Schwindende Zeugen alter Zeit. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Schwindende Zeugen alter Zeit.

1934 > 1934-28
Mehr und mehr werden die Strohdächer in unserer Heimat zur Seltenheit. Maler, Heimat- und Photofreund bieten sie willkommene traulich-heimatliche Motive, aber die für unser Gebirge zweckmäßige Schieferbedachung wird bald auch die letzten Strohdächer aus unseren Dörfern verdrängt haben.

In Frohnau haben wir nur noch die zwei strohgedeckten Häuser, die hier im Bilde festgehalten sind. Sie zeigen die typisch erzgebirgische Bauweise.
Frohnau, Taudt-Gut
Das Taudt-Gut.
Hinter dem Frohnauer Hammer führte früher der Geyersche Steig den Berg hinan. Im Winkel zwischen diesem und der Dorfstraße lugt aus den Bäumen das sogenannte Taudt-Gut hervor, das angeblich mit seinem Alter noch seinen Nachbar, den berühmten Frohauer Hammer, übertrifft. Die Andreaskreuze in seinem Fachwerk geben dem bescheiden großen Bau einen freundlichen Ausdruck.

Als die erste Blütezeit unseres Silberbergbaus vorüber, trieben unsere Bergleute neben der Schachtarbeit als Häusler noch etwas Landwirtschaft, da die Arbeit im Bergwerk die Ernährung der Familie noch keineswegs sicher stellte. So ist wohl das Taudt-Gut als charakteristisches Anwesen solcher Häusler anzusehen. 1779 übergab Johann Christoph Ullmann, erbangesessener Bergsteiger, seinem Sohne Christian Friedrich Ullmann, ebenfalls Bergarbeiter, das Haus. Dieser verkaufte es 1824 seinem Schwiegersohn, dem Berghäuer Carl Gottlieb Taudt. Es folgen 1849 Christian Eduard Taudt und 1880 Karl Wilhelm Taudt als Besitzer. Seit 1929 befindet sich das Anwesen in Händen der Frau verw. Feig.

Der Steilhang hinter dem Gut macht dem jeweiligen Besitzer die Bestellung der angrenzenden Felder nicht leicht und brachte es mit sich, daß man in sonniger Sommerszeit einfach den Schlitten benutzte, um die Ernte einzufahren.

Leicht hätte dieses altehrwürdige, ortshistorisch wertvolle Haus ein Raub der Flammen werden können, als am 23. April 1885, dem Tage, an dem man König Alberts Geburtstag feierte, in nächster Nachbarschaft ein gieriges Schadenfeuer zwei strohgedeckte Wohnhäuser (die von Wustlich und Ullrich) und 2 Scheunen (von Ullrich und Martin) einäscherte, 4 Familien ihrer Habe beraubte und auch bereits an den Schindeln des in der Nähe befindlichen Hammers leckte.
Frohnau, oberes Günther-Gut
Das obere Günther-Gut.
(Photos: Kurt Bärthel-Buchholz.)
Im oberen Teil Frohnaus sehen wir bei Gut Nr. 3, beim oberen Günther, noch einmal Strohbedachung, die, mit dem Fachwerk des Giebels und der stattlichen Längsseite gut harmonisierend, im Schatten einer hohen Baumreihe ein schönes Bild bietet.

Vor 1752 war Johann Christoph Uhlig Besitzer, der es im genannten Jahre an Christian Benjamin Burkert aus Sehma verkaufte.

Als 1758 die sogenannte Frohnauer Windsbraut durch Dorf raste, zertrümmerte sie u. a. auch Burkerts Scheune und verwandelte die darin stehenden Fässer Kalk in eine mächtige weiße Wolke, um dann beim Nachbar Johann Friedrich Pollmer ihr polterndes Zerstörungswerk fortzusetzen. (Wir veröffentlichten vor Jahren einen ausführlichen Artikel über die Frohnauer Windsbraut. Die Schriftl.)

Benjamin Burkert verkaufte 1778 sein Halbhufengut seinem einzigen Sohne Johann Gottlob Burkert und 1816 übernahm es Gottlob Friedrich Günther als Schwiegersohn des letzteren. Günther bekleidete das Richteramt in Frohnau. Seine Amtswege führten ihn nach Wolkenstein, zu dessen Amt Frohnau früher gehörte.

Aber nicht nur ernste Gerichtssitzungen fanden hier statt, sondern auch frohe Tanzmusik erklang vor etwa 100 Jahren in den Mauern des Gutes.

1859 wurde Karl Gustav Günther, der Vater des jetzigen Besitzers Paul Günther, Inhaber.
K. Bärthel.

Illustriertes
Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 28 v. 8. Juli 1934


Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 127. Jahrgang, Nr. 28, 8. Juli 1934, S. 1

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