Die schweren Verwüstungen im Obererzgebirge durch die katastrophale Schneeschmelze am 2. und 3. Januar 1932. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die schweren Verwüstungen im Obererzgebirge durch die katastrophale Schneeschmelze am 2. und 3. Januar 1932.

1932 > Nr. 2/1932

Ein schlimmer Jahresanfang
ist unserer Heimat beschieden gewesen. Nach einem herrlichen Neujahrstage mit strahlender Sonne, setzte am 2. Januar — nach starkem Schneefall in den Vormittagsstunden — gegen Abend Tauwetter ein. Unaufhörlich ging Regen nieder, der erst im Laufe des Montags nach und nach aufhörte. Die durch den Wettersturz eingetretene Schneeschmelze auch auf dem Kammgebiet hatte ein Hochwasser zur Folge, wie es seit Jahrzehnten in unserer engeren Heimat nicht aufgetreten war. Unsere Bilder des T. A. W.-Photo-Dienstes haben noch am Montag, den 4. Januar, den Höhepunkt der Ueberschwemmungen in vielen Orten unseres Verbreitungsgebietes festgehalten.

Unsere Bilder führen, von oben links beginnend, ins Sehmatal nach St. Andreas und zeigen dort einen von tosenden Fluten umbrandeten Schuppen. Im Hintergrunde ist die Eisenbahnbrücke sichtbar.


Im Tale der Zschopau standen weite Flächen meterhoch unter Wasser. Das Gemeindeamt Tannenberg, oben rechts, war schwer bedroht. Die folgenden Aufnahmen der Heßfabrik und der Glanzstoffwerke veranschaulichen die verheerende Ueberschwemmung des Talgrundes. Die folgende Ortsansicht von Tannenberg faßt den grausigen Eindruck nochmals zusammen. Auch in Wiesa sah es sehr schlimm aus, wie es die drei Schlußbilder dieser Photoserie belegen. Die Häuser stehen mitten im Wasser, das sich uferlos über alle tiefer gelegenen Teile des Zschopautales ergießt, Schrecken verbreitete und furchtbaren Schaden anrichtete.


Auch im oberen Sehmatal-Gebiet sind die Schäden nicht gering. Die ausgedehnten Niederungen, die sich rechts und links der Sehma in Cranzahl hinziehen, boten dem Wasser eine breite Fläche und waren auch bald restlos überschwemmt. In Sehma, wo der Fluß zwischen Häusern durchfließt, standen Wohnhäuser, Fabrikanlagen und Gärten vollständig unter Wasser. Hier entfalteten auch die Fluten eine größere Gewalt, da sie auf einen verhältnismäßig engen Raum zusammengedrängt wurden. In Neudorf wiedr, wo sich die Sehma entlang der Straße hinzieht, standen Gutsgehöfte und Häuser, sowie die Straße selbst auf weite Strecken unter Wasser, so daß der Zugang zu den Häusern vielfach nur durch Anlegung von Notstegen möglich war.

Nicht besser sah es in Königswalde aus, wo die Pöhla einem reißenden Strom glich. Die beiden oberen Bilder führen uns in das Gebiet des Pöhlatales bei Königswalde, und zwar zeigt das Bild links das T. A. W.-Presseauto, auf der Fahrt durch das Unwettergebiet am 4. Januar, auf der Dorfstraße in Königswalde, unweit des Gasthauses "Deutsches Haus", daneben sehen wir das überschwemmte Pöhlatal am Ortsausgange von Königswalde in Richtung Geyersdorf. Die unteren sechs Bilder sind Aufnahmen aus dem oberen Sehmatal. Sie veranschaulichen, von der 2. Bildreihe von links nach rechts gesehen, die Sehma in der Nähe der Stuhlfabrik Krönert in Sehma, die Überschwemmungen bei der Bretschneider-fabrik in Cranzahl, einen Blick von der unteren Straße in Cranzahl nach der Weigert-Brücke, die Überflutungen in Cranzahl von der Weigert-Brücke aus gesehen, ein von Wasser umspültes Haus in Unter-Neudorf, das nur durch einen Notsteg zugängig war, und das Hochwasser der Sehma in Mittel-Neudorf. — Bilder von den ungeheuren Verwüstungen in Geyer veröffentlichen wir auf der letzten Seite der vorliegenden Nr.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 
Nr. 2
v. 10. Januar 1932


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 125. Jahrgang, Nr. 2, 10. Januar 1932, S. 2

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