der Pottasche wurde ihnen dabei gleiches Recht wie der Farbmühle von Hans Burkhardt und Hans Veit Schnorr eingeräumt. Dieses Blaufarbenwerk ("Bloefarb Mühle", "Farbhütte", daher vielleicht der spätere Name Hüttenmühle) und ein Wohnhaus errichtete nun Öhm auf den obengenannten Hütten- und Pochplätzen. Dazu mutete er 1650 für die Zwecke der Blaufarbmühle ein Stollnwasser "so vnter dem Buchholzer Thore, vfm Acker, vnten an der Leithen, gegen der Churfl. Hütten vndt den Leinweber über auß gehet" und einige Jahre darnach noch ein anderes "so vnten bei H. Wolffen Graubners Garthen Mauer vndt unten an Buchholzer Fußsteige außfället".

Die Blaufarbenmühle, das Wohnhaus, die beiden Pochwerke, der alte Hütten- und Kohlplatz, die Stollnwässer und eine später noch dazu erworbene "Puchstadt und uf Einen Zeugk waßer oberhalb der Plaufarb Mühle und unter H. Paul Salomons Puchwerk über der Churfürstl. Schmelzhütten gelegen" vererbten sich dann in der Familie Öhm weiter.

Auch hier bei Annaberg wurde also einst das schöne Kobaltblau hergestellt, wie es in der Schneeberger Gegend noch heutzutage geschieht (z.B. Schindlersches Blaufarbenwerk, vgl. vorstehend!). Das Material lieferten die hiesigen Bergreviere, deren Erze ja sehr kobalthaltig waren, weshalb sie die Schmelzhütten nicht gut verarbeiten konnten.

Auf die nun folgende obere Kurfürstliche Schmelzhütte soll hier nicht weiter eingegangen, diese vielmehr in einem folgenden Artikel mit den anderen Kurfürstlichen Hütten noch besonders behandelt werden.

Das Modell einer Stampfmühle von 1610
Modell von Friedrich Voigt-Buchholz.

Es war ein glückliches Zusammentreffen, daß gerade dieser Tage oben abgebildetes Modell von Friedrich Voigt-Buchholz für das Deutsche Museum angefertigt worden ist und vor seiner Ablieferung von uns photographiert werden konnte. Im Maßstab 1 : 10 zeigt es plastisch, was nebenstehende Zeichnung wiedergibt. erst durch dieses Modell kann man sich die richtige Bauart eines solchen Pochwerkes so recht vergegenwärtigen. - Die Welle lagert frei durch die eigene Schwere und läuft auf einem Stück Eichenholz. Welle und Stempel müssen aus Fichtenholz gefertigt sein, da nur dieses sich bewährt hat. Die Stempelköpfe sind aus Metall, der Pochtrog aus Stein.

Ein großes Stück die Sehma abwärts folgt nun der jetzige Frohnauer Hammer. Doch er gehört eigentlich nicht in die Reihe dieser Darstellung, da er nicht als Berggebäude angesehen wurde. Als die ehemalige Obermühle unterstand er stets — außer einer kurzen Zeit 1621—1623 — dem Mühlenamt Annaberg, und auch im Hammer selbst durfte keine "Bergschmiedearbeit" verrichtet werden. Der Zweck und die Besitzer im 17. Jahrhundert waren kurz folgende: bis 1611 Obermühle mit 4 Mahlgängen, von da bis 1621 Ölmühle und Schleiferei des Martin Fischer. 1621 bis 1623 Silberhammer als mittelbarer Betrieb der Annaberger Münze. Dann lag das Werk 6 Jahre brach. 1629 erhielt den Hammer Stephan Hager aus Steiermark und 1632 Jacob Kemnitzer als Kupferhammer. Infolge der Wirren des 30jährigen Krieges ging der Kupferhammer ein und blieb fast zwanzig Jahre liegen, bis ihm 1657 Gottfried Rubner als Zain-, Zeug- und Schaufelhammer erhielt. Rubner verkaufte den Hammer 1663 an Christoph Fischer, Bürger und Zainschmied zu Elterlein, dessen Sohn ihn wieder an den Pächter Johann Clauß verkaufte, in dessen Familie er sich über das 17. Jahrhundert hinaus und schließlich an die Familie Martin vererbte.

Oberhalb des Frohnauer Hammers "unten in Frohnau über Gottfried Rubners Zahnhammer gelegen" befand sich ein Pochwerk, welches 1650 von dem Schichtmeister Heinrich Jobin für die Gewerken der Gotteshilfe Fundgrube gemutet worden war.

Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 7 v. 20. Februar 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 7, 20. Februar 1927, S. 1

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