Sturmgewitter über dem Obererzgebirge am 12. August 1933. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Sturmgewitter über dem Obererzgebirge am 12. August 1933.

Straßensperren durch entwurzelte Bäume.
Straßensperren durch entwurzelte Bäume auf der Wiesenbader Straße.
Die Aufnahmen des T. A. W.-Photodienstes zeigen, wie man noch am Sonnabend nachmittag sofort an die Beseitigung der Verkehrshindernisse ging. — Auf dem Bilde links: Gaupropagandaleiter Bauer-Dresden (ganz rechts), der frühere Kreisleiter des Obererzgebirges, der eifrig mithalf.
Das Unwetter vom 28. Juli 1933, das in der Umgebung von Pirna und in der Sächsischen Schweiz so verheerend hauste und in unserer engeren Heimat auch Jahnsbach und Thum schwer in Mitleidenschaft gezogen hatte, stand noch in frischester Erinnerung, als am vergangenen Sonnabend, den 12. August, nachmittags 4 Uhr, eine gefahrvoll bräuende Wolkenwand heraufzog und den himmel verfinsterte. Aus drückender Schwüle heraus bildeten sich als Vorläufer Luftwirbel, denen rasch ein gewaltiger Sturm mit peitschenden Regengüssen folgte. Mit orkanartiger Gewalt, von zuckenden Blitzen und krachendem Donnern begleitet, raste das Unwetter über unser Erzgebirge. Sein Weg war gekennzeichnet von den schwersten Verwüstungen. Kaum war das Sturmgewitter vorüber, meldete man uns von verschiedenen Seiten die schweren Schäden, die es hinterlassen hatte. So waren auf der Wiesenbader Straße gewaltige Bäume entwurzelt, Telefonstangen umgeknickt und umgeworfen worden. In Wiesenbad waren Gärten und Straßen arg zugerichtet, Bäume von ansehnlicher Stärke förmlich zerrissen und vielfach entwurzelt. Das massive eiserne Geländer längs des Mühlgrabens war von stürzenden Bäumen in den Graben gedrückt worden. In Mildenau wurde eine fast zweihundertjährige Linde auseinandergerissen. Auch hier und in allen Orten nach Osten zu waren Bäume aus dem Boden gerissen, starke Äste weithin über die Felder geschleudert und Licht- und Fernsprechleitungen zerstört. In Großrückerswalde wäre beinahe ein Geschirr von einem stürzenden Baum erschlagen worden. Auch aus Wiesa, Schönfeld, Neundorf, Geyer wurden ähnliche Verheerungen gemeldet. In Ehrenfriedersdorf hob der Sturm das Dach eines Lagerschuppens ab und trug es 50 Meter weit fort. Ueberall zeugten tiefe Wasserrinnen auf Straßen und Wegen von der reißenden Gewalt der Wassermengen, die in kürzester Zeit niedergingen. Dachschiefer lagen umher und überall mußten Feuerwehr, SA und Arbeitsdienst eingreifen, um die Straßen von Baumsperren frei zu machen.

In der Stollberger Gegend, wo auch Hagel mit auftrat, wurden durch den wolkenbruchartigen Regen viele Keller und z. T. sogar die Erdgeschosse unter Wasser gesetzt. In Aue litt die mit vieler Mühe und unter großen Kosten errichtete Gartenbau-Ausstellung sehr schwer.
Abgebrochene Telefonmasten.
Abgebrochene Telefonmasten an der Wiesenbader Straße.
(T. A. W.-Photodienst.)

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 34, 20. August 1933, S. 1

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