Bunte Steine aus dem Erzgebirge. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Bunte Steine aus dem Erzgebirge.

Alte Annaberger.

Stephan Hünerkopf.


Sein Vater Wolf Hünerkopf, Münzmeister in Annaberg, war von Elterlein gebürtig und vorher daselbst Bergmeister gewesen. Hiesiger Münzmeister wurde er 1533, rückte aber erst 1537 in die Stelle des in diesem Jahre verstorbenen vormaligen Münzmeisters Melchior Irmisch ein. Im Jahre 1543 kaufte er vom Herzog Moritz die zur Abtei Chemnitz gehörigen drei Dörfer Neukirchen, Burkhardtsdorf und Klaffenbach für 7000 Gulden, von welcher Kaufsumme der Herzog Moritz der Stadt Annaberg ein Vermächtnis von 2000 Gulden aussetzte mit der Bestimmung, die Zinsen an 100 Gulden jährlich zum Unterhalt der Kirchen- und Schuldiener zu verwenden. Vorher besaß Wolf Hünerkopf das von Anshelm Thumshirn am Markte (jetzt Nr. 13, "Wilder Mann") erbaute Haus, außerdem aber auch das an der Adam-Ries-Straße gelegene spätere "Stechgut" (1914 niedergebrannt), welches früher allgemein "der Hünerkopf" genannt wurde. Wolf Hünerkopf scheint ein sehr reicher Mann gewesen zu sein, denn er streckte 1562 dem Kurfürsten August abermals ein Kapital von 4000 Gulden vor, war auch bereit, ihm noch 5000 Gulden darzuleihen. Auch erlangte durch ihn sein Geschlecht den Adelsstand. Nach seinem Tode verkauften seine drei noch lebenden Söhne, nämlich der obengenannte Stephan Hünerkopf, Hans Hünerkopf — der Besitzer des Rittergutes Sachsenfeld war — und Sebald Hünerkopf — der das Rittergut Wiesa bei Annaberg besaß — am 29. September 1570 das Rittergut Neukirchen mit Burkhardtsdorf und Klaffenbach für 26248 Gulden. Diese drei Erben stifteten der hiesigen Schule nach den älteren Rechnungen derselben ein Legat von 100 Gulden, jedoch scheint dasselbe weder ausgezahlt noch die Zinsen davon berichtigt worden zu sein.

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Ehemalige Kleinodien der St. Annenkirche.

Nach einer Spezifikation, die im Jahre 1526 kurz vor den Osterfeiertagen über die Kleinodien der Hauptkirche gemacht wurde, befanden sich (ungerechnet der vielen Reliquien) in unserer Kirche:

12 silberne Kelche, beträchtlich an Gewicht, 1 großer St. Christoph, der allein an Silber mehr wog, als die zwölf Kelche zusammen, 12 silberne Apostel, 1 heilige Anna, die an Silber 190 Mark oder 95 Pfund wog, und noch viele andere "silberne Kleinigkeiten".

Zwei Kirchner, Wolf Schmelz und Thomas Otte, hatten genug zu tun, diese Silberschätze zu hüten; in wöchentlichem Wechseldienste mußte jeweilig einer derselben mit zwei starken Hunden Nachtwache halten.

Nach Herzog Georgs Tod (10. April 1539) kam dessen Bruder Herzog Heinrich, der Lehre Luthers ergeben, zur Regierung; dieser ließ die genannten Kleinodien "zu nützlicherem Gebrauch" hinwegfahren — d. h. er machte sie zu Geld.

—m—

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Die "Ferdinandgasse".
(Eine andere Lesart zu E. Finck, Straßenbenennungen.)

Der verstorbene Bezirksschulinspektor Dr. Spieß schreibt an einer Stelle über die Entstehung der Bezeichnung "Ferdinandgasse" folgendes: Im Jahre 1878 erhielten eine Anzahl bis dahin unbenannter Gassen und Gäßchen Annabergs Namen. Die Gasse, welche von der Wolkensteiner Gasse zur Oberen Schmiedegasse führt, wurde "Ferdinand-Gasse" getauft. Der Name hat folgenden Ursprung: Bürgermeister Scheibner besaß bis 1874 das rechts von der Mündung der Ferdinandgasse auf der Oberen Schmiedegasse gelegene (jetzige) Haus Nr. 11 — jetzt Hubertuskeller —. Seinem erstgeborenen Sohne aus 2. Ehe Ferdinand zu Ehren, der in diesem Haus geboren ward, empfing die benachbarte Gasse nachträglich den angeführten Namen. — So erzählte Stadtrat Römer den Zusammenhang, der früher in Gemeinschaft mit Stadtrat Köselitz mit Benennung der Gassen beauftrag, der betr. Gasse den Namen Schmiede-Quergasse gegeben.

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Erzgebirgisches Sonntagsblatt
Nr. 39 v. 26. September 1926


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Erzgebirgisches Sonntagsblatt 119. Jahrgang, Nr. 39, 16. September 1926, S. 5

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