Pochwerke, Schmelzhütten und Schmieden im Sehmatale bei Annaberg-Buchholz im 17. Jahrhundert. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Pochwerke, Schmelzhütten und Schmieden im Sehmatale bei Annaberg-Buchholz im 17. Jahrhundert.

1927 > Nr. 9/1927
Von Joh. Sehm-Werdau
(Schluß.)

Ein sehr großer Teil der Pochwerke und ganz besonders der Schmelzhütten war aber schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts verfallen. Immer hatte man jedoch noch Hoffnung auf ein neues Aufblühen des Bergbaues, denn bei jeder Verleihung wurde vom Bergamt der Vorbehalt gemacht, daß, falls an dem Orte das Bergwerk wieder angehen und man den Platz brauchen würde, der Inhaber verpflichtet sein sollte, ihn gegen entsprechende Entschädigung wieder abzutreten. Erkennen läßt sich ferner, daß die Anlagen jeweils größere Gruppen bildeten, als deren Mittelpunkt wir Schmelzhütten finden. Die erste Gruppe davon lag an den Krümmungen der Sehma oberhalb der Buchholzer Friedhofskapelle, die zweite bei der Turnhalle an der Talstraße in Buchholz, die dritte und größte in dem Abschnitte beim jetzigen Gemeindeverband-Ferngaswerk, die vierte unterhalb der Brücke beim Frohnauer Hammer und die nördlichste am Wolfstein. Auch wie bis auf den letzten Rest die Triebkraft der Sehma ausgenutzt wurde, können wir bemerken, wenn wir zu den Wasserrädern der Pochwerke, Schmelzhütten (für Hochöfen und Treibeherde) und Mühlen noch die hinzurechnen, welche die am Wasser gelegenen Gruben zum Betriebe ihrer Kunstgezeuge aufgestellt hatten und dazu bedenken, daß außerdem auf der Sehma geflößt wurde. So ließen sich aus den Hunderten von Urkunden des Lehnbuchs noch mancherlei Erörterungen anstellen über Preise und andere Verhältnisse, und noch mancher Gewinn für die Familiengeschichte ließe sich aus den angegebenen Besitzern ziehen, die hier erklärlicherweise nicht alle aufgeführt werden konnten. Doch noch eine solche Darstellung anzufügen, würde für diesmal auch zu weit führen. Es sollte nur erstmalig ein Überblick gegeben werden, in wie reichem Maße hier die Pochwerke und Schmelzhütten einst lagen, die für die damalige Zeit dieselbe wirtschaftliche Bedeutung hatten, wie unsere heutigen Fabrikbetriebe, wenn sie auch bedeutend kleineren Umfanges waren. Im ganzen genommen mag es jedenfalls ein regsamer Betrieb und Lärm gewesen sein, wenn im 16. Jahrhundert zur Blütezeit des Annaberger Bergbaues alle Pochwerke und Schmieden im Gange waren, dazu von den zahlreichen Zechen die Glockenzeichen der Fahr- und Wasserkünste ertönten und aus den Schmelzhütten, Brennöfen und Meilern dicke Rauchschwaden im Tale dahinzogen.

Zum Schluß sei nur noch etwas zu der mehrfach erwähnten Öderschen Karte gesagt. Prof. Dr. Birke nimmt in seinem Programm an, daß der den Annaberger Bezirk umfassende Teil der Karte etwa zur Zeit des Ausbruchs des dreißigjährigen Krieges aufgenommen worden ist. Aus der vorangegangenen Darstellung können wir nun entnehmen, daß der Annaberg-Buchholzer Teil der Karte noch etwas früher vermessen sein muß, denn wir finden die auf der Karte angegebenen Besitzer bereits am Anfang des 17. Jahrhunderts nicht mehr lebend. Dieser Teil der Karte ist vielmehr höchstwahrscheinlich noch vor 1600 abgefaßt worden, kaum aber vor 1591.

Erzgebirgisches Sonntagsblatt Nr. 9 v. 6. März 1927


Erzgebirgisches Sonntagsblatt 120. Jahrgang, Nr. 9, 6. März 1927, S. 2

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