Die Zeit der Schnitzausstellungen im Obererzgebirge. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Die Zeit der Schnitzausstellungen im Obererzgebirge.

Schnitzausstellung in Jöhstadt.
Schnitzausstellung in Jöhstadt
Der Schnitz- und Krippenverein "Glück auf" Jöhstadt ist eine noch verhältnismäßig junge Vereinigung Jöhstädter Schnitzer. Er konnte in diesem Jahre seinen 6. Geburtstag feiern und zählt zur Zeit 27 Mitglieder, die mit großer Aktivität der schönen alten erzgebirgischen Volkskunst des Schnitzens obliegen und fast allwöchentlich bei einem anderen Mitglied ihre Schnitzabende abhalten. Die Erfolge dieser regen Arbeit zeigte recht deutlich die diesjährige Ausstellung des Vereins, die in Kaisers Restaurant stattfand und am Sonntag, den 15. Januar, eröffnet wurde. Man fand hier reichlich Gelegenheit, bewundernswerte Arbeiten der Jöhstädter Schnitzer auf den mannigfaltigsten Gebieten der heimischen Schnitzerei zu bewundern. Man freute sich an den prächtigen, mit peinlicher Sauberkeit und kunstsinniger Hand hergestellten Pyramiden, an den herrlichen Leuchtern, den verschiedenartigsten Weihnachtsbergen und vor allem auch an den figuralen Schnitzereien, die der Kunstfertigkeit ihrer Erzeuger das beste Zeugnis ausstellen. Unser Bild zeigt einige besonders charakteristische Ausstellungsgegenstände.

Eine Schau der Weihnachtsberge, Pyramiden und weihnachtlichen Schnitzereien in Drebach.

Der Schnitzverein Drebach hat durch seine bisherigen Ausstellungen eine ausgezeichneten Ruf erlangt, der sich auch erneut äußerte anläßlich der Eröffnung der diesjährigen Schnitzausstellung, die am Sonnabend, den 21. Januar, im Erbgericht vor sich giong. Der mit herrlichen Schnitzereien gefüllte Saal war bis auf den letzten freien Platz von den Einwohnern und anderen Freunden der Schnitzkunst besetzt, die den stimmungsvollen Darbietungen örtlicher Gesang- und Musikvereinigungen lauschten und der gehaltvollen Eröffnungsrede Bürgermeister Oßmanns Beifall zollten. Mit seltener Hingabe und Treue liegen die Drebacher Schnitzer der schönen Kunst ob und ein Vorbild in dieser Hinsicht ist ihnen ihr bewährter, tatkräftiger Vorsitzender Richard Solevski, der seit der Gründung des Vereins am 12.2.1922 die Geschicke des Vereins mit Umsicht und Erfolg leitet. Die 54 Mitglieder, die sich Woche für Woche treffen, um ihre Kunstwerke in gemeinsamer Arbeit herzustellen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig in edlem Beginnen anzuspornen, sind in ihrer Arbeit nicht zuletzt auch dadurch gefördert worden, daß Hofrat Prof. Seyffarth, der liebevoller Betreuer des Erzgebirges im Sächsischen Heimatschutz, seiner Anerkennung und Begeisterung lebhaft Ausdruck verlieh, als er die Schnitzausstellung, die 1928 an gleicher Stelle stattfand, besuchte. Er ließ es sich auch in diesem Jahre nicht nehmen, sich von den Fortschritten der Drebacher Schnitzer zu überzeugen und stattete der Ausstellung am 22. Januar einen Besuch ab. Gelegenheit, zu der Feststellung, daß die Drebacher Schnitzer nicht müßig waren, daß sie sich zu vervollkommnen suchen und mit Ernst und Liebe bei der fördernswerten heimatlichen Sache sind, bietet die Ausstellung genug. Man weiß bei der Reichhaltigkeit nicht, wohin man zuerst die Blicke wenden soll.
Pyramidenausstellung in Drebach
Unsere Bilder zeigen einen Teil der Pyramiden, ferner originelle Schnitzereien für das Puppentheater und das Bild rechts gibt einen Ausschnitt aus der Ausstellung 1928 wieder, an dem man im Vergleich mit dem Bild von der neuen Ausstellung feststellen kann, daß die Drebacher Schnitzer in der Zwischenzeit nicht müßig gewesen sind und die Zahl der Kunstwerke gegenüber 1928 bedeutend gestiegen ist.

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 
Nr. 5 v. 29. Januar 1933

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 5, 29. Januar 1933, S. 1

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