Von den Postverbindungen der Stadt Annaberg um 1840 (Schluß). - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Von den Postverbindungen der Stadt Annaberg um 1840 (Schluß).

Von Dipl. oec. Adalbert Zehrer.

Frachtstücke, die sich nach Umfang und sonstiger Beschaffenheit als unzuträglich mit der Größe und Bauart der Postwagen erwiesen, wurden nur zu den offenen Beiwagen angenommen, was geringeren Schutz bedeutete, oder von der Beförderung mit der Post gänzlich ausgeschlossen. Kleine Pakete wurden auch von den Eilposten mitgenommen.

Neben den fahrplanmäßigen Posten gab es noch sogenannte Extraposten, die auf besondere Bestellung überallhin fuhren, auch nach solchen Orten, die keine regelmäßige Postverbindung hatten. Umgekehrt konnten von solchen Orten aus Extraposten von der nächstgelegenen Posthalterei angefordert werden; das galt auch für Postorte, die keine eigene Posthalterei hatten. Dabei wurden, falls die Reisenden selbst Wagen besaßen, auch nur die Pferde gestellt. Ihre Anforderung hatte, je nach der benötigten Zahl, einige Stunden vorher zu erfolgen; die Stärke der Bespannung war entsprechend der Art und Größe der verwendeten Reisewagen genau vorgeschrieben. Nur bei regulativmäßiger Bespannung bestand Anspruch auf Einhaltung der vorgeschriebenen Beförderungszeit, nämlich auf 50—55 Minuten je Meile (= 7,5 Kilometer). Waren gebirgige Wege zu überwinden, konnten die Posthalter von sich aus mehr Pferde vorlegen, oder, falls die Reisenden sich widersetzten, die Beförderung mit Extrapostpferden verweigern.

Wünschten die Reisenden bei Bedarf von sechs und mehr Pferden auf den Zwischenstationen schnelle Abfertigung, hatten sie durch einen Laufzettel mit Angabe der Stunde der Abreise und der Zahl der erforderlichen Pferde derart Nachricht zu geben, daß diese jeweils spätestens 6 Stunden vor ihrer Ankunft bei jeder Station einging. Es war genau bestimmt, wie lange der Posthalter seine Pferde bei Verzögerung der Reisenden bereit zu halten hatte und von wann an er ein Wartegeld beanspruchen konnte. Andererseits waren aber auch die Reisenden berechtigt, sich in Fällen, in denen der Posthalter seinen Verpflichtungen nicht ordnungsgemäß nachkam, durch Abzüge vom Extrapostgeld schadlos zu halten. Sie konnten auch unterwegs an einem beliebigen Orte ohne besondere Vergütung bis zu einer Stunde verweilen, dagegen durfte der Postillion bei Entfernungen unter vier Meilen von sich aus nicht anhalten. Fremde Personen und Sachen sollten mit Extraposten ohne Einwilligung der Reisenden nicht befördert werden; jene wiederum durften den Postillion nicht veranlassen, von der Poststraße abzuweichen, um das Ziel auf Umwegen zu erreichen.

Die Postillione waren angehalten, alles zu tun, daß die Posten nicht unnötig aufgehalten wurden. Extraposten mit bis zu vier Pferden waren in ¼ bis ½ Stunde weiterzubefördern. Solche, deren Pferde vorausbestellt waren, sollten nicht länger als die zum Umspannen erforderliche Zeit von 10 Minuten aufgehalten werden; sie gingen anderen Extraposten (auch denen, die früher angekommen waren) und selbst den Beiwagen zu den Staatsposten vor. Sie durften auf Zeichen des Posthorns unterwegs schwerere Posten überholen, doch war "gegenseitiges Wettfahren" (siehe Landstraße von heute!) untersagt.

Das Reisen mit der Extrapost hatte gegenüber den sonstigen Posten wohl viele Vorzüge, es war aber auch entsprechend teurer! Pro Pferd und Meile wurden 10 Groschen berechnet, für einen bedeckten Stationswagen (bei jeder Station mußte umgestiegen werden) 5 Groschen pro Meile und an Postillionstrinkgeld je 5 Groschen bei zwei Pferden, dagegen je 12 Groschen bei sechs Pferden. Auf jeder Station wurden außerdem an Schmiergeld und Wagenmeistergebühr 5 Groschen erhoben. Dieses Geld, das Extrapostgeld, sowie das Chaussee- und Brückengeld war bei jeder Poststation immer bis zur nächsten vorauszubezahlen, worüber die Posthalter den Reisenden zu quittieren hatten. So kostete beispielsweise eine Extrapost mit vier Pferden auf eine Strecke von nur vier Meilen etwa 7 Taler; das war viel Geld! Entsprach dies doch ungefähr nur einer Reise von Annaberg über Schwarzenberg nach Aue.

Aber auch die gewöhnlichen Fahrposten waren verhältnismäßig teuer, wenn man bedenkt, daß das Geld damals viel größere Kaufkraft hatte als heute; auch waren die Ansprüche der Menschen an sich bescheidener. Berücksichtigt man schließlich die Unbehaglichkeiten, die das Reisen in der Postkutsche im Gefolge hatte, so ist es verständlich, daß die Leute sich ehedem nur wenn es unbedingt nötig war, zu einer solchen Reise entschlossen. Der Reiseverkehr war daher zur Zeit der Postkutsche recht gering. Wie anders sind die Verhältnisse in dieser Hinsicht dagegen heute!

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 10, 5. Februar 1933, S. 2

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