Die neuen Projekte für das Annaberger Krankenhaus. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die neuen Projekte für das Annaberger Krankenhaus.

Die unverständlichen Vorurteile weiter Bevölkerungskreise gegen die Behandlung in einem Krankenhaus sind in der Hauptsache überwunden. Man hat einsehen gelernt, daß die sanitären Einrichtungen eines Krankenhauses, die Möglichkeit spezieller, dem Leiden angepaßter Verpflegung, die ständige ärztliche Kontrolle, die sachgemäße Pflege durch geschulte Schwestern viel rascher zur völligen Gesundung führen, als eine Hauspflege mit vielen Zufälligkeiten, die einer Genesung oft hindernd im Wege stehen. Anderseits ist besonders die chirurgische Wissenschaft heute in der Lage, auch in schweren Fällen sichere Hilfe zu leisten, wenn Operation und Wundbehandlung so ausgeführt werden können, daß keine krankheitserregenden Keime in die Wunde eindringen. Diese antiseptische (keimtötende) Behandlung kann jedoch nur im Operationssaal und in der Krankenhausbehandlung gewährleistet werden, nicht aber in unhygienischen Wohnungen. Auch das hat man im Volke einsehen gelernt, und so ist heute der Zugang zum Krankenhaus viel stärker, als vor einigen Jahrzehnten. Diese Umstände und die Möglichkeit einer Krankenhausbehandlung, für deren Kosten eine Krankenkasse aufkommt, haben in den letzten Jahren auch im Annaberger Stadtkrankenhaus einen Andrang geschaffen, dem die jetzigen Raumverhältnisse nur schwer und nicht in ausnahmslos allen Fällen gerecht werden können, zumal auch Patienten aus der näheren und weiteren Umgebung Aufnahme heischen. Die nächsten größeren Krankenhäuser befinden sich in Chemnitz und Zwickau. Ist einmal der Transport Kranker nach dort oft durch die Schwere des Falles nicht möglich, so ist es auch für die Angehörigen recht umständlich, nach dort zu gelangen, um ihre Lieben zu besuchen, die in Sehnsucht nach ihren Familienmitgliedern leben, wodurch die Genesung verzögert werden kann.

(Aufnahmen vom Photo-Atelier Fritz Hacker, Annaberg.)

Stadt und Bezirk beschäftigten sich schon längere Zeit mit dem Neubau eines großen, neuzeitlichen Krankenhauses. Pläne und Kostenanschläge liegen von verschiedenen Seiten schon vor — auch zwei Modelle aus Gips, welche unsere heutigen Abbildungen wiedergeben. Würde man schließlich auch bezüglich der Platzfrage übereinkommen, so gibt es bezüglich der Kostenfrage noch Hindernisse mancher Art zu überwinden.

Eine Verwirklichung des großzügigen Projektes ist im Interesse der Volksgesundheit sehr wünschenswert.


Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 35, 29. August 1926


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 119. Jahrgang, Nr. 35, 29. August 1926, S. 8

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