Pochwerke, Schmelzhütten und Schmieden im Sehmatale bei Annaberg-Buchholz im 17. Jahrhundert (4) - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Pochwerke, Schmelzhütten und Schmieden im Sehmatale bei Annaberg-Buchholz im 17. Jahrhundert (4)

1927 > Nr. 8/1927
von Joh. Sehm-Werdau.
(Fortsetzung.)

Ein anderes Pochwerk "über den Kupferhammer über der Fronauer Flur gelegen", gehörte bis 1635 der Eva Richter. Da jedoch nicht gesagt ist, bei welchem von beiden Kupferhämmern das Pochwerk lag, ist eine nähere Ortsbestimmung nicht möglich; wahrscheinlich befand es sich aber bei dem oberen Kupferhammer an der alten Frohnau-Buchholzer Grenze.
Himmlisch Heer um 1800
Himmlisch Heer um 1800.
Ebenfalls der Lage nach nicht zu bestimmen ist ein anderes Pochwerk, welches nur als "zu fronau im grunde gelegen" bezeichnet wird und Anfang des 17. Jahrhunderts Georg Koyther gehörte.

Unterhalb der Frohnauer Brücke, auf den Grundstücken bei der jetzigen Fabrik von Carl G. Schmidt, lag die untere Kurfürstliche Schmelzhütte, die sich nur noch mühsam erhielt. So konnte 1664 Franziskus Hegewald "wohlberühmter Doctor medicinae und Physicus" ein Pochwerk und einen dabei stehenden Brennofen erhalten, "welcher uf die Churfl. Schmelzhüttenstadt biß zuerbauung deroselben zu sezen vergünstiget worden". Dieses Pochwerk hatte vorher den Gewerken "uf der Gotteshülff Fundgrub am Schlettnerweg" gehört und wurde 1666 von Hans Kleppisch und Salomon Öser gekauft. Die Lage der Gotteshülfe Fundgrube konnte auf der beigegebenen Karte nicht bezeichnet werden, da dieses Bergwerk beim Oberbergamt Freiberg nicht rißkundig ist. Gleich dabei "zwischen Hans Kleppischen und Salomon Ösers Puchwerk und der Schleif Mühlen bey der untern Churfl. Schmelzhütte uf der Fronauer gelegen" besaß 1667 Andreas Autenbeck, Bürger und Handelsmann zu Annaberg, eine Pochstatt.
Weiter die Sehma abwärts "über der Churfl. Mahlmühlen, nahe bey des Weißen Hirschen Zechenhauße" befand sich das Pochwerk des Kurfl. Zehntners David Seyffarth.

Die erwähnte Kurfl. Mahlmühle war die Herrenmühle, das spätere Elektrizitätswerk (jetzt Fabrikanlage), in welcher 8 Gänge liefen.

Von den am weitesten unten gelegenen Schmelzhütten finden wir nur noch einen "alten Hüttenplatz ... im grunde vber der walkmühle vnd an Andreas Lorenz wieße fleck gelegen" erwähnt. Dieser Platz hatte der Frau Horrer in Dresden gehört und wurde 1612 von dem Stadtrichter Ulrich Röling in Schneeberg seiner Schwester Regina verw. Meck geschenkt. Dabei find3en wir noch einen Hüttenplatz. Daß es nicht der ebengenannte ist, besagt die Bezeichnung "zwischen der alten Hüttenstad vnd der walckmühlen an wolffstein gelegen".

Die Walkmühle für die Tuchmacher und Gerber sowie eine Poliermühle am Wolfstein war 1537 vom Rat der Stadt gebaut worden. Lange zuvor schon war die Bretmühle erbaut gewesen (Richter I S. 384).

Pulverturm auf der Böttcher Halde
Pulverturm von Himmlisch Heer auf der Böttcher Halde.
Nach rekonstruktiven Aquarellen von Friedrich Voigt, Buchholz. (Siehe auch I. E. S. Nr. 41/1926 Bild Nr. 45.)
Nahe den obengenannten Schmelzhütten "über der Walckmühle an Wolffen Levins Wiese" lag das Pochwerk des Martin Meyer. "Vberm wolffstein keg S. Georg vnd Martten stoln" befanden sich ebenfalls zwei Pochstätten, die später "überm wolffstein gegen der Walckmühle über gelegen" bezeichnet werden. "Vndern Suchstoln an Wolffstein" finden wir dann noch ein Pochwerk, welches Hans Bergkmann 1613 von Hieronymus v. Steig, Kurfl. Sächs. Austeiler zu Annaberg, kaufte. Bemerkenswert ist bei diesem Kauf, daß er nicht wie sonst gegen Geld, sondern gegen einen halben Eimer "gutten, reinen, lautern wießmet (Wißmut)" erfolgte. Die ebengenannten "Martten stoln" und "Suchstoln am Wolfstein" ließen sich beim Oberbergamt ebenfalls nicht ermitteln.

Auch der Kurfürst dürfte zu seinen eigenen Schmelzhütten und Gruben verschiedene Pochwerke besessen haben. Doch sie sind nicht zu ermitteln, da über diese erklärlicherweise keine Lehen erteilt worden sind. Nur eins wird genannt, und zwar "vfn Orgellstoln am Wolffstein".

Mit diesem letzten Pochwerk wären wir am Nordende des Annaberger Bergamtreviers angelangt und es blieben noch die Bergschmieden aufzuführen. Von diesen finden wir vier.

Die eine Schmiede lag — ohne nähere Ortsangabe — in Buchholz und gehörte Anfang des 17. Jahrhunderts Heinrich Müller. Diese Bergschmiede ist wahrscheinlich dieselbe, welche auf Öders Karte 100 m südlich der Buchholzer Kirche mit "Schmid" eingezeichnet ist. Die andere Schmiede lag nicht eigentlich im Sehmatale, sondern in Hermannsdorf beim Obern Segen Gottes Stolln. Diese alte Schmiedestatt wurde aber schon 1614 nach Einstellung des Betriebes auf der genannten Grube zur Errichtung eines Wohnhauses vergeben.

Die dritte Schmiede lag "neben d. silber mühl keg Meines Gnädigsten H. vnd schmelzhütten gelegen" und wurde 1621 "mit aller Ein- und zuegehörigen bergk- vnd hütten arbeit" an Christoph Esch verliehen, dessen Vater sie vorher besessen hatte.

Die vierte Bergschmiede endlich befand sich am Nordende des Bergamtreviers "vffs Königs in Dennenmarck Stolln vnd aufm Palmbaum, vnter vnd am Wolffstein gelegen".

Überblicken wir nun noch einmal sämtliche Anlagen, so können wir feststellen, daß sich hier im Sehmatale bei Annaberg-Buchholz einst etwa 11 Schmelzhütten, über 30 Pochwerke und 4 Bergschmieden reihten. Gewiß eine stattliche Anzahl, wurden doch 1587 bei Freiberg auch nur 8 Schmelzhütten gezählt.

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 8 v. 27. Februar 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 8, 27. Februar 1927, S. 1

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