Vor 250 Jahren. - Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt

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Vor 250 Jahren.

Ein benachbarter geistlicher Ortsgeschichtsschreiber (P. Melzer-Buchholz) teilt uns über das Jahr 1683 folgendes mit, was wir in Annaberger Chroniken nicht finden: Am Neujahrstage fing es gewaltig an zu schneien und es gab eine lange Schlittenbahn, bis sie in eine Schneeflut verwandelt wurde, die großen Schaden anrichtete. Darauf folgte ein fruchtbarer Sommer. So sehr aber sonst die Leute in Furcht lebten, daß die Türken die Residenz Wien grausam belagerten, so herzlich mußten sie nachher Gott danken, daß die Stadt von Kurfürst Johann Georg III. entsetzt wurde. Seit dieser Zeit hat sich die Türkenfurcht und -gefahr sichtlich vermindert, zumal in den folgenden Jahren der römische Kaiser noch mehrere Siege über die Türken erfocht. Die zurückgekehrten Soldaten kamen wieder in ihre Quartiere und wußten viel zu erzählen. Andere aber übten viel listige und seltsame Händel mit Bedrückung der Leute aus.

In Annaberg verhandelte unter dem Wolkensteiner Tore einer einem Bauer die dort angebrachte Kette um billiges Geld als eine Hemmkette und lief davon. Als das Bäuerlein dann fand, daß die Kette in der Mauer festgemacht war, merkte er erst den Betrug. Ein anderer verkaufte einen eingewickelten Flor an einen Wolkensteiner, vertauschte aber dann behend das Paket gegen ein ähnliches mit Werg und verschwand. Der Wolkensteiner hatte bei seiner Heimkunft zum Schaden den Spott.

Wie aber dieses Jahr auch sonst ein gesegnetes war, ist daraus zu entnehmem, daß hier den Verstorbenen zwölf ganze Funera (Beisetzungen 1. Klasse mit kirchlicher Feier, Teilnahme aller Geistlichen, der Schule etc.) ausgerichtet wurden, wogegen in schweren Zeiten oft jährlich kaum ein einziges solches Leichenbegängnis stattfand.
—cj—

Illustriertes Erzgebirgisches Sonntagsblatt 126. Jahrgang, Nr. 13, 26. März 1933, S. 2

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